Joachim Löw und die K-Frage
Habemus das nötig?
Text: Benjamin Kuhlhoff und Alex Raack Bild: Imago
Die K-Frage ist entschieden. Oder doch nicht? Ist Joachim Löw nun der große Entscheider oder ein handzahmer Trainer ohne den Mut für klare Worte? Pro und contra aus der 11FREUNDE-Redaktion zum Thema DFB-Kapitän.
Pro
Es soll ja immer noch Spinner geben, die Fußball als die schönste »Nebensache« der Welt bezeichnen. Nebensache? Zur Erinnerung: Das Halbfinale der vergangenen Fußball-WM zwischen Deutschland und Spanien schauten sich fast 90 Prozent aller Deutschen an. Welche »Hauptsache« würde das Volk wohl mehr interessieren? Da müsste schon Guido Westerwelle auf einer lang und breit angekündigten Pressekonferenz seine Hochzeit mit Angela Merkel bekannt geben; mit Dieter Bohlen als Trauzeuge.
Tun sie aber nicht und deshalb scheint das Wohlergehen der deutschen Kicker-Elite die Gemüter im Land mehr zu berühren als alles andere. Nationaltrainer Joachim Löw kommt in diesem Falle durchaus die Rolle eines Volkstribuns zu, seine Entscheidungen, seine Aussagen, steuern das sensible Konstrukt Nationalmannschaft. Deshalb hat Löw auch bei der K-Frage alles richtig gemacht, genauso, wie er schon beim Thema Frings, Kuranyi und Torwart-Frage letztendlich korrekte Entscheidungen getroffen hatte. Weil Frings nicht mehr durfte, nutzte Bastian Schweinsteiger seinen Raum, um sich zu einem der besten Mittelfeldspieler der Welt aufzuschwingen. Obwohl Kuranyi aus dem Kader flog, war die deutsche Offensive bei der WM gefährlich, wie keine andere Nation. Und weil Manuel Neuer plötzlich die Konkurrenz des alternden Kollegen Butt spürte, spielte er ein hervorragendes Turnier. Butt wiederum soll dem internen Mannschaftsklima mit seiner angenehmen Art durchaus gut getan haben.
Und nun als die K-Frage, die keine mehr ist. Ballack bleibt Kapitän – wenn er denn gut genug dafür ist. Mit seinen 33 Jahren muss Ballack jetzt alles in die Waagschale werfen, um in dieser starken Nationalmannschaftsmitte seinen Platz zurück zu erobern. Ist er dazu in der Lage, gebührt ihm durchaus Respekt – und die heiß geliebte Binde als Zeichen seiner Rückkehr. Vermutlich aber braucht Ballack noch einige Zeit, um zu alter Stärke zurück zu finden. Wenn er es denn überhaupt schafft. So lange bleibt Philipp Lahm Deutschlands Anführer Nummer eins, mit Bastian Schweinsteiger als Ersatzmann. Löw hat erneut diplomatisches Geschick bewiesen, bislang hatte er damit Erfolg. Seinen Entscheidungen ist es zu verdanken, dass Deutschland in der Fußball-Welt in eine neue Rolle geschlüpft ist, 2010 spielt nicht etwa Brasilien den aufregendsten Fußball des Planeten, nein, wir sind es, die Nation der Dauerläufer und Zerstörer, der Briegels und Kohlers. Eine großartige Wandlung. Joachim Löw ist bislang für jede seiner Schiedssprüche kritisiert worden, jedes Mal verpufften die nörgelnden Begleitrufe, als sich der Erfolg einstellte. So wird es auch bei der Diskussion um die Kapitänsbinde sein. Habemus Löw!






