Das Nuller-Heft

11FREUNDE-Spezial: 00er

Das waren die Nuller Jahre

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
05.09.2010

Die Zukunft der Regionalliga

Bruch an der Nahtstelle

Text: Dominik Bardow  Bild: Imago

Am Freitag trafen sich Manager aller Erst- und Zweitligavereine in Frankfurt – sie diskutierten die Zukunft der Regionalliga. Von den Amateurklubs erklingt derweil Protest über die Wettbewerbsverzerrung durch U23-Teams der Profis.

Die Zukunft der Regionalliga - Bruch an der Nahtstelle


Es war eine prominente Runde, die da am Freitagmorgen um halb elf zusammenkam: Die Manager aller 36 Erst- und Zweitligaklubs tagten in Frankfurt am Main, als Gast-Experte war Matthias Sammer eingeladen, beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die Nachwuchsförderung zuständig. Das Ziel der Versammlung: den Bruch zwischen Profi- und Amateurfußball zu verhindern. Die Fronten sind verhärtet, auf dem DFB-Bundestag am 21. und 22. Oktober droht eine Kampfabstimmung um einen ewigen Streitpunkt – die Regionalliga, derzeit die vierthöchste Spielklasse in Deutschland und damit Nahtstelle zwischen Amateur- und Profifußball. 54 Teams spielen in den drei Regionalliga-Staffeln, davon sind jedoch fast die Hälfte (25 Teams) Zweitvertretungen höherklassiger Klubs.



Das wollen die Amateurverbände ändern: Zwei Anträge haben sie eingebracht, über die auf dem DFB-Bundestag abgestimmt werden soll. Der Bayerische Fußballverband (BFV) will die drei Regionalligen abschaffen und künftig in acht Staffeln spielen lassen, in denen dann jeweils maximal sechs U23-Teams der Profiklubs antreten dürfen. Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV) will dagegen bei drei Regionalligen bleiben, jedoch sollen die Nachwuchsteams der Profivereine in eine separate dritte Staffel ausgelagert werden, wo sie nur untereinander spielen.

U23-Teams »verzerren den Wettbewerb«

Beide Szenarien gefallen den Profiklubs überhaupt nicht, darüber kam man am Freitag überein. Bei einer Abstimmung wollen die Profivereine ein Veto einlegen. Doch derzeit streiten Juristen beider Lager, ob die Amateurverbände die Profis nicht schon mit einfacher Mehrheit überstimmen können. »Die Anträge sind gefährlich für den deutschen Fußball, da werden wir nicht mitmachen«, sagt Peter Peters, Geschäftsführer des Bundesligisten FC Schalke 04 und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Peters und die Profiklubs sorgen sich um die Talenteförderung: 83 Millionen Euro pumpen sie jedes Jahr in ihre Nachwuchszentren. »Für die Entwicklung der Spieler nützt es nichts, wenn sie in einer besseren Reserverunde gegen dieselben Spieler antreten wie seit der D–Jugend«, sagt Peters.

»Bei zehn zweiten Mannschaften in der Regionalliga West sind doch ohnehin schon ein Drittel der Spiele Zweite gegen Zweite«, entgegnet Hermann Korfmacher, DFB-Vizepräsident und Präsident des Antragstellers WFLV. Die U23-Teams gelten zudem vielen Amateurklubs als wenig attraktive Gegner, die wenig Zuschauer anlocken (Foto: Mainz 05 II - 1. FC Köln II). Durch die finanzielle und personelle Unterstützung der Profivereine »verzerren sie den Wettbewerb«, sagt Korfmacher. Die Amateurklubs sind überzeugt, dass die zweiten Mannschaften die generelle Misere der Regionalliga verschärfen. Seit der Einführung der Dritten Liga 2008 ist sie nur noch vierthöchste Spielkasse. »Die Dritte Liga ist ein Volltreffer«, sagt Korfmacher, »aber die Regionalliga wird weder von den Zuschauern noch von den Medien angenommen.«

Hilfeschrei einer langsam sterbenden Liga


Zwar verzichten die U23-Teams freiwillig auf Fernsehgeld, doch bereits in zwei Jahren, wenn die Verträge auslaufen, wird für die Regionalligisten wohl gar kein Fernsehgeld mehr geben. Vergangene Saison zogen sich sieben von 54 Mannschaften aus wirtschaftlichen Gründen aus der Regionalliga zurück, nicht bei allen war Missmanagement der Grund. In gewisser Weise sind die Anträge der Amateurvereine ein Hilfeschrei einer langsam sterbenden Liga. Als Hauptproblem haben die Viertligisten dabei neben den U23-Teams die kostspieligen Auflagen für Sicherheit und Stadien ausgemacht.

