Die Geschichte der Fußballfans

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02.07.2010

Heiner Brand über Löws Outfit und Partyfans

»Ich bleibe etwas auf Distanz«

Interview: Tim Jürgens  Bild: Imago

Handball-Bundestrainer Heiner Brand erlebt die Fußball-WM als allabendlicher Talk-Gast im »International Football Village« in Johannesburg. Ein Gespräch über Jogi Löws akkurate Garderobe und seinen Blick auf die WM.

Heiner Brand über Löws Outfit und Partyfans - »Ich bleibe etwas auf Distanz«


Heiner Brandt, wie kommen Sie als Handballer zurecht in einer Runde aus Fußball-Experten wie Hans Meyer, Uwe Reinders und Mirko Slomka?

Ich laufe hier unter Sportexperte und verlege mich bei meinen Ausführung verstärkt auf Themen wie Teamführung und Coaching.



Haben Sie selbst mal Fußball gespielt?

Durfte ich ja nicht, ich war ja Handballer, aber ich denke, ich war zumindest im Training ein ganz guter Kicker. Nach meiner Karriere habe ich noch 15 Jahre bei einem Freizeitteam vom Westdeutschen Rundfunk gespielt.

Das Outfit von Joachim Löw ist bei der WM immer wieder Thema. Wird es nicht Zeit, dass auch der Handball-Nationalcoach im Anzug an der Linie steht?

Nö, dazu würde mein Verdienst nicht ausreichen.

Für einen schwarzen Einreiher wird’s doch noch langen.

Einen? Wissen Sie, meine Spieler benutzen alle diesen Kleber für die Hände. Da klebt die Ersatzbank und praktisch alles in meiner Coaching Zone. Der Kleber ist so penetrant, dass er nur einmal an das Sakko kommen muss, und ich kann den Anzug wegschmeißen. Da müsste der Deutsche Handball-Bund mein Gehalt zumindest verdoppeln.

Gefällt Ihnen Löws Garderobe?

Wenn es zur Außendarstellung des DFB gehört, dass ein Trainer so auftritt, finde ich es gut, aber beim Handball wäre das unpassend. Okay, ich könnte schon mal eine Jeans oder ein Hemd anziehen, aber am Ende versau ich mir die Klamotten bloß.

Jogi Löw sagt, wenn er die Haustür morgens hinter sich zumacht, muss er über jedes seiner Worte nachdenken, schließlich ist er der Bundestrainer. Wie sehr tragen Sie einen Maulkorb?


Mit dem Fußball ist meine Wahrnehmung nicht vergleichbar. Aber natürlich weiß auch ich, dass ich mich nicht mehr in einer Kölner Kneipe aufführen kann, als würde es kein Mensch mitbekommen, und ein Kölsch nach dem anderen kippen. Mein Bekanntheitsgrad hat nochmal extrem zugenommen, seit RTL die Handball-WM übertragen hat, seither werde ich noch viel öfter auf der Straße angesprochen.

Wobei Sie durch das Abrasieren Ihres Schnurbarts jederzeit in die Anonymität abtauchen könnten.

Bei aller Liebe, dem Spott setze ich mich nicht mehr aus. 2004 nach der gewonnenen Europameisterschaft haben mir die Spieler den Bart abrasiert – da war ich regelrecht genervt, weil ich dauernd auf mein Aussehen angesprochen wurde.

Hier im »International Football Village« herrscht allabendlich Hully-Gully bei den Spielen. Wie gefällt es Ihnen?

Für mich ist das hier Urlaub. Ich gebe zu, wenn ich hier nach den Spielen über den Hotelhof gehe und die schreienden, mitunter leicht angetrunkenen Fans erlebe, bleibe ich ein bisschen auf Distanz. Ich freue mich eher am Zustandekommen eines Tores, als an der ausgelassenen Freude der Zuschauer hinterher. Da bin ich mehr der Sport- als der Partyfan. Innerhalb der Reisegruppe mit den anderen Experten fühle ich mich aber sehr wohl, wir haben viel Spaß.

Wie lange bleiben Sie hier?

Ich bin zum Deutschland-Spiel gegen Ghana angereist und bleibe bis zum Viertelfinale, weil wir mit der Handballnationalmannschaft eine Woche später nach Chicago fliegen. Wir hatten vorher noch zwei Qualifikationsspiele gegen Griechenland. Von dort aus bin ich kurz nach Hause und habe umgepackt.

Was sagt denn Ihre Frau dazu?

Zugegeben, hunderprozentige Zustimmung für diese Reise hatte ich nicht. Aber ich war vor 14 Jahren mal hier im Winter in Kapstadt – und es war wunderschön. Deswegen war es mir wichtig als Sportler und als Fan hierher zu kommen.

Obwohl gerade in Deutschland die Berichterstattung über Südafrika im Vorfeld nicht gerade positiv war.


Davon hat sich auch meine Frau ein bisschen anstecken lassen. Sie hat mich immer wieder auf Artikel hingewiesen, wenn darüber berichtet wurde, dass jemand überfallen worden war. Natürlich gibt es hier Ecken, die nicht ganz ungefährlich sind, die gibt es aber in jeder deutschen Großstadt auch. Aber dass in der Berichterstattung ein ganzes Land zum Sicherheitsrisiko gemacht wurde, fand ich fragwürdig.

Sie sitzen jeden Abend mit Experten zusammen. Wie beurteilen Sie die sportliche Qualität dieser WM?

Anfänglich war ich ein bisschen enttäuscht, aber je weiter es in die K.O.-Runde geht, desto besser werden die Spiele. Spanien gegen Chile, Ghana gegen die USA oder auch unser Sieg gegen England – das waren schon Ereignisse.

Und was haben Sie als Fußballfan dazu gelernt?

Dass die Südamerikaner inzwischen wissen, wie man aus einer kompakten Abwehr heraus spielt und dass auch kleinere Nationen wie Chile, Uruguay oder auch Paraguay Fußball inzwischen viel mehr als Laufspiel begreifen – auch ohne Ball. Andererseits muss man sagen, dass die afrikanischen Mannschaften fast alle den Anschluss verloren haben. Insgesamt fehlt diesen Nationen doch die Dominanz, die ihnen in den vergangenen Jahren zugeprochen wurde.






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Kommentare

  • User
  • 03.07.2010 09:26:45 Andreas Blenke

    »Heiner Brandt, wie kommen Sie als Handballer zurecht in einer Runde aus Fußball-Experten wie Hans Meyer, Uwe Reinders und Mirko Slomka?«

    Wo kann man das sehen?

    Ach ja: Handball finde ich nicht sehr interessant, aber Heiner Brandt ist außerordentlich sympathisch.

  • User
  • 03.07.2010 11:28:48 OE

    Handball ist tausendmal interessanter als Fußball. Es fallen mehr Tore, das Spiel ist schneller und es gibt keine schwachsinnige Abseitsregel, für die wiederum eine blödsinnige Technik zur Überprüfung dersselben eingeführt werden muss. Außerdem gibt es keine Wembleytore. Es lebe der rechteckige Querbalken! Tod der Technik! Handball olé, Fußball oweh!

  • User
  • 03.07.2010 13:32:49 m T

    OE falsches forum?
    für fußball braucht man vorallem eins... Können. und nicht nur bloße aggresivität und brutalität.
    schönen tag

  • User
  • 05.07.2010 08:54:50 gelsenkirchen

    ganz schön unwissend zu behaupten handball würde alleinig mittels "bloßer aggresivität und brutalität" geführt.

    diese ständigen handball-fußball-schwanzvergleiche sind so über...

  • User
  • 05.07.2010 10:28:06 noorange

    "Handball ist tausendmal interessanter als Fußball."

    Die Zuschauerzahlen geben das aber nicht wirklich her.
    Ein Marketingproblem?

  • User
  • 05.07.2010 11:19:52 Wirsching

    Schokolade is besser als Vanille!!!
    Oder doch net?

  • User
  • 05.07.2010 11:33:39 gelsenkirchen

    ich möchte mich ja nicht als musterbeispiel präsentieren, aber mich mal als beweis darstellen dass man beide sportarten problemlos miteinander verbinden kann. sowohl aktiv als auch als interessierter passiver.
    ich bin sicher es gibt leute die finden cricket oder shufflepuck "tausendmal interessanter" als fussball oder handball...

  • User
  • 05.07.2010 11:38:01 Andreas Blenke

    Hoffentlich habe nicht ich diese Diskussion asugelöst. Ich find's prima, wenn jemand Handball gut oder auch sogar besser findet als Fußball. Nur bei mir ist es halt eben so, daß der Fußball mein Interesse eher fesselt (um mal zart zu untertreiben).

    Ich persönlich halte auch die vielen Tore eher für einen Nachteil (ein Tor hat dadurch viel weniger Bedeutung), noch dazu ist ein Tor im Handball viel leichter herauszuspielen (deshalb gibt's ja auch so viele). Beides trägt nicht dazu bei, Tore mit überzogener Bedeutung und glorreichem Erinnerungswert aufzuladen, wie ich es gerne tue.

    (Merkwürdigerweise mag ich Basketball, aber wahrscheinlich nur weil ich's mal gespielt habe. Handball habe ich in der Schule schon nicht so gemocht — man wurde ja auch nicht gerne auf dem Pausenhof verprügelt.)

    Inakzeptabel finde ich hingegen, daß man eine andere Sportart runtermachen muß, damit die eigene, bevorzugte besser dasteht (wie in diesem ermüdenden Streit Fußball gegen amerikanischen Fußball).

    Ein solches Verhalten weist auf bedenkliche soziale Defizite hin. Damit paßt der Kollege OE aber letztlich auch sehr gut in das Bild, das einige Fans und die Vereinsführung der Nürnberger abgeben.

    Heiner Brand dagegen ist, wie schon erwähnt, außerordentlich sympathisch.

  • User
  • 06.07.2010 11:38:04 OE

    OE falsches forum?

    Möglicherweise, aber wo kann ich sonst schon Fußballfans provozieren, die hemmungslos delirieren.

    Die Zuschauerzahlen geben das aber nicht wirklich her.
    Ein Marketingproblem?


    Naja, Jazz ist auch tausendmal besser als Pop! Und Weimarer Republik als Drittes Reich...

    Schokolade is besser als Vanille!!! Oder doch net?

    Definitiv Schokolade!

    Hoffentlich habe nicht ich diese Diskussion asugelöst.

    Nein.

    Ich persönlich halte auch die vielen Tore eher für einen Nachteil (ein Tor hat dadurch viel weniger Bedeutung)

    Ich behaupte, dass man sich an besondere Tore beim Handball mindestens genauso erinnert, wenn man Ahnung hat. Tatsächlich ist es wohl einfacher im Handball ein Tor zu erzielen, was aber alles andere als ein Nachteil ist, weil es keine langen Zwischenphasen gibt in denen einfach nix passiert.

    man wurde ja auch nicht gerne auf dem Pausenhof verprügelt.

    Wahrscheinlich lag es auch an deiner mangelnden Durchsetzungsfähigkeit, dass du kein Profi geworden bist. Talent kann ich ja nicht beurteilen...

    Inakzeptabel finde ich hingegen, daß man eine andere Sportart runtermachen muß, damit die eigene, bevorzugte besser dasteht

    Inakzeptabel finde ich Menschen, die ihre eigenen Postings für der Weisheit letzten Schluss halten oder sich einfach gerne selbst lesen. Die eine Polemik nicht als solche begreifen und sich deshalb auf persönliche Angriffe verlagern müssen. Und die sich zuletzt anmaßen von einer Einzelmeinung auf eine Gruppe von Leuten schließen, deren Bild sie aus der Bild hat.

  • User
  • 06.07.2010 11:53:38 noorange

    "Inakzeptabel finde ich Menschen, die ihre eigenen Postings für der Weisheit letzten Schluss halten"

    Du bist ja knuffig.

  • User
  • 06.07.2010 12:11:32 King Lui

    Inakzeptabel finde ich Menschen, die ihre eigenen Postings für der Weisheit letzten Schluss halten oder sich einfach gerne selbst lesen. Die eine Polemik nicht als solche begreifen und sich deshalb auf persönliche Angriffe verlagern müssen


    Dann lies deine eigenen Posts besser nochmal durch!!

  • User
  • 06.07.2010 12:16:36 OE

    Dann lies deine eigenen Posts besser nochmal durch!!

    Mach ich grundsätzlich, weil ich keine Rechtschreibfehler mag und mich gerne selbst lese.

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