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14.07.2010

Michael Oenning über das was bleibt

Von hinten nach vorne

Text: Michael Oenning  Bild: Imago

Unser WM-Experte hat genug gesehen um zu analysieren, was bleibt von diesem Turnier in Südafrika: Eine Spiel-Strukturierung von hinten nach vorne, flache Hierarchien und der Rückstand afrikanischer Mannschaften.

Michael Oenning über das was bleibt - Von hinten nach vorne


Weltmeisterschaften stellen im Prinzip aus, was im Moment im Weltfußball en vogue ist. Taktisch war diesmal wenig Neues zu sehen. Denn neu ist die taktische Ausrichtung und Spielweise der deutschen Mannschaft ja nur für die Deutschen. Neu leider auch, dass sie angsterfüllt in ein Halbfinalspiel gehen, und das auch noch grundlos. Ein paar Grundprinzipien waren aber dennoch zu erkennen. Viel Wert legen die Spitzenmannschaften auf die Organisation des Spiels, auf seine Strukturierung. Wer etwas werden will im Fußball, baut sein Spiel auf und plant es von hinten nach vorne, Spitzenmannschaften überlassen nichts mehr dem Zufall. Wobei sich offensichtlich mehr und mehr das 4-3-2-1-System durchsetzt, ein echter Sturm, mit einem Mittelstürmer und zwei Außenstürmern. Dass diese Außenstürmer nicht mehr stoisch an den Außenlinien warten wie einst, sagen wir Libuda oder Löhr, und dabei möglichst nie die Mittellinie nach hinten überschreiten, versteht sich von selbst.



Ich hatte vor dem Turnier gemutmaßt, dass die europäischen Mannschaften ein Übergewicht haben werden gegenüber den afrikanischen. Und so ist es auch gekommen. Dass zwei europäische Teams im Finale stehen, ist kein Zufall, die Entwicklung in Afrika stockt leider immer noch.

Es war spielerisch sicherlich keine herausragende WM. Was sicher auch daran liegt, dass einige Spieler nach ihrer langen Saison mit Mehrfachbelastungen etwas überspielt waren. Von den Superstars konnte kaum einer überzeugen, Rooney, Ronaldo, Ribéry, Kaká, Messi, sie alle blieben weit unter ihren Fähigkeiten. Was zur Folge hatte, dass die Hierarchien in ihren Mannschaften zusammenbrachen. So etwas ist nur auszugleichen, wenn Spieler zur Verfügung stehen, die bereit sind und die Fähigkeit haben, ohne Allmachtsansprüche die Ausfälle zu kompensieren.

Wenn der Capitano kommt, wird es arg knirschen

Das ist, geradezu vorbildlich, der deutschen Mannschaft gelungen. Michael Ballacks Ausfall brachte Bastian Schweinsteiger auf den Plan, die deutsche Mannschaftsstruktur kam mit einer sehr, sehr flachen Hierarchie aus.
Das wird spannend zu beobachten sein, wie und ob Ballack in dieses System zu integrieren ist. Gerade weil man jetzt schon gesehen hat und weiß, wie es nach seinem Karriereende weitergehen kann.

Ich glaube, die wesentliche Person in dieser Frage ist Ballack selbst. Kommt er zurück mit dem alten Machtanspruch des Capitano, dürfte es arg knirschen, wie die neuen Diskussionen zeigen. Erhebt Ballack den Anspruch nicht, glaube ich, ist er durchaus zu integrieren. Dann könnte ihm bei der Europameisterschaft in zwei Jahren ein großer Abgang gelingen. Nach dieser WM freue ich mich schon jetzt darauf.






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Kommentare

  • User
  • 12.07.2010 11:27:02 teivos

    stimmt.. spieler wie schweinsteiger, müller, forlan, sneijder und villa haben kaum spiele gemacht und waren deswegen topfit.

    evt. war es aber auch nur die einstellung zum spiel und zur mannschaft?

  • User
  • 12.07.2010 12:43:46 flow_loehne

    Ballack hat es doch selbst in der Hand. Passt er sich dem neuen System an und spielt er wie in seiner besten Zeit, dann kann er gerne im DFB-Team bleiben. Warum einen Leader wegschicken? Möchte er die Uhr zurückdrehen, dann muss los durchgreifen. Dann heißt es: Servus Ballack!

  • User
  • 12.07.2010 18:25:58 AbteilungAttacke

    Mein WM Fazit:

    1. Spielerisch insgesamt ordentlich, besser als 2002, aber nicht so gut wie 2006.
    Es fehlte halt ein richtiges Knallerspiel von Mannschaften auf Augenhöhe, allein Holland gegen Brasilien kam da vielleicht ran.

    2. "Unterhaltungswert, Kategorie Skandale": Gilt i.W. genau so. Mit Suarez Handspiel, der französischen Selbstzerstörung und der Final-Treterei hatte man ein paar Skandälchen, aber Zidanes Kopfstoß und das Spiel Portugal gegen Niederlande 2006 wiegen da doch schwerer.

    3. Deutsche Mannschaft. *seufz* Besser als 2006. Ein Traum. Der Titel wäre drin gewesen. Hoffentlich hält diese Generation, was sie verspricht. Kein Bock, dass nächste Portugal zu geben.

    4. Organisation. Keiner hat doch ernsthaft geglaubt, in Südafrika gehen in den Stadion die Lichter aus und alle werden bis auf die Unterhosen ausgeraubt, oder ? Trotzdem fielen Dinge auf: Leere Stadien, Polizisten, die als Demonstrationsbrecher gegen unterbezhaltes Sicherheitspersonal fungierte, ein "unter Druck gesetzter" Mandiba und Balljungen, die entweder a) den Ball nicht schnell genug zurück ins Spiel brachten oder b) gleich zwei Bälle auf einmal ins Spielfeld beförderten. So auch noch nicht gesehen.

  • User
  • 13.07.2010 00:03:18 Ganna

    Da hat Oenning mal wieder tief in die Phrasenkiste gegriffen. Möchte er jemandem imponieren?
    Der Mann liefert nur Floskeln für den Boulevard. Wieviel Ahnung hat er denn wirklich vom Mannschaftsgefüge und so?

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