Genau hier könnte eine Aussicht auf Lösung des Konfliktes liegen. »In einem Punkt sind wir uns einig: dass die Rahmenbedingungen der Regionalliga überdacht werden müssen«, sagt Schalkes Geschäftsführer Peters. Daher haben die Profivereine einen eigenen Antrag für den Bundestag eingereicht: weiterhin drei Regionalligen mit U23-Teams, aber Neu-Überprüfung der Auflagen. In einer gemeinsamen Kommission stehen Amateur- und Profivertreter bereits in ständigem Dialog, am Dienstag will der Ligavorstand noch einmal beraten und dann Gespräche mit dem DFB führen, um die Auflagen zu lockern. Mit weiteren Zugeständnissen könnte eine Kampfabstimmung verhindert werden, etwa mit einer Obergrenze für zweite Mannschaften in der Regionalliga. »Wir sind gesprächsbereit bis zum letzten Tag«, sagt jedenfalls Korfmacher. »Es werden sicher noch spannende Tage und Wochen.«


Tagesspiegel@11Freunde






Kommentare

  • User
  • 05.09.2010 18:57:00 ichbinecht

    ich hoffe doch stark auf eine liga-reform, denn so kann es nicht weiter gehen, traditionsvereine gehen in die insolvenz, andere kämpfen ums überleben, diese liga ist so wie sie im moment ist, absolut unattraktiv und unluktrativ, hohe reise kosten, wenige zuschauereinnahmen, aufgrund unattraktiver gegner
    in der regionalliga west sind zehn zweite manschaften, das heißt wenn diese zehn manchaften aufeinander treffen wird es leere stadien geben, wenn sie gegen eine andere manschaft spielen, wird es leere gästeblöcke geben
    sponsoren interessieren sich nicht für diese liga, es gibt kaum fernsehgelder, aus diesen liga raus zu kommen ist quasi unmöglich
    PRO REGIONALLIGA REFORM 2012!!!

  • User
  • 05.09.2010 19:49:07 flitzer on tour

    Was hat denn das Stadion des FSV Mainz 05 mit der Regionalliga zu tun?

  • User
  • 06.09.2010 00:24:33 raoul_duke

    Was hat denn das Stadion des FSV Mainz 05 mit der Regionalliga zu tun?
    Vielleicht sollte das auch 'n Wortspiel werden. Wegen "Bruch an der Nahtstelle" und "Stadion am Bruchweg".

  • User
  • 06.09.2010 05:32:12 chacker

    Da ist doch ganz klar die Frage, wer das Sagen hat. Über die Gestaltung der Amateurliga sollten die Amateurvereine entscheiden. Die Profivereine wollen hier etwas, was sie selbst nicht als Gegenleistung zu bieten haben: nämlich Wettkampf mit Mannschaften und Spielern für die es um mehr geht als um die Empfelung für die erste Mannschaft. Dass die Amateurvereine dies auch wollen und ihr Wunsch hier sicher Vorang haben muss, ist keine Frage. Der deutsche Fussball ist halt immer noch mehr, als die 1. und 2. Bundesliga.

  • User
  • 06.09.2010 09:18:56 Toronto

    Das steht doch indirekt im Text. Die Auflagen an das Stadion sind so hoch, dass die Zweitvertretungen sehr oft Ihre Spiele im Hauptstadion austragen muessen, da die bisher genutzten Stadien den Sicherheitsbestimmungen und sonstigen Auflagen nicht entsprechen. Anstatt das den Vereinen anzupassen wird hier ein Sicherheitsscenario vorgegeben, dass sich am Worst Case ausrichtet. Daher muss halt auch die zweite Mannschaft von Mainz am Bruchweg spielen. Sehr interessant war ja auch die Diskussion in Frankfurt wo neben dem FSV mit zwei Mannschaften auch die 2. Mannschaft der Eintracht am Bornheimer Hang spielt. Dies wurde seitens des DFB nur genehmigt nachdem der FSV einen zusaetzlichen Greenkeeper eingestellt hat. Nur durch diesen Kompromiss durfte die 2. Mannschaft des FSV aufsteigen.

  • User
  • 06.09.2010 12:04:33 Atatenango

    Es ist doch klar, dass die Bundesligavereine kein Interesse daran haben, die Regionalliga zu reformieren. Denen ist das mit den Zuschauerzahlen, den Reisekosten und Werbepartner ja schließlich völlig egal...die paar Unzen, die das extra kostet spielen da keine Rolle, Hauptsache sie können ihre Jungstars aufbauen, was ja aus Sicht des gesamtdeutschen Fußballs vielleicht sogar nachvollziehbar ist. Dass sich z.B. die 2. Mannschaft von Greuther Fürth sportlich besser am KSV Hessen ausprobieren kann als gegen die 2. Mannschaft von Wehen-Wiesbaden leuchtet ein.
    Aus Sicht der Mannschaften, die nicht zweite Mannschaft sind, macht diese Reform aber absolut Sinn. Am Beispiel des KSV kann ich sagen, dass es bisher 6 Spiele in der Regionalliga Süd gab, davon 5 gegen Zweitmannschaften...und das macht als Zuschauer keinen Bock, und als Spieler wahrscheinlich auch nicht. Dazu kommen wie gesagt die miserablen Zuschauerzahlen. Bei der 2. Mannschaft von Eintracht Frankfurt waren tatsächlich recht viele Fans im Stadion, was wohl hauptsächlich daran lag, dass in der Bundesliga spielfrei ist wegen Länderspielpause, ansonsten kannste den Gästeblock aber zulassen. Gegen den KSC 2 z.B. war nicht ein einziger gegnerischer Fan im Stadion...ist ja auch klar, warum auch?
    Wenn das so weiter geht beim KSV, wie diese Saison, hat sich das Thema für mich hoffentlich bald erledigt, aber grundsätzlich ist das schon einfach scheiße mit diesen 2. Mannschaften. Von mir aus muss man da noch nicht mal ne extra Staffel für die Zweitvertretungen machen, aber man kann die 2. Mannschaften auf 5 pro Staffel oder so beschränken...sonst kann es sich sowieso irgendwann kein Regionalligaverein mehr leisten in der Liga zu spielen, und dann hat man eh die Reserverunde (mehr oder weniger).

  • User
  • 06.09.2010 13:02:03 AbteilungAttacke

    Es ist doch klar, dass die Bundesligavereine kein Interesse daran haben, die Regionalliga zu reformieren.

    Das ist der zentrale Knackpunkt. Die Frage ist nur, wie man genau dieses Interesse der BuLi-Vereine (wieder)herstellt.

    Extrem finde ich zudem, dass beim DFB-Bundestag sich die Großen dahingehend "wehren", als dass die Abstimmung überhaupt mit "einfacher Mehrheit" stattfinden kann.

    Ohne da jetzt die Satzung nachzugoogeln: War es nicht immer so, dass der Amateursport sich gerade mittels seiner organisierten Mehrheit gegen die Proficlubs im Notfall zur Wehr setzen konnte ? Jedenfalls vom Prinzip her ?

  • User
  • 06.09.2010 14:18:32 Atatenango

    Ich weiß sowas nicht, und bin ebenfalls zu faul das nachzugoogeln. Ich mein im Endeffekt, wenn die Mannschaften aus der Regionalliga (vielleicht auch die betreffenden darunter und darüber) mit Boykott drohen würden, dann würden sie ihre stärkere Position (in dem Fall) unterstreichen, aber dazu haben die meisten halt auch nicht die Eier! Könnte ja Strafen/Ausschluß/Punktabzug etc. geben! Wäre natürlich auch das letzte einsetzbare Mittel...aber nachdenken würde ich als Traditionsverein in den Niederungen der Amateurligen darüber!

  • User
  • 06.09.2010 14:41:17 Zocktan

    Irgendwie ist das doch die Diskussion wie vor der Einführung der 3. Liga. Einziger Unterschied ist, dass die Diskussion nun eine Spielklasse tiefer abläuft.

  • User
  • 06.09.2010 23:28:46 Wurzelpeter

    "Wir geben doch nicht Millionen für die Leistungszentren aus, um hinterher in irgendeiner witzlosen Reserverunde herumzuturnen", so Bruchhagen. [...] "Grundsätzliche Probleme an den zweiten Mannschaften der Proficlubs festzumachen, ist Quatsch. Das Argument der Amateure, dass sie Zuschauereinbußen hätten, stimmt nicht. Und den Wettbewerb verfälschen wir auch nicht, weil niemand Lizenzspieler delegiert, um die zweite Mannschaft zu stärken", sagte Bruchhagen.

    Quelle : [URL=http://fussball.zdf.de/ZDFsport/inhalt/19/0,5 676,8107763,00.html]zdf.de[/URL]

    Interessant, wie gut dieser Mensch anscheinend Mann Bescheid weiß.
    Als die Eintracht das letzte Mal beim ansässigen Regionalligisten gastiert hat, habe ich im Gästeblock nicht einen einzigen Gästefan zu sehen bekommen (dafür aber Heller und Korkmazauf dem Platz). Der Club befindet sich mittlerweile (aus finanziellen Gründen) in der Oberliga. Aber Hauptsache, Herr Bruchhagen hat für seinen Millionärs-Kindergarten Spielpraxis unter Wettbewerbsbedingungen sicher gestellt...

    Wäre schön, wenn es eine Möglichkeit gäbe, den einen oder anderen abgehobenen Proficlub-Kontoauszug-Abhefter von seinem hohen Ross herunter zu holen...

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Was wird aus Michael Ballack?

Bleibt in Leverkusen
Geht nach China
Geht in die USA
Geht in die Wüste
Geht nach Kaiserslautern
Beendet die Karriere
Wird »Tatort«-Kommissar
Wird Nationaltrainer (von China)
Wird Zweiter




Best of 2011: Warta Posens Präsidentin Izabela Lukomska


Fußballer, bei denen sicherlich alles ok ist

  • Astrain (Athletic Bilbao)

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER