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22.09.2010

Ralf Falkenmayer über Jupp Heynckes

»Dann platzte ihm der Kragen«

Interview: Christian Gail  Bild: Imago

Ein Eklat, als der damalige Eintracht-Coach Jupp Heynckes im Herbst 1994 drei seiner Topstars feuerte. Vor dem heutigen Spiel gegen seinen alten Verein sprachen wir mit Ralf Falkenmayer über Heynckes und die Skandalsaison.

Ralf Falkenmayer über Jupp Heynckes - »Dann platzte ihm der Kragen«


Ralf Falkenmayer, welche Erinnerungen haben Sie an Jupp Heynckes' Auftakt in Frankfurt?

Er kam damals aus Bilbao und wollte bei der Eintracht alles hundertprozentig richtig machen. Von Vereinsseite hat er jegliche Unterstützung bekommen, doch das Umfeld und die Bedingungen in Frankfurt waren nicht mit denen in Bilbao oder München zu vergleichen. Es war ein schwieriger Start.



Jupp Heynckes warf am 16. Spieltag Maurizio Gaudino, Anthony Yeboah und Jay Jay Okocha aus dem Kader. Wie haben Sie diesen Eklat mitbekommen?  

Der Streit entfachte während des Abschlusstrainings. Normalerweise macht man da nicht mehr so viel. Und so flankten wir von links und rechts vor das Tor. Dort warteten Jay Jay und Anthony und hauten aus fünf Metern Torentfernung jeden Ball daneben. Jupp Heynckes stand derweil hinter dem Tor und sein Hals wurde immer dicker und roter. Irgendwann ist ihm dann der Kragen geplatzt.

Wie kann man sich das vorstellen?

Er hat sie zu sich gerufen und gemeckert. Wenn man die Jungs kennt, weiß man eigentlich, dass sie es auch mal locker angehen ließen. Das hat dem Trainer aber nicht gepasst und somit mussten sie zur Strafe laufen gehen.

Dieses Straftraining hat dazu geführt, dass die Spieler das kommende Spiel gegen den Hamburger SV boykottierten und sich offiziell krank meldeten. Der »Kicker« sprach damals von der ersten großen »Meuterei« in der Bundesligageschichte. Wie hat die Mannschaft diesen Boykott aufgenommen?


Sie waren unsere Leistungsträger, die konnte man nicht so leicht ersetzen. Aber man musste die Entscheidung des Trainers akzeptieren. So war es eben. Beim Spiel gegen den HSV haben wir uns gedacht: »Jetzt erst recht!«, und haben uns reingehängt.

Das Spiel gewann die Eintracht mit 2:0. Heynckes warf Anthony Yeboah anschließend »schlampiges und unprofessionelles Arbeiten« im Training vor. Wie beurteilen Sie das Training unter Heynckes?

Er war ein sehr guter Trainer, mit tollen Trainingsmethoden und taktischem Verständnis. Doch nicht umsonst hat er den Spitznamen »Osram«. Sein Kopf ist oft rot angelaufen – sofort wusste man, dass er wütend wird. Aber das, was wir im Training gemacht haben, hatte immer Hand und Fuß.

Erkennen Sie Ihren alten Trainer, wenn Sie Ihn heute an der Linie sehen?

Klar erkennt man seine Art, aber er hat sich auch ein bisschen verändert. Er ist auf jeden Fall ruhiger geworden und nicht mehr so cholerisch wie früher. Im Alter wird man ja etwas milder.

Bernd Hölzenbein sagte damals bei der Vorstellung des neuen Trainers Jupp Heynckes: »Wenn wir die Sache mit Heynckes nicht durchziehen, dann wird es nie etwas mit der Eintracht«. Heute gilt diese Saison als Anfang vom Ende einer Ära in Frankfurt. Wie haben Sie die folgende Zeit in Frankfurt empfunden?

Ich als Frankfurter hänge natürlich am Verein. Die folgenden Saisons und der Abstieg 1996 waren keine schöne Zeit für mich. Es war immer unruhig und gab viele Trainerwechsel. Damals war es schon etwas besonderes, wenn es ein oder zwei Jahre Ruhe gab. Das galt als eine lange Zeit. Heute ist das anders in Frankfurt. Heribert Bruchhagen führt den Verein sehr gut und es gibt nicht mehr so viel Theater wie früher.

Sie haben sowohl bei Eintracht Frankfurt als auch bei Bayer Leverkusen gespielt. Welchem Verein drücken Sie heute abend die Daumen?

Ich habe in Leverkusen eine schöne Zeit erlebt. 1988 haben wir unter Erich Ribbeck sogar den Uefa-Pokal gewonnen. Trotzdem schlägt mein Herz immer noch für die Eintracht.    




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Kommentare

  • User
  • 22.09.2010 19:06:18 AntiMöller

    Oh, ich erinnere mich nur zu gut: damals hatte ich Yeboah in unserem Managerspiel für die damilig irrwitzige Rekordablöse von 18 mios gekauft (bei einem Etat von 66 mios für 22 Spieler!). Dieser absolute Stürmergott spielte dann kümmerliche 14 Spiele, in denen er 7 x traf (aus dem Kopf). Danach hatten sowohl Heynckes, als auch Toni bei mir erst mal verschissen.

