Deutschland verliert gegen Serbien
Viele Karten, wenig Glück
Text: Sven Goldmann Bild: Imago
Gelb-Rot für Klose und ein verschossener Elfmeter von Lukas Podolski: Im zweiten Spiel der Fußball-WM verliert Deutschland mit viel Pech 0:1 gegen Serbien. Nun muss das deutsche Team gegen Ghana gewinnen.
Am Sonntag waren die Deutschen nach dem 4:0 über Australien schon gefühlter Weltmeister, fünf Tage später nun müssen sie in Südafrika auf einmal das Ausscheiden nach der Vorrunde fürchten. In einem kuriosen Spiel gab es eine 0:1 (0:1)-Niederlage gegen Serbien. 38.300 Zuschauer im Nelson-Mandela-Bay-Stadion von Port Elizabeth sahen, was man bei einer WM so oft nicht zu sehen bekommt.
Als da wären: eine Gelb-Rote-Karte gegen Miroslav Klose nach zwei Vergehen, für die der Fußball-Jargon den Begriff »Allerweltsfoul« kreiert hat. Eine deutsche Mannschaft, die in Unterzahl permanent das gegnerische Tor berannte. Und einen von Lukas Podolski bemerkenswert lässig verschossenen Elfmeter. Am Mittwoch könnte es in Johannesburg gegen Ghana um alles oder nichts gehen. Eine Niederlage darf sich die deutsche Mannschaft im letzten Vorrundenspiel auf keinen Fall erlauben.
Pedantisch, überempfindlich: Alberto Undiano
Miroslav Klose wird auf keinen Fall dabei sein, denn sein Platzverweis, so umstritten er auch sein mag, hat auf jeden Fall eine automatische Sperre zur Folge. Nun kann man den spanischen Schiedsrichter Alberto Undiano pedantisch nennen und überempfindlich, aber dass er genau diesem Stil pflegt, sollte der deutschen Mannschaft schon vorher bekannt gewesen sein, und wenn nicht, dann muss sie es während des Spiels gemerkt haben. In der ersten halben Stunde verteilte Señor Undiano fünf Gelbe Karten, keiner einzigen lag ein schweres Foul oder eine grobe Unsportlichkeit zu Grunde. Die Spieler waren also sensibilisiert.
Warum Klose dann doch im Niemandsland an der Mittellinie so burschikos und ungeschickt nachsetzte, dass er Dejan Stankovic auf den Fuß trat und zu Fall brachte, das wird er seinen Kollegen und dem Bundestrainer noch genauer zu erklären haben. Auch dieses Foul zieht nur bei besonders strengen Schiedsrichtern eine Gelbe Karte nach sich, aber weil Undiano nun mal ein besonders strenger Schiedsrichter ist, wich er auch in dieser 37. Minute nicht von seinem Bewertungsmaßstab ab - und für Klose war das Spiel beendet.
Die Deutschen rangen noch um Orientierung bei der Umstellung ihres Systems von elf auf zehn Feldspieler, da nahm das Unheil seinen Lauf, und wieder einmal fand es seinen Ursprung auf der linken Abwehrseite. Milos Krasic lief zum wiederholten Mal dem Münchner Holger Badstuber davon und flankte von der Grundlinie in hohem Bogen vor das Tor. Philipp Lahm war wohl von der Sonne geblendet, Per Mertesacker sprang zu spät und nicht so hoch wie der baumlange Nikola Zigic, dessen Kopfballablage vor den Füßen von Milan Jovanovic landete. Der Mittelfeldmann von Standard Lüttich erfreute sich an einem allzu großen Loch zwischen Arne Friedrich und Sami Khedira, stoppte den Ball kurz mit der Brust und bugsierte ihn dann artistisch am hilflosen Torhüter Manuel Neuer vorbei zum 1:0. Weil der Torschütze sein Erfolgserlebnis im Kreis der mitgereisten Fans feiern wollte, sprang er auf dem Weg zu ihnen über einen Wassergraben. Für einen Augenblick verließ er damit den Innenraum des Stadions, was theoretisch ebenfalls eine Gelbe Karte hätte nach sich ziehen müssen, aber so kleinlich wollte nicht mal Alberto Undiano sein.
Khediras Gewaltschuss geht an die Latte
Jetzt hatten die Serben, was sie wollten: eine Führung, die ihnen ein noch defensiver geprägtes Spiel ermöglichte, dazu noch gegen eine dezimierte Mannschaft, die das Risiko suchen musste. In diesem Sinne versuchten die Deutschen, das Tempo zu erhöhen, und das hätte kurz vor der Pause sogar beinahe zum Ausgleich geführt. Doch Khediras Gewaltschuss prallte von der Latte zurück, bei Thomas Müllers anschließendem Fallrückzieher klärte Aleksandar Kolarov kurz vor der Linie, außerdem hatte er Schiedsrichter ein gefährliches Spiel des Münchners gesehen.
Auch in der zweiten Hälfte hatten die zehn Deutschen mehr vom Spiel. Sie machten das gar nicht so schlecht gegen eine nur auf Verhinderung ausgerichtete serbische Mannschaft. Und sie hatten Torchancen: Bastian Schweinsteiger legte sich nach Lahms öffnendem Pass den Ball zu weit vor und schoss kurz darauf von der Strafraumgrenze zu unplatziert. Dann war Podolski dran: Erst setzte er den Ball aus Spitzem Winkel neben die rechte Ecke, danach drosch er auf Zuspiel von Mesut Özil ans linke Außennetz.
Als Serbiens Abwehrchef Nemanja Vidic nach einer Stunde bei einer an sich harmlosen Flanke genauso unnötig im Strafraum mit der Hand zum Ball ging, wie es sein Kollegen Zdravko Kuzmanovic im ersten Spiel gegen Ghana getan hatte, durfte Podolski zur Exekution vom Elfmeterpunkt schreiten. Er tat das mit so wenig Raffinesse und Kraft, dass Vladimir Stojkovic mühelos parieren konnte. Es war übrigens der erste verschossene Elfmeter einer deutschen Mannschaft seit 1982 – damals hatte Uli Stielike gegen Frankreich versagt.
Joachim Löw ließ nichts unversucht und schickte zur finalen Offensive Cacau und Marko Marin, später auch noch Mario Gomez auf den Platz. Entsprechend eng wurde es in der Platzhälfte der Serben, die überhaupt nicht daran dachten, öfter als nötig die Mittellinie überqueren. Wenn sie sich dann doch mal nach vorne wagten, wurde es fast immer gefährlich. Die größte Chance bot sich ihnen, als Krasic mal wieder Badstuber austrickste und Jovanovic bediente. Der schoss sofort, Neuer war schon geschlagen, aber der Ball prallte vom Pfosten zurück.





