Das Nuller-Heft

11FREUNDE-Spezial: 00er

Das waren die Nuller Jahre

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
28.07.2010

Was der Raul-Transfer bedeuten kann

Operettenliga oder Turbostaat?

Text: Benjamin Kuhlhoff  Bild: Imago

Raul ist Schalker. Was klingt wie ein Witz, ist seit ein paar Stunden Bundesligarealität. Doch was ist von diesem Transfer zu erwarten? Entweder Schalke wird zur Großmacht oder die Liga verkommt zum Rentnereldorado.

Was der Raul-Transfer bedeuten kann - Operettenliga oder Turbostaat?


Lange war Raul eine Legende. Zumindest dann, wenn man sich auf die originäre Bedeutung des Begriffs stützen möchte. Demnach ist eine Legende eine verbreitete Behauptung, die nicht belegt werden kann oder grotesk übertrieben wirkt. Und mal ehrlich, gab es Groteskeres, als die Vorstellung, dass Raul Gonzales Blanco, das wandelnde Denkmal von Real Madrid, eines Tages wirklich seinen Weg ins Trikot des FC Schalke 04 finden wird? 



Sommerloch, Saure-Gurken-Zeit, Transfergerücht – man konnte es nennen, wie man wollte, daran geglaubt hat niemand. Selbst als sich der 33-Jährige am Montag tränenreich aus seiner Heimatstadt verabschiedete und seine intensiven Gespräche mit Schalke 04 bestätigte, traute niemand in Gelsenkirchen-Buer, -Bismarck, -Horst und -Erle dem Braten so Recht. 

Doch seit heute ist klar: Raul trägt ab der kommenden Saison für zwei Jahre Königsblau. Ein Transfercoup von Felix Magath, bei dem sich die eine Seite fragend anschaut und die andere Freudentränen an die Schultern schluchzt. 

Was bedeutet der Transfer?

Für den FC Schalke ist dieser Transfer in vielerlei Hinsicht ein Satz mit Siebenmeilenstiefeln. Nach der überraschenden Champions-League-Qualifikation in der letzten Saison drückte Trainer Magath ordentlich auf die Tube. Er entrümpelte den sündhaft teuren Kader gnadenlos von trägen Altlasten und machte auch keinen Halt vor Vereinsikonen. Schalke wird mehr und mehr zu Magaths Turbostaat, in dem Metzelder hinten statthält und vorne Raul regiert.

Die Diskussionen um Rauls Fitness dürften bald obsolet sein, gilt der Spanier doch als Musterprofi. Kein Typ für Weizenbier und Vanilleeis, sondern einer der in der Saisonpause schuftet, weil es weitergeht. Immer. Irgendwie.

Magath bastelt weiter

Doch es ist so gut wie sicher, dass Magath mit dem Kaderbasteln noch nicht fertig ist, schließlich hat er hart gekämpft für das hübsche Einkaufsbudget von 20 Millionen Euro. Und es muss auch weitergehen, denn Rauls Ankunft auf Schalke bedeutet auch eine sportliche Umstellung. Konnte man sich in den vergangenen Jahren noch auf Kopfball- und Stocherqualitäten von Kevin Kuranyi verlassen, stehen nun mit Farfan und Raul andere Typen in vorderster Front. Die brauchen vor allem flache, präzise Zuspiele, um effektiv sein zu können. Für dieses Spiel fehlt es Schalke derzeit noch an Qualität im Mittelfeld. 

Allerdings hat Rauls Transfer nicht nur sportlichen Wert, seine Strahlkraft ist auch aus ökonomischer Sicht gewinnbringend. Der Name lockt Sponsoren, heizt die Trikotverkäufe an und öffnet auch den Weltmarkt ein Stück weiter für S04. Nicht auszuschließen, dass vor einem Jahr nicht jeder Schalke 04 kannte. Doch jetzt wird man auch in Spanien, Südamerika und sonstwo hinschauen, wenn das Real-Vereinsdenkmal im Ruhrgebiet aufläuft. Dieser Posten ist zwar nicht direkt messbar, aber in einer globalisierten Fußballwelt unabdingbar.

Die Bundesliga als Operettenliga?

Doch nicht nur auf Schalke darf man sich über den Raul-Coup freuen, denn die ganze Liga profitiert. War Arjen Robbens Gang zum FC Bayern sportlich noch durchaus sinnvoll, überraschten die Wechsel von Van Nistelrooy, Hyypiä und Ballack die Fußballwelt schon sehr. Mit Rauls Engagement setzt sich nun ein Minitrend fort: Die Bundesliga wird zum Eldorado für klangvolle Namen im fortgeschrittenen Fußballalter.

Bleibt zu hoffen, dass die Liga nicht zum Auffangbecken für alternden Topstars in Frührente verkommt wie einst die amerikanische Operettenliga NASL. Dort ließen sich Ende der Siebziger zahllose Altprofis einen schönen Karriereausklang fürstlich entlohnen. Pele und Beckenbauer, Müller und Cruyff, sie alle spielten nebenbei Fußball und sorgten hauptsächlich für zahllose Anekdoten, die längst Teil einer Legende sind.

Eine Legende ist Raul in Madrid schon lange. Auf Schalke kann er es noch werden. Wenn auch in einem anderen Sinn als noch vor ein paar Stunden.




---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Schalke 04






Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 28.07.2010 21:48:58 einwechselspieler

    Also der Mann ist 33, zum Fußballspielen also noch
    nicht zu alt. Da wurde ein Lothar M. erst richtg gut :-)

    Nach einem großen Namen mit über 30 wird hier gleich das Schreckgespenst der Operettenliga ausgerufen ?
    Wohl ein bißchen früh, oder ?

  • User
  • 28.07.2010 22:41:01 wurstendbinder

    es werden noch mehr kommen: in spanien sind steuergesetzliche sonderregelungen für ausländische top-verdiener ("ley beckham") seit 01.01.2010 abgeschafft.

  • User
  • 28.07.2010 22:47:46 GTEvo

  • User
  • 28.07.2010 22:54:13 schorschkaplan

    Nach einem großen Namen mit über 30 wird hier gleich das Schreckgespenst der Operettenliga ausgerufen ?
    Nein, nicht ein großer Ü30 sondern vier - wie ja zu lesen ist: Van Nistelrooy, Hyypiä, Ballack und Raul.

  • User
  • 28.07.2010 23:01:52 GTEvo

    Also ich kannte den Großen Hüijiiääää vor ein paar Monaten überhaupt noch nicht..abba ich kenne MarcoReus, MarkoMarin, Die Bender Zwillinge und meinen Neffen Joshua seit exakt 5 Jahren und 23 Stunden!

  • User
  • 29.07.2010 00:10:21 wurstendbinder

    Nein, nicht ein großer Ü30 sondern vier - wie ja zu lesen ist: Van Nistelrooy, Hyypiä, Ballack und Raul.

    das ist doch nur die speerspitze der bewegung, es sind ja auch gute fussballer in den besten jahren nach D gekommen (allen voran robben). ich glaube kaum, das dass mit der operettenliga in den nächsten 2-4 jahren eintritt. der stellenwert der bundesliga im vergleich mit den (bisherigen) top 3 folgt eindeutig einem aufwärtstrend. wer hätte sich vor ein paar jahren vorstellen können, dass ein verein wie der vfb innerhalb eines jahres zwei gestandene profis von vereinen wie florenz oder juve kauft?

  • User
  • 29.07.2010 04:11:59 Octopus_Paul

    raul wird die buden reindonnern dass es nur so kracht! im winter will in real asl spielertrainer, tauscht ihn gegen den gefloppted khedira + 10 mille. eigentlich eindeutig.

  • User
  • 29.07.2010 08:21:16 eilenwitz

    Hört auf Paul!!! Der hat immer recht. ;-)

    Wie war das noch mit den jungen oder alten Spielern? Die gibt es nicht, sondern nur gute oder schlechte. Hat mal ein schauer Mensch gesagt.

  • User
  • 29.07.2010 09:49:59 Redondo71

    Das mit der Operettenliga ist quatsch. Die Bundesliga ist sportlich viel zu stark, als dass sie ein Auffangbecken für Altstars werden könnte. Das kann sich nämlich keine Mansnchaft erlauben, eine trabenden Absahner durchzuziehen. Und wenn man genauer betrachtet, wer da gekommen ist, sieht man auch schnell, dass es durchweg Spieler sind, die noch Ambitionen haben (Ballack will zur EM 2012, van Nistelrooy wollte sich für die WM 2010 empfehlen, Raul will seinen CL-Rekord ausbauen, Hyypiä ist eben Hyypiä und steht für 100% Einsatz und Willen). Keiner der Genannten steht im Verdacht, nur noch eine ruhige Kugel zu schieben zu wollen bei maximalem Verdienst. Das könnte man in Dubai oder in Katar einfacher haben...

  • User
  • 29.07.2010 12:05:58 Orangeat und Sukkade

    Ich finde die Fragestellung in der Überschrift dennoch berechtigt. Denn sowohl Raul, als auch alle anderen drei genannten Spieler, besaßen mehr oder weniger keine Zukunft mehr bei ihren "Weltvereinen". Da muss man sich schon die Frage gefallen lassen, weshalb sie unbedingt bei den Bundesliga-Klubs landen - und dort wohlgemerkt noch ein ziemliches Vermögen verdienen.

    Bzgl. Raul, glaube ich, hat er seinen Scheitelpunkt schon vor einigen Jahren erreicht. Ich glaube, da gäbe es so einige Vereine/Trainer, die ihn ganz schön verhunzen würden. Bei Schalke unter Magath habe ich da eigtl. ein ganz gutes Gefühl. Der Magathwolfgang ist ja so'n bisschen der Otto mit seinem Hofstaat der - hm, sagt man - 10er-Jahre (?), ach sagen wir schlicht: Neuzeit. Er hat das Standing, selbst einen renommierten Verein total umkrempeln zu können und holt sich dann eben so Leute, die vielleicht nicht jeder auf dem Zettel hat. Ob nun aus der eigenen Jugend oder von Real Madrid. Raul wird seine wichtigen Tore machen. Auf die Torschützenkanone, meine ich, jedoch keine großen Ambitionen haben.

    Wie es abläuft, wenn der Mannschaft ein Trainer/Vorstand vorsitzt, der keinen Plan/Mumm oder sonstwas vorzuzeigen hat, sieht man ja in etwa in Hamburch. Wenn man mal den Vergleich Magath/Labbadia zöge, käme man zu dem Entschluss: Mann is' der Labbadia ein Duckmäuser. Ich hoffe, der Veh hat mehr Rückgrat, die Elf auch mal nach eigenen Plänen aufzustellen/umzubauen und lässt sich nicht von Supporters, Becker und MoPo ins Geschehen pfuschen. Ansonsten verheizt man den guten Ruud noch vollends.

    Um nochmal zur Eingangsfrage zurückzukehren: Die Gefahr besteht durchaus, die Bundesliga entwickelt sich ein Stückweit zur Operettenliga. Nicht nach us-amerikanischem Vorbild. Denn dafür ist die Nationalelf zu stark und Deutschland als fußballerisches G7-Land substanziell ein Schwergewicht. Aber dort, wo große Geschäfte zu machen sind und die Menschenschlange groß und lang ist, wird es immer Blender geben, daher sehe ich in zwei, drei Situationen da durchaus Potential in die falsche Richtung. Insgesamt gibt es zurzeit aber sicherlich ausreichend positive Strömungen, so dass selbst ein paar möglicherweise gescheiterte Altstars wohl am Status nicht rütteln können.

  • User
  • 29.07.2010 12:13:24 saloth sar

    naja, eigentlich trifft das alles nur auf raul und eingeschraenkt auf hyypiä zu. ruud wurde nicht mehr gewollt, weil er lange verletzt war und real sich in der zwischenzeit ersatz besorgt hat. ballack wollte mehr als nur einen ein-jahres-vertrag.

  • User
  • 29.07.2010 16:39:09 Atatenango

    Ich halte das ebenfalls für ausgemachten Blödsinn! Eines muss einem doch klar sein: dass der HSV und Schalke sich nicht mit Real Madrid, sowohl finanziell als auch sportlich, vergleichen können ist doch wohl klar. Deshalb haben van Nistelrooy und Raul auch größere Chancen dort zu spielen, als bei Real, wo die Konkurrenz qualitativ besser ist, sie aber trotzdem in der BuLi weniger verdienen als bei Real. Trotzdem ist die Konkurrenz immer noch so stark, dass sie nicht einfach ihr immer noch großes Gehalt einfach abzocken können, sondern auch spielerisch was auf dem Kasten haben müssen. Ginge es ihnen ausschließlich um die Kohle würden sie vermutlich wirklich in die USA oder VAE wechseln, denn da können sie auch ohne große Leistung groß abkassieren.
    Aber auch weil einem klar sein muss, dass deutsche Vereine, bis auf Bayern, nicht mit Vereinen wie Real, Barcelona, Chelsea oder ManU mithalten können, ist es doch eine gute Entwicklung, wenn so Weltklassespieler dann in die Bundesliga wechseln als dann beim FC Sunderland oder FC Getafe zu spielen...also ich freue mich diese Spieler regelmäßig sehen zu können.
    Rudi Völler, Bernd Schuster oder Manfred Burgsmüller haben auch in relativ hohem Alter (wieder) in der Bundesliga gespielt, und auch die waren damals noch gut, auch wenn sie schon alt waren.

    Und davon abgesehen: ein Hypiää würde meiner Meinung nach den Bayern auch gut zu Gesicht stehen, auch wenn ich die eher auf die selbe Stufe wie o.a. Vereine stellen würde.

    Also, für mich Quatsch mit der Operettenliga!

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Was wird aus Michael Ballack?

Bleibt in Leverkusen
Geht nach China
Geht in die USA
Geht in die Wüste
Geht nach Kaiserslautern
Beendet die Karriere
Wird »Tatort«-Kommissar
Wird Nationaltrainer (von China)
Wird Zweiter




Bodo Rudwaleit über die Wendezeit


Fußballer, bei denen sicherlich alles ok ist

  • Astrain (Athletic Bilbao)

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER