Stadion-Bezahlkarten
Nie mehr Schlummergroschen
Text: Stephan Stegmann Bild: Imago
Fußball-Fans aus Deutschland eint ein Problem: Bezahlkarten in Bundesliga-Stadien, häufig nie ganz eingelöst, verursachen einen Millionenschaden für das zahlende Tribünenvolk. Jetzt gibt es eine Lösung.
Stadiongänger sehen endlich Licht am Ende des Tunnels: Der Internetauftritt der beiden Frankfurter Michael Reiter und Michael Franken schafft einem altbekannten Problem mit einer Initiative von Fans für Fans Abhilfe. Mit dem Startschuss zur neuen Bundesliga-Saison ist die neue Internet-Tauschbörse stadionfreu.de an den Start gegangen. In vielen deutschen Stadien seit Jahren ein Streitfall. Die einen sind davon überzeugt, mit der elektronischen Zahlmethode für einen reibungsloseren Ablauf an der Theke zu sorgen. Die Gegenseite kritisiert harsch umso längere Schlangen an den Karten-Ladestationen und vor allem: Überflüssig verbranntes Geld, eingescannt in Plastikkärtchen mit Vereinsemblem.
Zudem sind die Bezahl-Systeme in den Bundesliga-Stadien nicht überall gleich. Ein gehöriger Nachteil für Fans, denn die Karten sind somit nicht kompatibel. Kommt ein Fan also nicht noch einmal in dieselbe Arena, verfällt der noch auf dem Chip verbliebene »Schlummergroschen« ungenutzt. »Die Stadionbetreiber kochen leider alle ihr eigenes Süppchen. Man kann mit einer Karte aus der Münchner Allianz-Arena in der Frankfurter Commerzbank-Arena nichts anfangen«, kritisiert auch Michael Reiter, einer der Gründer von stadionfreu.de.
In Zukunft auch bargeldlos glücklich
Aber was geschieht nun mit einer noch aufgeladenen Karte, die man unglücklicherweise erst beim Kassensturz auf der Rückfahrt entdeckt? Will man sich nicht mit dem finanziellen Verlust arrangieren, bleiben genau zwei Möglichkeiten. Entweder man begibt sich erneut in dieselbe Arena, um sie hoffentlich dieses Mal vor Ort zu entwerten oder bietet sie auf stadionfreu.de an. Hier wird Stadionbesuchern fortan die Möglichkeit geboten, die verbliebenen Restwerte mitsamt Karte gegen eine andere einzutauschen. Michael Reiter sieht die Plattform somit als Vermittler: »Wir bieten den Fans die Möglichkeit, miteinander Kontakt aufzunehmen. Wenn ein Fan aus Stuttgart in Frankfurt war und noch die Bezahl-Karte übrig hat, tauscht er sie eben mit einem Fan, bei dem es andersherum war«.
Vor allem ist dieses Konzept jedoch auf gegenseitiges Vertrauen angewiesen. »Wir als Fans stehen in diesem Fall den Stadionbetreibern gegenüber und müssen zusammenhalten. Es kann nicht das Ziel sein, sich dabei gegenseitig über den Tisch zu ziehen.«, sagt Michael Reiter. »In solch einem Fall, kann man die fehlende Summe im Umschlag beilegen, um das Geschäft auszugleichen. Es sollte dabei nur darum gehen, sich verloren geglaubte Beträge zurückzuholen. Dafür wird den Fans nun dieser Weg geboten«. Besteht keinerlei Interesse daran, seinen Restwert zu ertauschen, kann dieser ebenfalls der gemeinnützigen Stiftung »Kinderträume e.V.« gespendet werden.
Die Gründer der Initiative sind vom Nutzen für das fußballverrückte Deutschland überzeugt. Wenn das System schon einmal existiert, sollte man auch das Beste daraus machen. Davon ist auch Michael Reiter überzeugt: »Schließlich hat auch eBay mal klein angefangen.«





