Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
14.04.2012

Die 50 härtesten Derbys der Welt #1

Frotzeln ist nicht mehr

Text: Jens Kirschneck, Thorsten Schaar und Alex Raack  Bild: Imago

Schalke gegen Dortmund, angeblich das beste Derby der Bundesliga. Alles schön und gut, aber wir präsentieren euch die 50 besten Derbys der Welt. Die Plätze 50 bis 25. Von H wie Hessenhass bis F wie »Friendly Derby«.

Die 50 härtesten Derbys der Welt #1 - Frotzeln ist nicht mehr


Alex Ferguson, der damals noch weit davon entfernt war, ein Sir zu sein, wollte eigentlich nur auf die Stimme der Liebe hören. Doch die Wahl seines Herzens provozierte einen Sturm der Entrüstung und sorgte dafür, dass sich der Stürmer der Glasgow Rangers einen neuen Job suchen musste. Ferguson hatte es gewagt, eine Katholikin zur Frau zu nehmen, und bereits das war für die Rangers zu viel. Glasgows Fußball spielt sich schließlich seit jeher entlang einer rasiermesserscharfen Demarkationslinie ab: auf der einen Seite die Rangers, blau, protestantisch und für die etablierten Kräfte der schottischen Gesellschaft stehend; auf der anderen Seite Celtic, grün-weiß, katholisch und der Verein für die armen irischen Einwanderer. Manches davon stimmt heute nur noch so halb, aber darum geht es bei diesem Thema nun wirklich nicht.



Willkommen im Derbyland, wo der Fußball endgültig jenseits jeglicher Rationalität angekommen ist. Geben Sie Ihren gesunden Menschenverstand an der Garderobe ab, bevor Sie sich auf dieses Terrain begeben. Hier ist die Legendenbildung wichtiger als jede historische Wahrheit, hier werden keine Gefangenen gemacht, es wird mit der gröbsten aller Nadeln gestrickt und die Rache ist süßer als irgendwo sonst. In dieser Gegend wimmelt es von Helden, Verrätern und Schurken, und der Schiedsrichter ist ohnehin der Schlimmste von allen. Das Phänomen des Derbys gehört zum Faszinierendsten, was der Fußball zu bieten hat. Und manchmal leider auch zum Ekligsten. Leichen pflastern seinen Weg.

Zwei alte Mühlsteine begründen das erste Derby

Dabei hatte alles ganz klein angefangen, sogar nicht mal richtig mit Fußball. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts gibt es im kleinen Flecken Ashbourne in der englischen Grafschaft Derby die Tradition des Shrovetide Matches, bei dem die Bewohner der Oberstadt gegen die der Unterstadt antreten. Ganze zwei Tage lang, an Faschingsdienstag und Aschermittwoch, versuchen dort mehrere hundert Teilnehmer, den Ball in einem der Tore unterzubringen, die etwa fünf Kilometer voneinander entfernt entlang des Flüsschens Henmore liegen, der die Kleinstadt in zwei Hälften teilt – wobei es sich nicht um Tore im engeren Sinne, sondern um zwei alte Mühlsteine handelt. Das Geschehen ist unübersichtlich, Rudelbildung par excellence, es wird getreten, gestoßen und gerungen, was das Zeug hält, und manch einer ist im Eifer des Gefechtes auch schon im Fluss ersoffen. Abgesehen von den Spielregeln bietet das Shrovetide Match all das, was auch die guten Derbys im Fußball auszeichnet: große Emotionen und eine starke lokale Rivalität. Nur der spielerische Charakter der Veranstaltung in Ashbourne, wo sich spätestens nach zwei Tagen die Wogen glätten und sich alle wieder lieb haben, der ist im Fußball manchmal verlorengegangen.

Das Derby, das als das älteste im Fußball gelten darf, ist gar nicht weit von Ashbourne zu Hause. 1866 war es, als in der mittelenglischen Stadt Nottingham erstmals die örtlichen Fußballklubs Forest und Notts County aufeinandertrafen. Die Keimzelle ihrer Rivalität ist eine geläufige bei Lokalduellen überall auf dem Planeten: Bürgerliche Oberschicht (Notts County) trifft auf proletarische Unterschicht (Forest), zumindest hat es in diesem Sinne mal angefangen. Spätestens mit dem kometenhaften Aufstieg von Forest Ende der Siebziger, als der Provinzklub unter Trainer Brian Clough sogar zweimal den Europapokal der Landesmeister gewann, hatte sich diese Einordnung aber erledigt.

Das nächste Nottingham-Derby ist noch ein paar Jahre hin

Die Bedeutung des Nottingham-Derbys leidet darüber hinaus unter einem Umstand, der sich aus dem wankelmütigen Charakter der Kontrahenten ergibt: Es findet einfach zu selten statt, weil beide nicht oft in der gleichen Liga spielen. Heutzutage hat ohnehin jeder der Klubs seine eigenen Sorgen. Während Forest verzweifelt versucht, an die guten alten Zeiten anzuknüpfen, und es dabei zumindest mal wieder in die Spitzengruppe der zweiten englischen Liga geschafft hat, dümpelt Notts County in der vierten Liga, hat aber immerhin neuerdings einen Scheich als Geldgeber und den ehemaligen englischen Nationalcoach Sven Göran Eriksson als Sportdirektor verpflichtet. Bis zum nächsten Derby in der Liga ist es trotzdem noch ein paar Jahre hin.