    Die erste "Revolte" gab es aber in Nürnberg (unter Heinz Höher?). Dort wollte die halbe Mannschaft nicht mehr. Muss Ende der 80er gewesen sein. Heinz Höher ist der Kinderbuchautor, was mich zweifeln lässt, ob es unter ihm passierte.

  • User
  • 23.09.2010 09:46:17 mitleser

    Wenn man damals in Frankfurt mal ein wenig mehr hinter Heynckes gestanden wäre und nicht so ängstlich auf den Marktwert der Arbeitsverweigerer geschielt hätte dann wäre die Eintracht vielleicht nicht so in einen Abwärtsstrudel geraten; aber dazu wissen sicherlich eingefleischte Eintracht-Fans mehr.
    Dafür kann ich mit näheren Infos zu der "Revolution" in Nürnberg aufwarten. Im Herbst 1984 war der Club nach einer wahnwitzig bodenlosen Saison (kein einziger Auswärtspunkt, saisonübergreifend 29 Auswärtsspiele hintereinander in der Bundesliga verloren) eher durchwachsen in die Zweite Liga gestartet. Ein ebenfalls eher maues Heimspiel gegen Oberhausen (1:1) war Anlass für harsche Kritik der Nürnberger Zeitungen - und für einen Besuch von fünf Spielern, die sich allerdings nicht über die Berichterstattung beschwerten, sondern den Trainer in der Öffentlichkeit anprangern wollten. Das Ganze war ein ziemlicher Aufreger, und das Präsidium des Club war gut am rotieren. Am Ende wurden sechs Spieler fristlos entlassen (einer der Aufrührer - Thomas Brunner - war einsichtig und bekam eine Gnadenfrist, die zwei zusätzlich gefeuerten Spieler... keine Ahnung) und der Kader war auf einmal voll mit Nachwuchsspielern. Diese verloren zwar das nächste Spiel in Aachen, aber stiegen am Ende der Saison auf, und mit dem Fundament dieser Mannschaft wurde dann 1988 sogar der UEFA-Cup erreicht bis dann... naja, es ist der Club, dann ging es halt wieder bergab, man verkaufte die jungen Spieler (Eckstein, Dorfner, Grahammer, Reuter etc.), holte dafür eine ganze Reihe Stehgeiger und stieg dann irgendwann mit ewig hohen Schulden wieder ab. Alle Infos zu der "Revolte" habe ich aus einem Buch über den 1.FCN, also weiß ich nicht wie zuverlässig das alles ist, aber es ist eigentlich sonst recht ausgewogen, ich denk mal das dürfte schon passen.
    Ob das nun allerdings der erste Spieleraufstand war wage ich ebenfalls zu bezweifeln, immerhin haben die Bayernspiel damals auch den Präsidenten zum Rücktritt getrieben. Und davor war bestimmt auch irgendwas... das wäre doch mal was, eine Serie über erfolgreiche und gescheiterte Spieleraufstände.

  • User
  • 23.09.2010 09:48:06 mitleser

    Mist, vergessen: das Ganze war unter Heinz Höher, der Präsident damals war Gerd Schmelzer und der Besuch bei der Zeitung am 29. Oktober 1984. Der Doppelpost tut mir leid.

  • User
  • 23.09.2010 10:16:36 Yvy

    furchtbar interessant, was irgendwer in einem managerspiel macht

  • User
  • 23.09.2010 11:16:46 Orangeat und Sukkade

    Also, ich koppel und kombiniere auch immer gerne alles mit meiner Managerspiel-Vergangenheit. Weswegen Benny Lauth und Phlipp Lahm bei mir immer einen guten Stand haben werden - ich war ihr Entdecker. Jedenfalls im Managerspiel.

    Die größte Meuterei fand aber wohl ein paar Jährchen später in Stuttgart statt. Als sich Winfried Schäfer mit 25:0 Stimmen gegen sich der Mannschaft beugen musste...

  • User
  • 23.09.2010 11:19:20 gelsenkirchen

    manchmal wache ich nachts auf, schweissgebadet, und brülle laut "HEYNCKEEEEEEESSSSSS!!!!!" dann schlafe ich wieder ein. ich denke es geht auch vielen frankfurtern so.

  • User
  • 23.09.2010 12:00:04 BerndB

    Definitiv. Ich trage es Jupp auch heute noch nach. Ohne ihn wären wir mind. einmal deutscher Bundesligameister geworden, da bin ich mir sicher.

  • User
  • 23.09.2010 15:18:18 4ter Blinder

    Hat mich 15 Jahre gekostet, dem Jupp zu verzeihen.
    Schade, dass er erst viel später nachweisen konnte, dass er nun auch mit solchen Spielern umgehen kann. (Stichwort Podolski).
    Damals war seine Jugendherbergsvater-Mentalität ohne Rücksicht auf Verluste wirklich unerträglich.
    Bald danach wurde die CL gestartet, und die SGE wäre wohl öfter mal dabei gewesen. Andererseits: Die Gelder hätte Ohms sicher doch nur im Milieu verbumst.
    Eigentlich hat sich die Eintracht bis heute noch nicht davon erholt.

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