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Trauern um das Deutsche WM-Aus

Weinen will gelernt sein

Text: Dirk Gieselmann  Bild: Imago

Das Ausscheiden der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft kann eine existentielle Lektion für alle Gelegenheitsfans sein. Denn Leiden mit ihrem Team ist für sie eine neue und unbekannte Erfahrung.

Trauern um das Deutsche WM-Aus - Weinen will gelernt sein


Fan-Sein: Was ist das? Es ist alles und nichts, wie Mensch-Sein. Es gibt solche und solche: Der eine (Bielefeld-Fan) ist chronisch betrübt, dem anderen (Bayern-Fan) platzt dauernd die Hose vor Glück, der Dritte (Köln-Fan) kann beides gleichzeitig empfinden. Fan-Sein ist Leben, man hört damit nicht einfach auf, es prägt, es modelliert, manchmal zur Heldenstatue, manchmal zum nassen Sack.

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Wer über viele Jahre Fan eines Vereins war, der ist durch mehr Wechselbäder gegangen als alle Kurpatienten dieser Welt. Selbst Bayern-Fans sind durch Täler der Tränen gekrochen, selbst Bielefeld-Fans waren mal für einen Tag Spitzenreiter, sie stürzten wieder ab und kamen wieder hoch. Die Angst, die Freude, der Zorn, die Depression, die Heilserwartung, die Hoffnung, die zuletzt, und der Stolz, der nie stirbt – mindestens vierunddreißig Mal im Jahr jagt ein Verein seine Fans durch diese Aggregatzustände.

Fiebrig sehen sie aus, die Bemalten, Verkleideten...


Die Nationalmannschaft indes hat dafür weit weniger Gelegenheit. Ein paar Freundschaftsspiele, lose übers Jahr verteilt, Quali-Kicks in Aserbaidschan – das bringt die wenigsten in Wallung. Doch alle zwei Jahre, bei den großen Turnieren, geht ein Ruck durch Deutschland, wie ihn sich Roman Herzog selbst in seinen kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können. Schland-Rot-Gold! Die Nation gerät ins Fußballfieber. Und fiebrig sehen sie tatsächlich aus, die Bemalten, Verkleideten, die mit der Tröte im Gesicht. Sie versammeln sich auf Plätzen, starren auf Leinwände, kreischen, jubeln, umarmen einander, tauchen in Achselhöhlen wildfremder Menschen und feiern dort bis zum Sonnenaufgang.

Modefans nennt man sie, denn Mode ist ein Phänomen, das wiederkehrt, ohne von langer Dauer zu sein. Höchstens vier Wochen haben sie Zeit, ihre Gefühle rauszulassen, die nie so ausgeprägt sein können wie die eines Klubfans, der sich seit Jahren in die Ungewitter des Fußballs stellt. So tief, wie er ist, können sie nicht mal fallen.

Da sind ja Veronika Ferres’ Tränen echter


Und mit einer Mischung aus Hybris und Abscheu schaut der Klubfan auf die Modefans, auf ihre Garderobe und Staffage, die so neu sind wie ihre Begeisterung, auf ihre Emotionen, die in seinen Augen eine Karikatur seiner eigenen sind. Er ist beleidigt, dass ihnen zufällt, was er sich so lang und hart hat erarbeiten müssen. Er misstraut ihnen. Und nun empfindet er Schadenfreude: Nach dem Aus gegen Spanien traf auch sie die Keule der Trauer. Sie kannten das Gefühl nicht, sie kannten nur Vierzunulls, das Serbien-Spiel war für sie eine unnötige Hänselei des Schicksals. Doch als Puyol einköpfte, fiel das 0:1 auch in ihren zarten Seelchen und verhärtete sich dort zum existentiellen Rückstand. Sie weinten ihre Hula-Kränze nass.

Der Klubfan, der im Laufe seines Daseins schon Hektoliter Rotz in seine Kutte gewischt hat, grient. Das soll Trauer sein? Da sind ja Veronika Ferres’ Tränen echter, wenn irgendwo ein Wal verendet.

Doch auch Weinen muss man lernen dürfen. Es kann der erste Schritt sein. Vom Modefan-Sein zum Fan-Sein. Vom Modemensch-Sein zum Mensch-Sein.


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Kommentare

  • User
  • 09.07.2010 14:23:17 Catilina

    Als bei der WM 1990 das Auftaktspiel gegen die starken Jugoslawen mit 4-1 gewonnen war, strömten bei uns in GÖ auch solche meiner Kommilitonen zum Platz vor dem Alten Rathaus, die sich normalerweise zu fein und zu aufgeklärt dünkten, um Fußball zu schauen, und für Fans nichts als Verachtung erübrigt hatten.
    Genaugenommen, waren diese Typen eine Kreuzung aus kulturkritischen Bildungsphilistern und den superaufgeklärten Bescheidwissern des linksalternativen Lagers, die in dem Aufsatz von Ulrich v. Berg als Hauptfeinde des Fußballfans beschrieben wurden.

    Nach dem 1-1 gegen Kolumbien im letzten Vorrundenspiel - das weiß Gott kein schlechtes Spiel war - bekam man von denselben Typen zu hören:

    "Da war ich wieder froh, daß ich normalerweise keinen Fußball gucke..."

    So sind sie eben, die falschen Freunde, die an der Suppe nur mitlöffeln, solange viele Fettaugen darauf schwimmen.

  • User
  • 09.07.2010 14:47:57 BeppeWilson

    Nationalelf schauen ist wie Sex mit einer Edelnutte. Sieht gut aus, kann ohne Frage Spaß machen, aber Gefühle sind keine im Spiel. Der SC Freiburg ist dagegen wie meine Sandkastenlieb, ein wenig unscheinbar, Typ Mauerblümchen aber wir haben gemeinsam soviel durchgemacht, dass ich mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen kann!

  • User
  • 09.07.2010 14:56:12 DonnieDollar

    Warum immer diese Kritik an den Leuten die "nur" mit der N-11 mitfiebern? Vielleicht hätten sie ja auch Lust mal zu nem Clubspiel zu gehen. Aber wer nach dem Genuss der vielen "Mode-Fan"-Artikeln die überall, und leider besonders auch bei den sonst so liberalen 11 Freunden, keine Lust mehr hat auf Vereine, dem kann ich es nicht verübeln. Da wird der Eindruck vermittelt, die N-11-Fans seien eh nur nichtspeilender Abschaum. Das ist vielen vielleicht einfach ne spur zu arrogant und zu elitär.
    Ich selbst bin übrigens im normalen Leben Anhänger der im Artikel mehrmals erwähnten Arminia aus Bielefeld. Und gerade deshalb empfinde ich es als ungemein erleichternd und befreiend mich alle zwei Jahre ins Deutschland Trikot zu werfen, zum Rudelgucken zu gehen und endlich mal wieder eine Mannschaft zu sehen, die was reißen kann. Eine andere Möglichkeit gibt es leider nicht für mich auch mal erfolgreichen Fußball als Anhänger zu erleben.
    Nicht falsch verstehen: Wenn ich bis zum Ende meines Lebens mit Arminia leiden muss, dann soll es so sein und dann mach ich das auch. Aber als Anhänger der Nationalmannschaft kann man wenigstens ab und zu mal der Tristesse entkommen. Und das auch gerne mit buntgeschmücktem Gesicht, Schwarz-Rot-Gold-Irokesen und nem Nebenmann, der keine Ahnung hat was Abseits ist.

  • User
  • 09.07.2010 15:02:46 gelsenkirchen

    "Da wird der Eindruck vermittelt, die N-11-Fans seien eh nur nichtspeilender Abschaum. Das ist vielen vielleicht einfach ne spur zu arrogant und zu elitär."

    na hoffentlich! fußball ist nämlich was anderes als eine atzenparty!


    "Und das auch gerne mit buntgeschmücktem Gesicht, Schwarz-Rot-Gold-Irokesen und nem Nebenmann, der keine Ahnung hat was Abseits ist."

    schmerzfrei!

  • User
  • 09.07.2010 15:03:06 oberhofer

    Mensch, Herr Gieselmann, näd schlächd.

    Für mich ist Nationalelf schauen im Prinzip dasselbe wie VfB Stuttgart schauen. Mit dem Unterschied, dass ich mir mit dem Arbeitskollegen Bayern-Fan und dem Nachbarn Werder-Fan, ja sogar mit der besten aller Ehefrauen, für 4 Wochen einig bin. Das find ich schon geil und was Besonderes, so alle 2 Jahre. Während der Saison isses mir sehr recht, wenn die Alle-2-Jahre-Deutschland-Fans wegbleiben und die beste aller Ehefrauen abwinkt und mich machen lässt.

  • User
  • 09.07.2010 15:05:34 oberhofer

    Geweint hab ich übrigens vorgestern nicht. Das letzte Mal bei Cacau's 3:2 in Bochum anno 2007.

  • User
  • 09.07.2010 15:11:07 bergomi

    ich frage mich immer, ob es dieses phaenomen in anderen laendern auch gibt, also zum einen diese hybris und abscheu der "richtigen" fans (ich zaehle mich dazu), zum anderen die leute, die nur auf public viewing-plaetzen jodelnd durch die gegend taumeln und fragen:"welchen spieler bringt er denn jetzt? kiessling? noch nie gehoert..."

    also zum beispiel in spanien, gibt es das dort auch? in england ist es jedenfalls nicht so extrem mit den zweigeteilten lagern, zumindest mein eindruck.

  • User
  • 09.07.2010 15:16:05 FrauBlack

    Vielleicht wird in anderen Länder einfach nicht so ein Trara drum gemacht. Also von wegen Eventfan vs. "richtiger Fan".
    Wenn ich mir die Bilder aus Spanien so anschaue - bemalte und verkleidete Leute wie hier, aber da läuft das dann (also bei uns in den Medien) halt unter dem Motto "feurige Südländer".
    Und in England wurden übrigens während der WM 20.000 Hundetrikots verkauft...

  • User
  • 09.07.2010 15:21:30 Redondo71

    Und in England wurden übrigens während der WM 20.000 Hundetrikots verkauft...

    Mit Rooney drauf?

  • User
  • 09.07.2010 15:22:40 DonnieDollar

    @Gelsenkirchen: Du bestätigst mein Argument voll und ganz. Vielen Dank. Übrigens: ich schlag bei solchen Themen auch immer gerne den Bogen zur Musikwelt, wo Intoleranz ähnlich weit verbreitet ist. So wie Du die N-11 "Mode-Fans" abtust, so wurde Johnny Cash von den Americana/Country-Faschisten abgetan, als er mit den American Recordings anfing. Auch etwas ungerechtfertigt, oder?

    Bzgl.: Schmerzfrei: Wo ist das Problem, wenn der Nebenmann keine Ahnung hat von Abseits oder den Auswechselspielern? Bringt das Deine kleine spießbürgerliche Schalkewelt irgendwie ins Wanken? Niemand zwingt Dich, Dich mit ihm zu unterhalten.

  • User
  • 09.07.2010 15:36:49 FrauBlack

    @Ente
    das kann man ja wohl nichtmal Hunden zumuten

  • User
  • 09.07.2010 15:43:16 AbteilungAttacke

    Der Text von Herr Gieselmann ist noch der bessere der "Eventfan-Nationalmannschafts-Bashing"-Texte, die hier auf 11Freunde kolportiert werden. Obgleich er bereits am Anfang deftig ausrutsch, weil er sich um eine Definition des Wortes "Fan" bemüht und gerade noch die Kurve zum "Vereinsfan" kriegt. Das es auch "Fans" des Fussballs allgemein gibt, ohne einem Verein sein Herz, Seele und Kreditkarte zu schenken, kommt ihm indes nicht... aber seis drum.

    Die Frage ist aber, ob die Realität seine "Fan Wandle' dich"-Theorie nciht längst locker überholt hat.

    2006, als diese "Modefanerscheinung" auf jeden Fall da war, ja ihren angeblichen Ursprung hatte(was in der Form auch eine Fiktion ist, wie allein Catilinas Beispiel anschaulich zeigt), da gab es keine Trauer ? Hm, Italien, Halbfinale, klingelt da was ?
    Bin mir ziemlich , dass da die ein oder andere Jenny geweint hat. Die niederlage damals war, wegen der WM im eigenen Land, schmerzlicher als diese WM, wo die Jungs streckenweise atemberaubenden Fussi gezeigt haben.

    2008 das gleiche Spiel, nur nicht so hart. Selbst der härteste "Eventfan" peilte, dass Spanien da ne' andere Liga war. Dass dann die Trauer nicht so groß war, wurde gleich wieder gegen sie verwandt.

    Nun sind 4 Jahre ins Land gegangen. Hier im Forum gibt es einen User - der Name ist mir leider entfallen - der unumwunden zugibt, 2006 zu den Party People zugehört zu haben.. und ihnen, Ironie der Geschichte, mittlerweile genauso kritisch gegenüber tritt.

    Dieses ganze Modefangebashe anzugreifen, hat bei mir natürlich einen persönlichen Grund. Weil hier viel zu schnell verurteilt, viel zu wenig differenziert wird. Du hast ne Flagge am Auto ? Modefan ! Du lässt zu, dass die beste Ehefrau von allen dir Schminke ins Gesicht schmiert ? Weichei ! Du bist Fan der deutschen Fussballnationalmannschaft und weinst wegen der Niederlage ? Du hast ja keine Ahnung,weil als Bochum/Bayern/Verein xy-Fan man mehr erleidet. Immer zweimal mehr wie du. Das ist mir jedenfalls zu einfach.
    Denn die Nationalmannschaft hat sich mehr als jeder Verein und lange vor der Zeit, als ich den Revierfussball für mich entdeckte, in mein Herz eingebrannt, als ich als Jugendlicher, neudeutsch Teenager, in einer seltsamen Mischung aus Stolz und Scham mit meiner Familie in den Straßen von Duhnen, dem damaligen Urlaubsort, 1990 feierte. Stolz, weil Deutschland gerade hochverdient Argentinien geschlagen hatte. Scham, weil meine Mutter und ihre beste Freundin die GANZE Nacht über skandierten: "Andi, Andi, BRÄMÄ, BRÄMÄ" --- "Lothaaaaar Mathhäusss"...