Aus Heft#99 02/2010

Derby! Die härtesten Duelle der Welt


weiterlesen [1] [2]





50
FC Liverpool – FC Everton
England

Die Stadtduelle am Mersey sind seit jeher als »Friendly Derby« bekannt, und das, obwohl der FC Everton seine ersten Spiele einst an der legendären Anfield Road austrug, bis ein etwas zu gieriger Brauereibesitzer namens John Houlding die Miete erhöhte, Everton in den Goodison Park umzog und Houlding aus zusammengekauften Schotten den Liverpool Football Club & Athletic Grounds Company Limited gründete. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.


Fotostrecke

  • 50<br />
FC Liverpool – FC Everton<br />
England<br />
<br />
Die Stadtduelle am Mersey sind seit jeher als »Friendly Derby« bekannt, und das, obwohl der FC Everton seine ersten Spiele einst an der legendären Anfield Road austrug, bis ein etwas zu gieriger Brauereibesitzer namens John Houlding die Miete erhöhte, Everton in den Goodison Park umzog und Houlding aus zusammengekauften Schotten den Liverpool Football Club & Athletic Grounds Company Limited gründete. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
  • 49<br />
Chivas – Atlas Guadalajara<br />
Mexiko<br />
Die Millionenstadt Guadalajara beherbergt das älteste Stadtderby Mexikos: den »El Clasico Tapatio«. Eine Reportage von 1957 hat ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren: »Die Begegnung war wie alle Tapatio-Derbys geprägt von Kampf, von Streitigkeiten auf dem Platz und auf den Rängen, Einmischung der Trainer, Platzverweisen und dem Einschreiten der Polizei.«<br />
  • 48<br />
Grasshoppers – FC Zürich<br />
Schweiz<br />
Die Flamme, die die Feindschaft im »Duell der ungleichen Nachbarn« (Neue Züricher Zeitung) am Lodern erhält, wird immer kleiner. Fast vorbei sind die Zeiten, in denen FC-Präsident »Stumpen-Edi« Nägeli den Wechsel von Nationalspieler »Köbi« Kuhn zu den Grasshoppers mit den martialischen Worten verhinderte: »Nur über meine Leiche!« In der Gegenwart kämpfen sowohl die Grasshoppers als auch der FC um Zuschauer. <br />
  • 47<br />
Hearts of Midlothian – Hibernian<br />
Schottland<br />
Den Ursprung der Feindschaft in einem der ältesten Stadtderbys der Welt (das erste Duell in Edinburgh wurde am ersten Weihnachtstag 1875 angepfiffen) findet sich im Vorfeld des schottischen Pokalhalbfinals 1881, als die Hearts mit unschönen Mitteln versuchten, sich den Weg ins Endspiel zu bahnen. Eine Abstimmung beim Verband, mit dem Ziel, die Hibs wegen angeblicher Unsportlichkeit auszuschließen, endete 10 zu 10. Hibernian, motiviert bis in die Haarspitzen, gewann anschließend mit 3:1.
  • 46<br />
AIK Solna – Djugardens Stockholm<br />
Schweden<br />
Die Europameisterschaft 1992 löste in Schweden einen gewaltigen Fußballboom aus – mit fragwürdigen Folgen für die Stockholmer Fankultur. Bei den Derbys zwischen Solna und Djurgarden (ein ehemaliger königlicher Tiergarten) bestimmen die »Black Army« (AIK) und die »Blue Saints« (Djurgarden) die Launen der Kurve. Seither ist die Hooligangewalt das größte Problem im schwedischen Fußball. 1996 hätte die Brisanz im Stockholmer Derby fast unfreiwillig Geschichte geschrieben. Wiederholte Randale der »Blue Saints« führte dazu, dass Djurgarden mehrere Heimspiele vor leeren Rängen durchführen musste – der Klub wäre daran beinahe Bankrott gegangen.
  • 45<br />
Hamburger SV – FC St.&#8201;Pauli<br />
Deutschland<br />
Man mag es heute kaum glauben, aber große Euphorie für das Duell zwischen dem HSV und dem FC St.&#8201;Pauli war vor 30 Jahren noch alles andere als üblich. 1977 schrieb das »Hamburger Abendblatt« zum Derby: »Auf dem Kopf eine HSV-Mütze, auf den Lippen ›Sankt-Pau-liii‹-Rufe. Die Zuschauer nahmen das Bundesligababy auf ihren Schoß und päppelten es mit Beifall und Anerkennung hoch.« Wenige Jahre danach ist alles anders. 1983 textet der »Spiegel«: »Besonders nachhaltig verfilzen sich Fußballrandale und rechter Untergrund in der Westkurve des Volkspark-Stadions.« Der Beginn einer politisch begründeten Feindschaft zwischen HSV und St. Pauli, die bis heute aufrechterhalten wird. Hätte nicht alles so bleiben können wie in den Geschichten des HSV- und Pauli-Fans Horst Metzger? »Diese Rivalitäten hat es früher nie gegeben. Wir frotzelten uns gelegentlich, das war´s dann auch.«


Kommentare

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Und bei euch so?

Chaos dahoam!
Trauer dahoam!
Freude dahoam!
Wut dahoam!
Lasst mich mit diesem »dahoam« endlich in Ruhe!




Theaterautor Jörg Menke-Peitzmeyer im Interview


Wie heißen noch mal die Söhne von Martin Jol?

  • Cock
  • Dick

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER