Die Roboter kommen
Weltmeister 2050
Interview: Jörn Lange Bild: Imago
Im Jahr 2050 sollen Fußballroboter erstmals die menschlicher Konkurrenz überflügeln – so das Ziel der Entwickler. Steffen Heinrich, Mitglied des aktuellen Vizeweltmeisters »FU-manoids«, erklärte uns wie die Chancen stehen.
Steffen Heinrich, seit wann entwickeln Sie Fußballroboter und vor allen Dingen: warum?
Mit den humanoiden Fußballrobotern beschäftigen wir uns mittlerweile seit vier Jahren, vorher gab es allerdings schon andere Fußballroboter an der FU. Ausgangspunkt war der Sieg des Schachcomputers »Deep Blue« über Garri Kasparow. Danach hat man sich gefragt, was die nächste Hürde sein könnte. Fußball bietet sich an – es ist dynamischer und interaktiver, gleichzeitig aber auch simpel: Der Ball liegt immer auf dem Boden, das Feld hat nur eine Farbe und es gibt nur zwei Tore.
Roboter-Fußball ist also bloß eine ambitionierte Spielerei von Technik- und Informatik-Nerds? Oder gibt es ein höheres Ziel?
Schon, das erkennt man nur nicht auf Anhieb. Es geht uns nicht in erster Linie darum, gut Fußball zu spielen. Wir wollen erreichen, dass Maschinen in einem menschlichen Umfeld agieren können. Da geht es um Teilgebiete wie Computersehen oder das Laufen einer Maschine. Fußball ist das Mittel zum Zweck.
Wie funktionieren Ihre Roboter denn eigentlich?
Jeder Roboter hat eine Kamera und Drucksensoren an den Fußsohlen. Es soll alles sehr menschenähnlich sein, deswegen gibt es keine aktiven Sensoren wie Laser, mit denen man irgendwelche Messungen machen könnte.
Sie haben also keine Fernsteuerung in der Hand?
Nein, es gibt keine Eingriffe von außen. Jeder Roboter trifft seine Entscheidungen selbst. Er erfasst die Situation per Kamera und kommuniziert dann mit seinen Mitspielern über W-Lan: »Geh du zum Ball« oder »Lass mich«, so muss man sich das vorstellen.
Die Roboter haben also quasi ein eigenes Gehirn?
Genau. Von der Rechenleistung kann man das mit einem Smartphone vergleichen. Bei einem Handy ist man ja schon froh, wenn man eine SMS verschicken kann und eine App zum Laufen bekommt – die Möglichkeiten sind sehr begrenzt. Über die Stürze will ich gar nicht erst reden. Wie lange hält Ihr Telefon durch, wenn Sie es 25 Mal pro Stunde auf den Boden werfen?
Habe ich noch nicht ausprobiert. Welche Fortschritte haben Sie bislang gemacht?
Vor vier Jahren war man schon froh, wenn der Roboter stabil stand, einzelne Schritte gemacht hat und beim Schuss nicht umgefallen ist. Mittlerweile sind wir wesentlich weiter. Allerdings darf man auch nicht davon ausgehen, dass der Fortschritt genauso schnell weiter geht, nur weil die letzten vier Jahre so erfolgreich waren.