  • User
  • 09.07.2010 15:53:36 gelsenkirchen

    @DonnieDollar:
    eben, deswegen gehe ich nicht hin. ich gehe nicht zum karneval, public viewing events verkommen in deutschland zu eben solchen. ich habe beileibe nichts dagegen wenn sich jemand für die nationalmannschaft begeistert, aber die extremauswüchse, die dieses zweijährige rudelverhalten mit sich führt, sind schlichtweg zum kotzen und sorgen dafür, dass ich mich davon weitestgehendst fern halte. da möchte ich einfach nicht dazugehören.

    es kotzt mich an dass in deutschland mittlerweile in der öffentlichen wahrnehmung klar getrennt wird: clubfans, das sind die, die jedes wochenende ärger machen und die die polizeieinsätze nicht bezahlen wollen. die stadien anzünden und städte in schutt und asche legen.
    ja der nationalmannschaftsfan hingegen, die wollen einfach nur ne dufte party machen, die sind voll lieb und nett (sommermärchen I bis XIII). da wird gerne mal ausgeblendet dass es im rahmen von eben diesen spielen zu auswüchsen asolzialster güte kommt. hier wurde z.b. der autokorso der spanier am mittwoch mit einem hagel von bierflaschen belegt. oder die beiden in einem anderen thread angesprochenen deutschland-jennys, die sich gegenseitig auffe backen geben weil podolski jetzt geil oder nicht geil sein soll. entschuldige vielmals, aber dafür fehlt mir durchaus verständnis. da werden in der straßenbahn plötzlich hasslieder gegen australien gesungen als wären die stalin und hitler in person. was ist da los? und die ganze bahn macht mit, nicht zu vergessen: hinterher noch nationalhymne strophe 2 und 3 (bei strophe zwei macht ca. die hälfte mit).

    am rande solcher public viewing sachen besteht das publikum zu 60% aus irgendwelchen mallorca-ballermann-prolls, die mit bollerwagen (kein scheiss!), sechs 5l fäasschen bier und drei buddeln schnaps schon drei stunden vor spiel so rappelvoll sind dass das spiel einfach in den hintergrund rückt. also nur ein schnaffte grund sich mal ultra-daneben zu benehmen ("abgehen!"). das passiert zwar beim vereinsfussball auch, aber nicht in diesen ausmaßen, kein scheiss.

    und ja, es regt mich auf wenn mein nebenmann undifferenziert seine meinung rausblökt. da werde ich wild. am tollsten sind die die elfmeter oder rote karte fordern und diesem dann gleich mit einem "scheiss spanier/italiener/argentinier/etc." nachdruck verleihen. dabei hatten die in ihrem leben warscheinlich noch nie mit einem argentinier zu tun.

    ich habe sicherlich nichts dagegen wenn sich leute im rudel die spiele anschauen, dabei ein paar bierchen trinken, grill an und auch ein bierchen zuviel danach haben. ich habe sicherlich nichts dagegen wenn da leute sitzen die nichts vom fussball verstehen. ich habe aber spätestens dann was dagegen wenn eben diese leute, die keinen blassen schimmer vom gekicke haben mit riesigen plastikbrillen, deutschlanperücken, vuvuzelas und allem anderen 1-euro-shop-equipment auftauchen und einen auf großen macker machen. das unterscheidet sie allerdings nicht von "fussballkennern", bei denen würde ich das genauso scheisse finden. es ist fussball, kein kostümfest geschweige denn ballermannparty.

    dein ausflug in das musikgenre erschließt sich mir nicht bzw. nur sehr ungenau erkenne ich birnen. ich vermute daher es ist ein bewusst von dir benutztes argument um größere angriffsfläche zu erhalten. zudem unterstellst du mir damit einfach etwas, aber wenn's nicht anders geht...

    meine "kleine spießbürgerliche schalkewelt" (du scheinst mich gut zu kennen, bist du einer der arminen die ich persönlich kenne?) hat damit überhaupt nichts zu tun und zeigt mal wieder einen erbärmlichen versuch deinerseits, ein weiteres ziel zu haben und die gängige "schalkekarte" zu ziehen. aber das scheint ein gängiges muster zu sein für leute die keine argumente haben, dann wird grundsätzlich "schalke" irgendwie noch mitverwurstet, egal ob's ins thema passt oder nicht. nebenbei ist meine kleine spießbürgerliche schalkewelt weltoffener und spaßiger als sie bei 90% aller deutschland-jennys jemals sein wird.

  • User
  • 09.07.2010 15:58:52 SwenThissen

    Ich steuer zur Diskussion einfach mal meinen ein Woche alten Blog-Beitrag dazu bei - ganz werbefrei, ohne Link :).


    Man kennt sie zu gut, diese Ungläubigkeit in der Stimme seines Gegenübers. „Was, schon wieder Fußball?“ - „Du fährst bis nach Berlin, damit da 22 Idioten dem Ball hinterher rennen?“ - „Ach komm, es ist doch nur ein Spiel, oder?“ – „200 Euro? Für eine Pokalfinalkarte? Bist du bescheuert? Ich dachte, du bist ein armer Student!“
    Für alle, die das Problem der Aussagen nicht erkennen, seien hier noch die entsprechenden Antworten nachgeliefert: „Ja.“ – „Natürlich.“ – „Halt die Klappe.“ – „Bin ich, aber man muss Prioritäten setzen.“
    Das schöne an einer WM ist, dass man diese Diskussionen nicht führen muss. Denn: Wer was auf sich hält, steht bei 51 Grad im Schatten vor einer Leinwand und zahlt für einen halben Liter Radler 4,80 Euro plus zwei Euro Pfand, fährt anschließend hupend durch den acht Kilometer langen Innenstadt-Korso-Stau (weshalb das Radler übrigens ein alkoholfreies war), tritt zuhause dann sofort einer Facebook-Gruppe bei (deren Titel entweder „Ich hätte gerne eine Pizza Endstazione“, „Poldi ist ja soooooooo geil“, „Wir rächen uns für 2008“ oder „Mein Herz ist schwarz-rot-gold“ lauten kann) und übt als gelungenen Tagesabschluss noch einmal echte Fußballlieder wie „Pokal again“ oder „Schland, oh, Schland“. Noch besser jedoch wird es, wenn Deutschland tatsächlich mal ein Spiel verlieren sollte. Dann nämlich gibt’s die Weisheiten des Jahres. Meine Favoriten, aufgeschnappt im Jahr 2006, sind: „Macht nichts, beim Public Viewing war’s trotzdem witzig“ und „Egal, dann gewinnen wir halt die WM in drei Jahren, dann gibt’s das nächste Sommermärchen.“ Ich betone: „In DREI Jahren.“
    Ohnehin, diese Sommermärchen-Wortkreation, ich muss es einfach mal wieder loswerden: Deutschland hat 2006 gegen Costa Rica, gegen Polen, gegen Ecuador und gegen Schweden gewonnen, im Viertelfinale gegen Argentinien mehr Glück als Verstand gehabt und ist im Halbfinale gegen Italien unglücklich, aber nicht unverdient ausgeschieden – und das im eigenen Land, was nachgewiesenermaßen ein ziemlich großer Vorteil ist. Deshalb: Ja, es war eine lustige Zeit und wir hatten auch gutes Wetter – aber wo bitte ist denn das Märchen?
    Vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich im Leben gerne einfach mal dagegen bin, weil mich Hypes grundsätzlich anwidern. Vielleicht bin ich auch einfach zu sehr mit dem Bundesliga-Fußball beschäftigt (nicht nur als Fan, auch als neutraler Beobachter), um auch noch den Nerv zu haben, mich wegen einer WM emotional verrückt zu machen. Vielleicht bin ich aber tief im Herzen einfach auch ein arroganter Deutscher, der nicht die große Party steigen lässt, wenn man ein Achtelfinale erreicht hat. Ziel dieses Turniers ist es, am Ende den Pokal in den Nachthimmel zu strecken. Das gelingt nicht immer, und man kann erhobenen Hauptes in einem Halbfinale oder Endspiel ausscheiden. Auch das gehört zum Sport. Nicht dazu gehört jedoch, anschließend eine große Party zu feiern, als hätte man doch gewonnen (und schon gar nicht in Berlin).
    Ja, ich bin Fußball-Purist, der 64 WM-Spiele anschaut, weil er sich für diesen wunderschönen Sport begeistern kann. Und offensichtlich passe ich – trotz aller Freude über die guten deutschen Auftritte – nicht mehr ins Fußballfan-Image, wenn alle nur noch schwarz-rot-geil sind. Vielleicht räche ich mich aber auch schon bald. Mit einem siebenstündigen Autokorso nach einem Sieg gegen Freiburg. Oder, noch besser, nach einem Achtelfinal-Sieg im DFB-Pokal. Und sollte meine Botschaft niemand verstehen, gibt’s immer noch Plan B: Der Reiseplan für die WM 2014 in Brasilien steht. Dort sollen die Menschen ohnehin das ganze Jahr gut drauf sein. Und nicht nur im 24-Monats-Rhythmus.

  • User
  • 09.07.2010 16:06:17 AbteilungAttacke

    Also Gelsen, erstmal Dank für die Perspektive. Macht einiges verständlicher. aaaaaaber (ja dasm suste kommen...)


    am rande solcher public viewing sachen besteht das publikum zu 60% aus irgendwelchen mallorca-ballermann-prolls, die mit bollerwagen (kein scheiss!), sechs 5l fäasschen bier und drei buddeln schnaps schon drei stunden vor spiel so rappelvoll sind dass das spiel einfach in den hintergrund rückt

    Bei aller Liebe, das ist doch wohl kein Exklusiverhalten von Nationalmannschaftsfans.

    Wr sich an nem Samstag Vormittag um 10 uhr die Haard Bahn von Münster über Gelsenkirchen nimmt an nem Samstagsspiel auf Schalke, der kann ähnliches "bewundern". Und das ist kein Hörensagen, da war ich Live dabei. Vor allem jugendliche, sie um 11 Uhr schon so hackebreit sind, dass die niemals nicht das Spiel als solches wahrnehmen können.

    da werden in der straßenbahn plötzlich hasslieder gegen australien gesungen als wären die stalin und hitler in person.
    Natürlich ist das eine Unart und diese nationalistische Soße darf auf keinen Fall den, wie ich immer noch trotz aller "Studien" (auch wenns da nur eine gibt zZ) finde, unschuldigen und reinen Nationalstolz, den diese Elf bewirkt beschmutzen. Abern ochmals, solche Lieder gibts auch im Vereinswesen.

    Als ich damals 2000 und irgendwas auf Schalke das Freundschaftsspiel mit meinem Patenkind von Deutschland gegen Frankreich auf Schalke besuchte, schämte ich mich in Grund und Boden für die in der Mehrzahl Schalker fans, die in Anwesenheit vieler Familein mit Kindern in der Straßenbahn übelste Lieder gegen Lüdenscheid und andere "Hassverein2 anstimmte.

    es kotzt mich an dass in deutschland mittlerweile in der öffentlichen wahrnehmung klar getrennt wird: clubfans, das sind die, die jedes wochenende ärger machen und die die polizeieinsätze nicht bezahlen wollen. die stadien anzünden und städte in schutt und asche legen.

    Hm, diese Wahrnehmung ist mir neu - ich schließe sie aber nicht aus. Was mich halt wundert - noch selten aber ich einen "Eventfan" einen "Vereinsfan" anpöbeln sehen oder kritisieren gehört, umgekehrt ist das an-dau-ernd der Fall, vor allem bei den (selbsternannten) Hütern des Fussballs aka 11Freunde-Reaktion. Die Modejennsy verhauen nur sich selbst, wie gesehen. ^^
    Wenn denn so ein Eindruck erzeugt wird, dann wieder er NICHT durch die sinnlos Feiernden erzeugt, sondern höchsten externen Faktoren (Polizei, Medien).

  • User
  • 09.07.2010 16:09:24 Statistikfreund

    Der Artikel gefällt mir sehr gut, Danke Herr Gieselmann. Und zeigt, dass die Erwähnung zusammen mit Herrn Bock in einem der bedeutendsten europäischen Nachrichtenmagazine DER SPIEGEL, nicht ohne Grund erfolgte, ja erfolgen musste. Anmerkung: Ich finde ihr seid zwischenzeitlich immer auch mal besser als das immer wieder als Vorbild kolportierte fourfourtwo.

    Statistisch gesehen sind die direkte Verteidigung (ITA, BRA), das 8 Jahres Intervall (ARG, BRA) und das 24 Jahre-Intervall (DEU, ITA) bisher die häufigsten bezüglich Weltmeister und wieder Weltmeister. Somit werden wir 2014 in Brasilien alle Chancen haben.

    Und warum sollten wir das Weinen gerade jetzt lernen, wenn wir selbst nach 78, 94 und 98 wieder furios 82 bzw. 2002 uns platzierungsmäßig furios in der Weltspitze zurückmeldeten, wenn wir nach zwei errumpelten Vize-WM`s vor allem spielerisch 90 Weltmeister wurden? Ich sehe keinen Grund.

    Und zu den Event-Fans? Nun ja, hier in England finden meine Freunde das toll, was da mit public viewing, Fähnchen usw. passiert, dass das ganze Land im Ausnahmezustand ist nach jeder Vorrunde-und das sind keine Daily Mirror oder Daily Star Leser. BTW: Für mich am positivsten beeindruckensten war, als die Türkei zur EM 2008 rausflog und soweit aber alles ruhig blieb in Berlin, wo ich zu Besuch war. Außerdem ist Fußball nun einmal ein Massen-Event, logischerweise sind dann auch Massen als "Fans" am Start. Es gibt in Europa keinen, der die Kultur des "Massen-public-viewing" nicht als deutsche Erfindung gutheißt.

    Wenngleich ich das pub-viewing und Gartenpartys mit Freaks oder 80jährigen Biertrinkern, also Menschen, die die Weltmeisterelf von 1950-Uruguay Eufi, Uruguay-auswendig sofort aufsagen und den WM Vierten von 1970 -Uruguay Eufi, Uruguay- natürlich auch, dazu alle Uruguayer, die je was mit England im league-footbal zu tun hatten persönlich zu kennen scheinen und die Verbindung zu Diego Forlán und seiner (Fußball-)familie sofort herstellen und klar wird, warum Tabarez so spielen lässt wie er spielen lässt, weil seine Fußballsozialisation dadurch offenbar wird.

    Ich kürze das jetzt hier ab: Ich finde jeder, der Spaß am Fußball haben will, soll ihn haben. Dafür ist er ja da. Und solange ich mich den Massenevents, geprägt durch eben diese "Eventfans", auf meinen Veranstaltungen entziehen kann, ist das alles auch in Ordnung so. Sehe es insgesamt also wie oberhofer. BTW: Es gab Zeiten in England, da konnte man wegen der Gewalt z.T. nicht ins Stadion, heute gehen viele Engländer wegen der strengen Auflagen und wegen der Kommerzialisierung nicht mehr hin. Beides ist schade-fehlen die Gesänge und der bedingungs- wie besinnungslose Support irgendwie doch. Aber solange an der Anfield Road und anderswo gilt: "You`ll never walk alone", solange ist`s Zeit für Fußball.

    So und zum Schluß noch Statistik: Deutschland war, 1934 mit eingerechnet) bisher 10mal Top 3 (11mal Top 4), Brasilien 9mal (10mal Top4), Italien 7mal Top 3 (8mal Top 4), dann folgt Argentinien: mit 4mal Top 3...England 2mal. Dazu: Italien hatte die 50er& 60er als saure Gurken Zeit ohne Top 3 Platzierung, Brasilien die 80er, DEU eben die 90er. Also: 2014 geht`s wieder los auf der Weltbühne, und DEU wird wie immer dabei sein.

    Und ich freue mich schon wie immer darauf, wenn die mainstream-massenmedial gehypten angeblichen Weltstars und weltbesten Spieler wie Ronaldo, Rooney, usw. von "grauen Mäusen" wie Iniesta, Forlán, Klose wieder heulend in ihre Shranken verwiesen werden...

  • User
  • 09.07.2010 16:14:51 gygax

    Deutschland hatte Saure-Gurken-Zeit in den 90ern? OK, zweimal nicht so erfolgreich wie gewohnt. Aber mit dem Titel 1990 relativiert sich das doch eher zu Kinderteller statt all-you-can-eat

  • User
  • 09.07.2010 16:16:08 misterkite

    na hoffentlich! fußball ist nämlich was anderes als eine atzenparty!

    gelse es IST mittlerweile atzenparty! zum beispiel deichkind (krawall und remmidemmi) verhält sich zu atzenmusik wie ... naja wie etwas gutes zu nichts.

    was mich am feiermeilenpublikum so nervt ist die beliebigkeit und das signal: "brot & spiele" (aka bigmacs und fuppes) für das volk. natürlich ist die "identifikation" mit der mannschaft da, wer medial zum popstar hochgejazzt wird ist eben bekannt. letztlich erinnert mich das ganz an den fall michael jackson: als der starb war aufeinmal die halbe weltbevölkerung hysterisch, 15 jahre alte blagen erzählten heulend wie "wichtig" michael jackson gewesen sei, dabei waren die, als er sein letztes passables album rausbrachte noch nicht mal geplant resp. deren eltern noch teenager. es ist das kollektive beieinander, die geborgenheit in der masse, das "hier sind meine leute hier werde ich verstanden hier bin ich teil einer großen bedeutsamen masse, deren sprache ich spreche und deren signale ich erkenne"

    man muss nicht denken, man muss nicht lenken. einfach ne uniform an, ein paar parolen auswendig gelernt (schlaaaaand) den rest besorgen die pr und marketingprofis der großen konzerne.

    es ist einfach sich in der euphorie fremdbestimmen zulassen, siege machen eben das leben leichter, zumal der "alltag" ja eher nichts gutes verspricht. naja alle jahre wieder.
    aber, um schließlich doch eine lanze zu brechen: eventfan oder "alter" hase: eines ist echt: die freude und das leid. und ist das nicht schließlich die essenz des "fan(atiker)" seins?

  • User
  • 09.07.2010 16:19:46 gelsenkirchen

    @AbAt:
    ich weiss dass es am rande von bundesligaspielen auch zu solchen szenen kommt. aber z.b. das komasaufen sehe ich bei n11-spielen omnipräsenter.
    die gesänge gibt's bei vereinen auch, ja. aber da hast du ein über jahre gewachsenes "feindbild", das immer wieder kommt. da kann ich das einfach eher nachvollziehen als nach dem erstenm spiel überhaupt gegen australien. kann verstehen wer will, is meine meinung.
    dass die gesänge vor dem n11-spiel nun solche waren ist scheisse, ich hab das allerdings auch in dortmund und köln so miterlebt, von daher... allerdings zu einer zeit prä-2006.
    dass der clubfan medial eher kritisch gesehen wird zeigt sich doch woche für woche wenn wieder über "chaoten und hooligan-ultras" berichtet wird. bei der n11 gibt es ausschließlich "ausgelassene freude und feierstimmung".

    wer hingehen will soll hingehen, ist nun einfach nicht meine welt. der heilige grakl des fussballs braucht von dieser seite nicht behütet zu werden, denn zum vereinsfussball gehen doch schätzungsweise 50% (mal so aus der luft gegriffen) der ganzen deutschland-jennys und -saschas gar nicht hin.

    ach ja, der mallorca-artikel aktuell auf 11freunde.de: der zenith des scheissesein!

  • User
  • 09.07.2010 16:28:48 Statistikfreund

    Heute 16:14:51 von gygax
    Deutschland hatte Saure-Gurken-Zeit in den 90ern? OK, zweimal nicht so erfolgreich wie gewohnt. Aber mit dem Titel 1990 relativiert sich das doch eher zu Kinderteller statt all-you-can-eat


    Du weißt, dass ich die WM`s 94/ 98 meinte.

  • User
  • 09.07.2010 16:32:30 AbteilungAttacke

    @ Gelsen

    Omnipräsenter siehst du das nur, weil es sich dort massiert.
    Aber es findet nicht "am Rande" statt. Kann ja sein, dass die Münsterländer Schalkefans alles Vollpfosten sind, aber ich habe es oft genug in Reihe erlebt.

    Auch von RWO-Fans.

    Auch von Dortmund-Fans.

    Nach einem Fussballspiel kann man froh sein, wenn man im Zug eine funktionstüchtige Toilette findet. Einen Zug ohne vollbesoffene Fans mit leeren und vollen Bierflaschen findet man nicht.

    Und das mit dem "gewachsenen Feindbild" - also das Feindbild gegen den Tommy ist älter al so manche Clubrivalität.. aber Spaß bei Seite. Nur weil eine "Feindschaft" "gewachsen" ist, macht es Gesänge solcher Art nicht gut. Dass ich im Vergleich zu früher deutlich vermindert ins Stadion gehe, hat auch mit der von mir empfundenen Zunahme solchen Verhaltens zu tun. Mit öffentlichen Verkehrsmittel fahre ich, wenn ich dann doch mal gehe, auf keinen Fall.

    Und nur so: Ich hasse Public Viewing genau so wie ich KArneval hasse. Und ich hasse NICHTS mehr als Karneval. Da bin ich mit dir d'accord. Aber nur weil die feiernden Menschen die Sau raus lassen, kann ich nicht, wie es Leute wie Köster immer weider tun, den Dicken markieren und diese Fans abqualifizieren.

    Und was den Kontrast angeht, "Feierende" hier und Hooligans dort, da gibt es zwei Probleme.
    Erstens erzeugt du den Kotnrast ja selbst. wenn du diese bilder nebeneinander stellst. Ich jedenfalls habe noch keinen Zeit7bild/TAz-Leitartikel gelesen, wie brav die Eventfans wären und wie schwierig die Vereinsfans.
    Zweitens kommst du meiner Meinung nach mit dem Verursacherprinzip durcheinander.
    Sicher, ein Vereinsfan hat übers Jahr mehr Gelegenheit, über die Stränge zu schlagen. Und auch bei "Deutschlandfans" gibt es widerliches Verhalten.
    Aber nur weil der eine Dieb mehr Gelegenheit hat, als der andere Dieb, ist es nicht ungerechter, den Dieb, der mehr stiehlt, härter zu bestrafen - oder respektive schlechter anzusehen.
    Wenn die dröhnenden Hooligans und Chaoten - und es gibt diese nunmal mehr und öfter im Vereinsumfeld - nicht für diese Schlagzeilen sorgen würden, hättest du den Kontrast auch nicht. Wer ist also "Schuld" ? Die Feiernden ? Die Medien, die die Feiernden zeigen ? Oder die Störer, die im Vereinsumfeld stören ? Meine Antwort ist da eindeutig.
    Ultras gibt es auf der Nationalmannschaftseben - noch - nicht, oder zumindest nicht in diesem Umfang. Wird es hoffentlich auch nie geben.

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  • 09.07.2010 16:32:35 gygax

    Klar, ich wollte nur sanft darauf hinweisen, dass auch in den 90ern (1.1.1990-31.12.1999) eine Top 3 Platzierung dabei war

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  • 09.07.2010 16:35:40 feuerwehrmann

    Der Thread hat die Chance seeeeeeehr lange zu werden...

    Jedenfalls sprudeln die langen Beiträge nur so aus den Leuten raus...

    Ich habe Sympathien für den ersten Post von Attacke von 15:43 und aber auch für den von gelsenkirchen, 15:53, weil sie beide gut argumentiert sind.

    Mir ist's egal - jeder wie er will. Der Eine erfreut sich an der Spielkunst, aber bitteschön ohne Arroganz!, der Andere an der Party, aber bitteschön ohne Entgleisungen!

    Nervig finde ich nur (s. diesen humoristisch gemeinten Thread) diejenigen "Modefans", die so tun als wären sie die wahren Experten und wüssten alles... Ist doch nicht schlimm, wenn ein Modefan auf der Fanmeile Kiessling nicht kennt. Hauptsache er hat Spaß beim gucken. Aber er soll bitte nicht so tun als könne er seine Qualitäten als Fußballer beurteilen. Das ist anmaßend und respektlos... nicht mir sondern Kiessling gegenüber!

    @oberhofer: und du hast mich für meinen Thread beschimpft... jetzt wird d o c h noch drüber diskutiert, HA!!! (war'n Witz, bitte nicht schimpfen... ;-)))

  • User
  • 09.07.2010 16:37:48 AbteilungAttacke

    @mister

    man muss nicht denken, man muss nicht lenken. einfach ne uniform an, ein paar parolen auswendig gelernt (schlaaaaand) den rest besorgen die pr und marketingprofis der großen konzerne.

    Du musst aber schon zugeben, dass für die 'Fans von manchen Vereinen dies sich genau so sagen liesse ? Null Hirn, aber lustig in Vereinsfarbe gekleidet. Na gut, ok, die können mir im Zweifel sagen, wer Stan Libuda war. Aber warum der Stan hieß, da wirds bei vielen schon eng.

    Und die Vermarktun, die die N11 nun erfährt, ist doch nur Spiegel und schlaffer Abklatsch des Weges, den die Vereine und Liga vorangegangen sind. Wat meinst du warum der Rauball den aufhäult und so einem Schwachsinn wie "eigenem Verband Nationalmannschaft" faselt ? Da geht es doch um revierverhalten und der Angst davor, kopiert zu werden.

    Brot und Spiele ist der Vereinsfussball doch auch, mehr noch, weil hier die Wagenrennen wöchentlich stattfinden. Und gibt es etwas fremdgesteuerteres als die von Ultra diktierten Jubelarien ?
    Ne ne, manchmal krieg ich den Eindruck, als ob der Vereinsfan deshalb so wütend auf den "Eventfan" ist, weil dieser ihm nur das spiegelbild seiner eigenen, hässlich fremdgesteuerten und komerzialisierten Fratze vorhält.

  • User
  • 09.07.2010 16:50:22 misterkite

    ich bin nicht "wütend" um gotteswillen, schließlich gehts immer noch um fussball, da kann man nicht wütend sein. ein wenig sauer vielleicht, dass hier jetzt von "unwissenden" in eine domäne eingebrochen wird, denn was den "eventfan" im fussballstadion angeht (ich als FCBler kenne solche auswüchse ja) es ist und bleibt nicht die mehrheit. da kann man mir sonstwas erzählen. südkurve dortmund wirst du vielleicht mal jemanden finden der mit der dauerkarte vonnem freund oder so. aber im allgemeinen sind in den kurven leute die wirklich was für den verein geben (nein bitte nicht herzblut stattdessen einsetzen...*würg*)

    das fussball auch marketing ist unbestritten (das ist ja gottseidank ne sache wo die bayern mal nicht innovator waren) aber als fan eines clubs nimmt man das vielleicht als notwendiges übelmit und betrachtet es nicht als alleingen daseinszweck eines vereines. aber ich hab gut reden, "mein" verein war ja auch ohne trikotwerbung schon erfolgreich ;-)

    und: mir gehts um fussball, um "das spiel".dem ich mich natürlich nicht verweigere, wenn es anstatt von "bulle" schmidt oder "hackebeil" müller von robben und ribery gespielt wird.
    ultra diskussion ist erschöpfend. manchmal mach ich mit (wenns lustig ist) meistens will ich damit nix zu tun haben. wie gesagt ich geh zum fussball "wegen fussball" und nicht weil mir nach gemeinschaft ist. das kann ich gerne "nach" dem spielhaben, aber beim spiel bin ich doch lieber äh...fokussiert. (ich bin son arsch der mit verschränkten armen da steht und nur alle paar minuten ein erruptives "rausdiesauaufdiesockenwasfüreinarschlochschiribis tdublindherrgottnochmalwaseinscheissichgehhiernich tmehrhin...) loslässt ,-) )

  • User
  • 09.07.2010 16:50:26 Statistikfreund

    Heute 16:32:35 von gygax
    Klar, ich wollte nur sanft darauf hinweisen, dass auch in den 90ern (1.1.1990-31.12.1999) eine Top 3 Platzierung dabei war

    Ja, das stimmt. 1990 mit dem WM-Titel.

    Während Brasilien vom 01.01.1980-31.12.1989 (genau: vom 25. Juni 1978 - 12. Juli 1994) eine komplette Deakde (Die Zeit 1938-1950 wird aus nachvollziehbaren Gründen nicht gerechnet.) und die Italiener vom 01.01.1950-31.03.1969 (genau: bis 20. Juni 1970 und dann wieder vom 22.06.1970-07.07.1982, 18. Juli 1994 - 03.07.2006) sogar schon einmal mehr als eine Dekade, sowie zwei 10Jahreszeiträume, ohne top 3 Platzierung blieben.

    ARG, ENG, SPA haben in dieser Statistik nichts weiter verloren, zu unbedeutend waren sie über den Gesamtzeitraum der WM-Geschichte bzw. nur eine Marginalie im Bezug zu den Top 3 dieser Statsitik.

    Aber werter gygax, Du hast wie immer Recht: Ich hätte hier genauer sein müssen von Anfang an. Eine solche Ungenauigkeit, soll denn so schnell auch nicht wieder sein.

  • User
  • 09.07.2010 16:57:12 DonnieDollar

    @ gelsen: Sorry, wenn ich Dich persönlich angegriffen hab. Anscheinend habe ich nicht die rethorischen Fähigkeiten mich so auszudrücken wie AbteilungAttacke, der ziemlich genau das sagt, was ich meine. Soll doch jeder Fussball so erleben wie er will. Toleranz ist hier das Gebot der Stunde. Meinem Opa (alter RWE Anhänger) waren die ersten Schlachtenbummler, Kuttenträger und Ultras anfangs auch sehr suspekt. Er guckte Fussball immer von seinem Sitzplatz aus, im Mantel, ohne Insignien. Da passte erstmal alles nicht in seine Sichtweise. Aber er hat auch gesehen, dass sich die Wahrnehmung von Fussball und das Verhalten und Auftreten seiner Anhänger, genau wie das Spiel an sich, im Laufe der Zeit unaufhaltsam verändert. Dass nun bei den großen Turnieren teilweise Ballerman-Athmosphäre herrscht muss man nicht gut finden, aber man muss den Leuten, die das gerne machen auch nicht die ganze Zeit einen mit der "Mode-Fan"- Keule verpassen. Bei den PVs bei denen ich dieses Jahr war, waren übrigens zwar viele geschminkte und teilweise kostümierte , aber sie haben alle mit großem Interesse die Spiele gesehen und manche von denen ich es nicht gedacht hätte (klassische Jenny), glänzten sogar wirklich mit Sachverstand. Auschreitungen gab es nicht ein einziges mal und auch der Rettungswagen musste nur einmal losfahren. Nicht wegen Koma-Saufen.

    in diesem Sinne: Alles wird gut...oder so.

  • User
  • 09.07.2010 16:59:14 AbteilungAttacke

    @mister

    Ich weiß ja, wiede zur Ultra-Diskussion stehst, war meinste warum ich das Argument bringe, he he.

    Dat mit dem "wütend" würdei ch auch nicht unbedingt auf Leute wie dich beziehen - nur meine ich nachwievor, dass sich nicht wenige deiner Einwende von 16:16:08 auf viele Vereinsfans beziehen lassen könnte. Nicht allgemein, aber hübsch verteilt.

    Man frage einen harten Paulifan nach seiner Meinung zur Komerzialisierung seines Vereins.

    Und als Bayernfan kennste dich ja mit "Erfolgsfans" aus, schätze ich mal.

    Daher finde ich es schon seltsam, wenn Fans, nunmal in der Mehrheit Vereinsfans, "Defizite im Fansein" bei den "Modefans" exklusiv zuordnen wollen, obgleich die meisten dieser Defizite sich recht mühelos auch bei Vereinsfans (halt verteilt) finden liessen.
    Das fängt mit dem Trunkenheitsproblem an und hört bei dem Phänomen des Marketings auf.
    Der einzige Vorwurf, den man da gelten lassen könnte wäre, dass die Eventfans "the best of both worlds" des negativen Vereinswesens auf sich vereinen.

  • User
  • 09.07.2010 16:59:50 Octopus_Paul

    Wer will schon weinen?
    Ich will mal wieder Weltmeister sein, dazu brauchen wir Eier, Eier und nochmal Eier.
    Nicht wieder so einen Jogi Kaese und Spanien als die unschlagbare Mannschaft aufbauen und dann diese erstickenden, siegplanlosen 0-1 Spiele.
    Immer dieses vor der WM Geheule wir haben ja keine Chance, blah, blah, waren aber letztes Mal 3., EM-Finale, U-Meister etc ... und dann wenn man ent-eiert verliert die faktische Stagnation schoen labern.
    Schluss damit! Jogi weg! Gewinnen lernen anstatt mehr Heulorgien anzuzetteln!

  • User
  • 09.07.2010 17:05:01 AbteilungAttacke

    @ Paul

    Auch wenn ich dich nicht ganz für voll halten kann (Logik: ich kann tippen, hab also Ahnung... na dann müsste meine Patentante der FussballGOTT sein, die hatte nämliche von allen WM-Spielen genau ein Fehltipp.Und mit Fussball hat sie nicht so viel am Hut ), so kann ich nicht umhin, einige deiner Argumente ernst zu nehmen.

    Wenn man den Flick in der PK sieht (hatte nun Zeit das nachzuarbeiten), können einem schon Zweifel kommen. "Man kann zufrieden sein"... meine Fresse...

    Doch hoffe ich auf die Lernfähigkeit Löws, der das "Siegen lernen" den deutschen Spielern einimpfen wird.

  • User
  • 09.07.2010 17:11:42 misterkite

    abteilung:

    es ist angst. ich kann das irgendwie nachvollziehen. fussball ist ja schon seit langem ein massenphänomen, für das gerade deutschland auch von anderen europäischen ländern bewundert wird (jaja neue stadien für 2006 super stimmung und die sonne hat auch geschienen...)

    fussball ist aber auch, gerade durch den 54er, den 72er und vielleicht auch den 1990er mythos , ein heiligtum dass die "wahren" fans für sich behalten wollen. daher die angst, das nicht so sehr der verein, aber vielleicht das "fansein" das "alles geben für den FC WWASWEISSICH "(saufgelage, pogo in der straßenbahn und ggf. das auschwitzlied singen inklusive) das dies aufgeweicht wird. (hooligan"kultur" lasse ich mal aussen vor) da drängt jemand rein der sich nicht auskennt aber (auch weil er trikots, fahnen, programme etc kauft)genauso gut die rolle des "fans" zumindestest äußerlich ausfüllt.
    mein gott, stell dir vor die arenen wären samstags mit leuten gefüllt die mit soviel hingabe ausstaffiert sind wie auf den fanmeilen (sähe schon geil aus....oder?)
    aber das ist eben nur optisch. und das herz, tja das herz...das herz blutet dem altfan ("ich weiss noch 87...habbich meine kauleiste eingebüsst, nur für den fc..." "wieso haste dich gekloppt?"
    "neee...besoffen vorm pissoir ausgerutscht...aber die 32 bier, die habbich dem fc geschenkt nur so konnte matze quirlie verpflichtet werden, das warn die 70 tacken die gefehlt haam...")

    und dem "newbie" hmmm..wie ich schon schrieb "wenn es um sieg oder niederlage geht empfindet man doch gleich oder" aber vielleicht stellt der altfan die bilder ausm stadion nicht auf seine facebookseite (damit das anderen gefällt...).

  • User
  • 09.07.2010 17:28:49 Kaiser Heinrich

    Meiner Meinung nach, sollte man die Begriffe "Vereinsfans" und Modefans" durch "Fußballinteressierte" und "Eventinteressierte" ersetzen.

    Klar ist man als Fußballinteressierter ein wenig genervt, wenn sich auf einmal Menschen, die ihn für sein wöchentliches Mitfiebern auslachten, plötzlich zu ihm gesellen und mitreden wollen. Andererseits kann es ihm aber auch egal sein: Entweder beachtet er sie nicht oder glänzt durch sein kompaktes Fußballwissen und seine zahlreichen Anekdoten.

    Als Eventinteressierter ist man sicherlich begeistert von der fetten Fete, die vonstatten geht. Wenn nebenbei noch Fußball läuft, yeah! dann redet man halt ein bisschen mit und wenns vorbei ist redet man die nächtesn 2 bzw. 4 Jahre nicht mehr darüber.

    Dass Leute sich ins Koma saufen, kommt bei beiden Gruppen vor: Es liegt aber nicht daran, dass man fußballinteressiert oder eventinteressiert ist, sondern einfach, ob man ein Prolet ist oder nicht :)

    Schmähgesänge über einen einen anderen Klub zu gröhlen, finde ich persönlich nicht sonderlich schlimm, solange es sich im Rahmen handelt.
    Schlimm ist es aber, dass einige meinen bei den Nationalhymnen pfeiffen zu müssen und Klischees aus der untersten Schublade zu kramen. Voll 30'er irgendwie...

  • User
  • 09.07.2010 17:31:34 Octopus_Paul

    Weinen will gelernt seinkursiv formatierter Text

    kurz und buendig - OK, solange es in Zukunft Glueckstraenen nach Finalsieg sind!

    sollten sich meine (Krakenorakelmaessigen) Prophezeiungen bewahrheiten - waere JOGI der einzige Trainer der es 2008 geschafft hat trotz meinem Segen doch noch abzuloosen. Ein seltenes Kunststueck und starkes weiteres Argument gegen Ihn.

    @Attacke: da sollteste aber lieber mal in Zukunft deinen Fussballverstand ueberpruefen und auf deine Tante hoeren! Respekt!

  • User
  • 09.07.2010 20:07:34 Muggenhorst

    Als ich den Artikeltitel in meinem Feedreader auftauchen sah, nahm ich zuerst an, dass es um die allgemeine Gefühlslage nach dem Ausscheiden gehen würde. Nun weit gefehlt, ich möchte dazu aber trotzdem kurz etwas sagen, bevor ich zum eigentlichen Thema komme.

    Ich muss ehrlich gestehen, dass mich die Halbfinal-Niederlage vor 4 Jahren deutlich härter getroffen hat als die von vorgestern. Wahrscheinlich weil das damals ein Duell auf Augenhöhe und das Grosso-Tor vom Zeitpunkt her wirklich ein absoluter Stich ins Herz war. Daran hab ich wirklich lange knabbern müssen und ich hab es erst über ein Jahr später fertig gebracht, mir die Partie noch einmal auf DVD anzuschauen.

    Und nun: ich oute mich hier mal fröhlich-frei als jemand, dem Clubfußball weitestgehend egal ist und der so richtig nur mit dem Nationalteam mitfiebern und -leiden kann. Ich verfolg zwar mal per Sportschau oder Internet die erste und zweite Liga, ohne jedoch einem Verein sonderlich nahe zu stehen, mit vielleicht der kleinen Ausnahme, dass seit dem legendären Schneegestöber-Pokalspiel gegen den KSC und der Aufstiegsschlacht gegen Hannover in den späten 90ern Energie Cottbus meine Sympathien besitzt, dabei sind die nicht mal aus meinem Bundesland.

    Da das nicht immer so war, hab ich mir natürlich schon mehr als einmal Gedanken über die Gründe gemacht. Ich glaube, dass das mit allgemeinen Veränderungen der letzten 20 Jahre zu tun hat. Ich bin als Enddreißiger ein Kind der DDR. Dort waren Vereinswechsel (von von oben angeordneten "Delegierungen" abgesehen) von Spielern eher unüblich. Das bedeutete, dass die favorisierte Mannschaft über Jahre wenig verändert wurde und man sich somit gut mit der Truppe identifizieren konnte. Und da heute nach etwa 3 Jahren ein Kader praktisch einmal durchgewechselt hat (ich pauschalisiere jetzt mal), geht mir diese Identifikation völlig ab. Ein Verein ist für mich nun einmal hauptsächlich eine Gruppe von Sportlern, nicht ein Vereinswappen mit zugehöriger Spielstätte.

    In diesen alten Zeiten war durch die räumliche Nähe zu meinem Wohnort Dynamo Dresden "mein Verein", bei denen kam die allseits bekannte Fan-Entwicklung erschwerend zu bereits Beschriebenen hinzu.

    Und während man vorher bei jedem Übertragung eines EC-Spiels mitfieberte, ging dieses Interesse etwa zeitgleich mit der Einführung der Champions League plus deren weitestgehenden Abwanderung ins Pay TV verloren.

    Die Nationalmannschaft ist hingegen nie aus meinem Aufmerksamkeitsspektrum verschwunden, die "Eventisierung" stört mich nicht übermäßig, Auswüchse gibt es überall. Bei einem Public Viewing bin ich einmal gewesen, das war ausgerechnet das verkackte EM-Spiel gegen Kroatien, ich bin also geheilt. Mit Grill, Beamer und Bier zum Einkaufspreis auf der Wiese vorm Haus macht alles viel mehr Spaß.

    Ich lass das alles nach der Devise "leben und leben lassen" laufen. Wer es fanatischer mag - bitte sehr. Aufrechnen bringt meiner Meinung nach nichts, denn die Vollpfostenverbreitung ist nicht an die Art der Mannschaft gebunden. Peinliche Kreisch-Nationalmannschafts-Fankiddies hab ich genau so schon gesichtet wie volltrunkene BVB-Fans am Samstagmorgen, 9 Uhr auf dem Weg per Zug nach Hannover.

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. ;)

  • User
  • 09.07.2010 20:39:21 Djonzo

    Wie so oft in dieser Debatte wird über die Ursachen der N-11-Hysterie zu wenig geredet.

    Angeheizt wurde die zum ersten Mal so richtig dolle (nein, nicht zur WMimeigenenlande) 1998. Und zwar vom immer ekligen Verbund aus Werbefuzzisbanden und den abhängigen Medien. Damals fehlte aber das Internet nocht weitgehend, sodass der Mund-zu-Mund-Effekt (Meine Güte, mir wird schlecht, wenn ich an Mund zu Mund mit Atzensäufern denke...) und der damit verbundene Authentizitätsersatz nicht recht funktionierte.
    Das war dann bei der hysterischsten aller WMs ganz anders. Die dreimal verfluchten Werbeärsche hatten die "Emotion" (nur echt in Gänsefüsschen...) entdeckt. Also die Hoffnung, dass dem Otto Normalkonsument im Rausch der Fußball- und/oder Nationalemotion die Kaufhemmung abgeht. Plötzlich zeigte irgendeiner dieser unfähigen Telefonkonzerne in seiner Reklame debil grinsende Spießerväter, die ihre sechseinhalbjährigen Söhne in vollem DFB-Fan-Ornat zwangsweise zum Jubeln über den Kopf halten. Dies in der Hoffnung, wirklich echte Spießerväter mit einem Hauch Fuppesaffinität würden einen neune Knebelvertrag lieber bei diesem Telekombesch.eißer abschließen als bei einem ohne Fußball-"Emotion".
    Das hatten die völlig bescheuerten TV-Mode- und Kommendadoren über die Jahren mit der Frage vorbereitet: Was geht jetzt in Ihnen (Variante Waldi: "in dir") vor? Schmierölpsychologie als Gefühlssurrogat.

    Das alles ist ja dasselbe, was die lobotomierten Privatradiokrakeler dauernd aus sich herausgöbeln: Superwetter! Spaaaß! Party ohne Ende!!! Weil der Werbekunde das will. Denn die ewige Testosteronbombe, die permanten im körperlichen Zustand eines 16-jährigen mit dem Verstand eines 9-jährigen verharrt, ist eine prima Käuferschicht, denen man jede Form von Alkohol verticken kann, auf dass sie sich das Resthirn auch noch wegballern. Und die Weibchen hoffen derweil auf Liebe - und wenn die nicht kommt - wenigstens Sex. Und ist dazu bereit, sich auch im Nutten-Outfit auf Fanmeilen herumzudrücken.

    Liebe Leute: Das ALLES hat überhaupt nix mit Fan-Sein zu tun. Nichts, nada, niente. Da geht's bloß um Massenverblödung zum Zwecke des Herstellens von Konsumbereitschaft.
    Natürlich kann man im gleichen Maße Fan der Nati sein wie Fan eines Vereins. Man muss bloß mindestens den Fußball lieben. Mindestens.

  • User
  • 09.07.2010 21:31:35 sma

    Das ist der schlechteste Artikel vom Herrn Gieselmann, den ich bisher gelesen habe.

    Was ist das denn für eine blöde Art zwischen 1A und 1B-Fans zu unterscheiden?
    Versteh ich nicht.

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