Passt Raul zum FC Schalke?
»Schalke ist nicht Real Madrid«
Text: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago
Von der Hochglanzmetropole ins Ruhrgebiet: Kann Raul Schalke 04 überhaupt helfen? Wir haben mit ein paar ehemaligen Knappen gesprochen, die es wissen müssen: Schließlich gingen sie jahrelang in Königsblau auf Torejagd.
Klaus Fischer (295 Spiele / 182 Tore für Schalke 04):
»Wenn Raul wirklich kommt, ist er ein Glücksgriff, denn im Sturm wachsen die Topleute nicht auf Bäumen. Ein 18-Jähriger kann vorne vor allem durch seine Fitness etwas reißen, aber da fehlt die Erfahrung. Und kaum jemand hat davon mehr als Raul. Doch eins ist klar: Sollte er kommen, muss der FC Schalke sein Spiel umstellen. Mit ihm und Jefferson Farfan stehen dann andere Typen in der Spitze als Kevin Kuranyi. Flanken werden da wenig bringen, weil beide eher wendige Spieler sind. Dann braucht man schnelles, flaches Passspiel, wie man es aus Spanien kennt. Ich bin gespannt, ob der aktuelle Kader das kann. Falls Raul wirklich unterschreibt, wird er sich aber auch erst einmal eingewöhnen müssen. Er kennt die Liga nicht, er kennt den deutschen Fußball nicht und vor allem kennt er Schalke 04 nicht. Das ist eben nicht Real Madrid. Doch wenn er diese neue Herausforderung ernsthaft annimmt, wird er uns viel Freude machen.«
Rüdiger Abramczik (202 Spiele / 44 Tore):
»Der Name Raul hat eine enorme Strahlkraft. Das ist gut für Schalke, kann aber auch über ein, zwei Probleme hinwegtäuschen. Ich weiß nicht, wie Raul sich in den letzten Jahren fit gehalten hat. Oft gespielt hat er ja nicht. Und man hat bei Ruud van Nistelrooy gesehen, wie schwer er sich – trotz Weltklasseformat – in der Bundesliga getan hat. Wenn man aus Spanien kommt, ist man vielleicht auch einen anderen Fußball gewohnt. In Deutschland geht es eben härter zur Sache. Nichtsdestotrotz wäre die Verpflichtung eine Riesengeschichte für den Verein. Die vielen jungen Spieler können von seiner Erfahrung nur profitieren. Und die Fitnessprobleme wird Felix Magath sicher auch in den Griff bekommen.«
Klaus Täuber (125 Spiele / 58 Tore):
»Wenn Schalke 04 in der Champions League bestehen will, braucht der Kader ein bisschen mehr Qualität. Gerade im Angriff sehe ich da momentan echte Probleme. Deswegen denke ich, dass ein Mann wie Raul weiter hilft. Allerdings bin ich gespannt, wie es mit seiner Fitness aussieht. Er hat in den letzten Jahren wenig gespielt, da braucht es seine Zeit bis man wieder in den Rhythmus kommt. Es wird zwar viel über sein Alter diskutiert. Aber das ist Quatsch, mit 33 Jahren steht man nicht automatisch auf dem Abstellgleis. Denn: Auch Miroslav Klose war vor der WM ein Auslaufmodell und auf einmal ist er da und trifft. Erfahrung ist eben manchmal wichtiger als junge Beine. Und Tore schießen, das verlernt man nicht.«
Ebbe Sand (214 Spiele / 74 Tore):
»Rauls Verpflichtung wäre ein absoluter Coup für S04. Er ist eiskalt vor dem Tor, so einer fehlt Schalke derzeit. Klar, er ist älter geworden, dennoch bleibt er eine Gefahr für jede Abwehr der Welt. Für seine Leistung wird es vor allem wichtig sein, dass er schnell versteht, was Fußball im Ruhrgebiet und besonders für die Menschen auf Schalke bedeutet. Aber er ist immer ein harter Arbeiter gewesen, auch bei einem Hochglanzverein wie Real Madrid hat er geackert wie ein Pferd. Er ist ein unglaublicher Mannschaftsspieler, der sich auf und neben dem Platz für seine Mitspieler zerreißt. Genau so ein Spieler passt nach Gelsenkirchen.«
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