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02.09.2010

User fragen, Dr. Martinek antwortet (1)

Was tun, wenn's regnet?

Text: 11FREUNDE  Bild: Imago

Ihr habt gefragt, der Doc hat geantwortet: Unser bester Sommertransfer, der renommierte Sportmediziner Dr. Vladimir Martinek aus München, klärt heute Fragen rund um das Thema »wetterbedingte Verletzungen«.

User fragen, Dr. Martinek antwortet (1) - Was tun, wenn


Der goldene Herbst. Die Zeit, da die Tage kürzer und die Grätschwege länger werden. Uns erwarten Spiele bei strömendem Regen, mit Hagelstürmen von der Seite. Wir sehen Spieler den tausend Winden trotzen, wie sie durch den tiefen Boden stapfen wie eine Sylter Wattwandergruppe oder auf dem rutschigen Rasen ihr Gleichgewicht verlieren, als stünden sie mit Stelzen auf einer Eiskunstlaufbahn. Die erste Zerrung in Minute 14, der Bänderriss noch vor der Halbzeit.



Etliche Fragen zum Thema »Wetterbedingte Verletzungen« erreichten uns in den letzten Tagen. Wir haben hier sechs ausgewählt, die unser Sportmedizin-Experte Dr. Vladimir Martinek beantwortet.

»Auch wenn Arjen Robben noch verletzt ist, der nächste Einsatz in langer Unterhose kommt bestimmt. Wozu sind die Teile gut, vom ästhetischen Standpunkt mal abgesehen?« (Frank Aak, Delmenhorst)

Dr. Vladimir Martinek: Auch wenn lange Unterhosen nicht besonders ästhetisch sind, einen wichtigen Zweck erfüllen sie dennoch: sie halten die Oberschenkelmuskulatur warm. Und eine gewisse Betriebstemperatur ist für den Muskel und seine Funktion sehr wichtig. Denn bei Kälte ziehen sich Blutgefäße, welche den Muskel mit Sauerstoff versorgen, zusammen und somit fehlt dem Muskel der »Brennstoff«. Es kommt schneller zur Sauerstoff-Schuld, der Muskel übersäuert und seine Funktion nimmt rapide ab. In warmer Umgebung passiert das nicht. Bei Kälte steigt außerdem die Gefahr von Muskelverletzungen wie Zerrungen oder Risse. Wir wissen, dass Robben bezüglich solcher Verletzungen anfällig ist – für ihn ist eine lange Hose bei Kälte also fast schon eine Nowendigkeit.

»Bei diesem Sauwetter wird es wieder herrliche Zweikämpfe in Matschpampen geben. Jetzt mal ehrlich: Ist Dreck gesund?« (Caro S., Dettmold)

Dr. Vladimir Martinek: Dreck muss nicht unbedingt ungesund sein, es gibt Arten von »Dreck« wie z.B. Moor, welchen eine heilende Wirkung nachgesagt wird und Menschen dafür auch noch Geld bezahlen… Aber im Ernst: Was aus der Sicht des Fußballers beim nasskalten Wetter sicherlich stört, ist der tiefe und rutschige Boden, der zu einer erheblich erhöhten Verletzungsgefahr führt.

»Steigt bei tiefem Rasen eigentlich die Gefahr von Sprunggelenksverletzungen?« (Ralf Bingon, Braunschweig)

Dr. Vladimir Martinek: Eindeutig ja. Häufig sind dabei vor allem die Aussenbandverletzungen. Sie entstehen, wenn der Fuß im tiefen Boden stecken bleibt und das obere Sprunggelenk nach innen umknickt. Man spricht dann vom so genannten Supinationstrauma. Die meisten Außenbandverletzugen sind dennoch nicht sehr ernsthaft und heilen konservativ durch eine Ruhigstellung zum Beispiel in einer Orthese aus. Für den Fußballer sind sie allerdings lästig und bedeuten – je nach Schweregrad – vier bis sechs Wochen Ausfall.

»Sind die Verletzungsgefahren auf rutschigem Boden für leichte Spieler wie Jonathan Pitroipa eigentlich höher als für stämmige Spieler wie Ruud van Nistelrooy?« (Carsten Gasung, Shanghai)

Dr. Vladimir Martinek: Eher umgekehrt! Der Boden ist nicht nur rutschig sondern auch aufgeweicht. Und der schwere Spieler bleibt tiefer im aufgeweichten Boden stecken und knickt somit schneller um als ein Leichtgewicht. Auch entwickeln sich bei schwergewichtigen Spielern größere Kräfte bei Stürzen, die dann schneller zu Verletzungen führen.

»Was ist gefährlicher: Nach dem Training duschen und sich mit Fußpilz infizieren – oder nicht duschen und eine Erkältung riskieren?«
(Dennis Benecke, Magdeburg)

Dr. Vladimir Martinek: Ich empfehle bei Angst vor Fußpilz beim Duschen Badeschlappen zu tragen oder, bei besonders ängstlichen Sportlern, Pilz-Desinfektionsmittel nach dem Duschen aufzutragen – die gibt es in jeder Apotheke. Auf jeden Fall sollte man nach dem Training nicht auskühlen, um Erkältungen vorzubeugen. Alternativ zu Duschen hilft dabei zum Beispiel warme Kleidung.

»In unserer Hobbymannschaft muss jeder mal ins Tor. Wenn es kalt wird, friert man sich da aber leicht den Arsch ab. Wie lange kann man im Kasten bleiben, ohne zu riskieren, dass man zu kalt wird?« (Holger Becker, Hannover)

Dr. Vladimir Martinek: Das Risiko einer Erkältung beim Torwart ist vorhanden, vor allem wenn man sich verschwitzt ins Tor stellen muss. Es lässt sich dennoch schwer schätzen, ab wann eine Erkältung droht – dies hängt von vielen Faktoren wie Lufttemperatur, Kleidung, Körperfett et cetera ab. Der »gezwungene« Torwart sollte auf jeden Fall nicht auskühlen und deshalb die Arme und Beine ständig in Bewegung halten. Es hilft auch für die Zeit im Tor ein zusätzliches Kleidungsstück anzuziehen.

»Ich bin Schiedsrichter und muss daher vor Beginn des Spiels den Platz inspizieren und beurteilen, ob das Spielfeld bespielbar ist. Woran erkenne ich, dass das Spielfeld eine Gefahr für die Gesundheit der Spieler darstellt?« (
Volker Hartmann, Zürich)

Dr. Vladimir Martinek: Diese Frage lässt sich aus ärztlicher Sicht kaum beantworten. Eigentlich müsste es seitens des DFB oder anderer übergeordneter Organisation entsprechende Regel geben. Die Gefährlichkeit des Platzes lässt sich nicht messen, also bleibt es tatsächlich in Ihrem Ermessen ob gespielt wird oder nicht. In solchen Fällen sollte spätestens bei der ersten Verletzung gehandelt werden.

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Wer ist Dr. Vladimir Martinek?

Dr. Vladimir Martinek, geb. 1961, studierte an der LMU in München und absolvierte seine Ausbildung in Johannesburg, San Francisco, Boston, Basel, Pittsburgh und München. Nach seiner Habilitation an der TU München arbeitete er als Leitender Oberarzt an der Sportorthopädie München und später an der Universität Rostock, bevor er sich als Leitender Arzt in der Orthopädie Harthausen in Bad Aibling niederließ. Der international anerkannte Sportmediziner betreut seit 1995 Spitzensportler und war unter anderem Mannschaftsbetreuer des FC Basel.






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Kommentare

  • User
  • 02.09.2010 21:13:27 S Block

    Mich interessiert viel mehr: Wie lange dauert die Genesung eines Innenmeniskus-Risses?

  • User
  • 02.09.2010 21:15:17 saloth sar

    linkes oder rechtes knie?

  • User
  • 02.09.2010 21:19:32 S Block

    Nicos Knie. Ach Scheisse.

  • User
  • 02.09.2010 21:22:35 saloth sar

    jetzt nicht uebertreiben, der hat sicher noch ein anderes knie

  • User
  • 02.09.2010 21:25:09 S Block

    Humpelstielzchen.

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