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14.06.2010

Mesut Özil und die neue Freiheit

Es lebe der König!

Text: Alex Raack  Bild: Imago

Dass Michael Ballack bei der WM nicht für Deutschland spielen kann, galt wochenlang als Beinahe-Katastrophe. Nach dem 4:0-Auftaktsieg gegen Australien ist der Verlust fast vergessen. Schuld daran ist Mesut Özil.

Mesut Özil und die neue Freiheit - Es lebe der König!


Michael Ballack war gestern gegen Australien nicht auf dem Platz. Das ist schade. Aber nach der überragenden Darbietung seiner Kollegen muss man sagen: Er wurde nicht wirklich vermisst. Der Bremer Spielgestalter Mesut Özil profitiert von der Lücke, die Ballacks Verletzung im deutschen Spiel aufgerissen hat. Für Özil ist das die neue Freiheit. Für das deutsche Spiel eine ganz neue Qualität.



Zum Beispiel Tor 1. Im Mittelfeld bekommt Özil den Ball, eine Körpertäuschung, ein schneller Haken und der Pass in Tiefe zu Thomas Müller. Der legt auf Podolski ab. 1:0 für Deutschland.

Ballack ist Power und Dynamik. Mesut Özil ist ungeahnte Kreativität.

So schnell, so präzise, wie Özil das Tor einleitete, wird es Michael Ballack im Leben nicht hinbekommen. Muss er auch gar nicht, er ist dafür nicht geschaffen. Ballack ist 1,89 Meter große Power und Dynamik, Mesut Özil ist ungeahnte Kreativität. Kein Wunder, dass Bela Rethy die Nummer 8 gestern Abend mit den Weltmeistern Pierre Littbarski und Thomas Hässler verglich – solche Möglichkeiten des schönen Spiels hat Deutschland seit den frühen neunziger Jahren nicht mehr gehabt.

Zum Beispiel die verpasste Chance von Miroslav Klose in der 25. Minute. Im Mittelfeld bekommt Özil den Ball, eine Körpertäuschung, und der Pass in die Tiefe mit dem schwächeren rechten Fuß auf Podolski. Der legt ab auf Klose. Es bleibt beim 1:0.

Özil benötigt nicht viel Raum für seine Ideen, jedenfalls nicht, wenn es der Gegenspieler ist, der ihm den Platz versperrt. Mit dem omnipräsenten Michael Ballack im Rücken (oder an der Seite) würde dem Linksfuß allerdings die Freiheit der offensiven Spielgestaltung fehlen. Bastian Schweinsteiger ist als defensiver Hintermann sensibler im Umgang mit Künstlern, als Ballack. Mit den ultra-offensiven Arjen Robben und Franck Ribery vor der Nase, hat Schweinsteiger eine ganze Saison lang Zeit gehabt, sich auf solche Situationen einzustellen.

In Bremen versteckte er sich im Wirrwarr von 20 Feldspielern

Zugegeben, Özil hatte gegen Australien einen großartigen Tag. Jeder Pass ein Stich ins australische Herz, jedes Dribbling von Erfolg gekrönt, die Mitspieler in fantastischer Verfassung – einen so erfolgversprechenden Trancezustand wünscht sich jeder halbwegs fähige Spielmacher. Es werden andere Gegner kommen und mit ihnen andere Spiele. Wie druckresistent Özil wirklich ist, muss er erst beweisen. Als nach zunächst überragenden Leistungen im Herbst 2009 die Formkurve des Bremers absackte, sich die harschen Kritiken häuften, war Mesut Özil plötzlich nicht mehr zu sehen. Der Feingeist versteckte sich im Wirrwarr von 20 Feldspielern und überstand so unbeschadet die Saison.

Bei einer Weltmeisterschaft fehlt dafür die Zeit. Maximal sechs Spiele hat die deutsche Elf noch vor sich, in jeder Partie braucht sie ihren Spielgestalter mit der neuen Freiheit und der tollen Form. Wie viel Freiheit Özil in den kommenden Spielen bekommen wird, ist allerdings eine andere Frage. Die Welt kennt inzwischen den neuen deutschen König.






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Kommentare

  • User
  • 14.06.2010 23:35:07 Orang_Utan_Klaus

    Das Tolle an Özil ist, dass er noch viel besser werden kann. Vor allem, wenn er noch kaltschnäuziger vorm Tor wird.

    Ich fürchte leider, dass er in spätestens einem Jahr nicht mehr bei Werder spielen wird...

  • User
  • 14.06.2010 23:38:46 ColePorter

    Warts mal ab. Die Connor hat den Diego auch ins Formtief gevögelt.

    Liegt in der Familie.

  • User
  • 15.06.2010 00:00:48 teegea

    Das Tolle im Allgemeinen ist, dass der Großteil der deutschen Mannschaft noch besser werden kann. Vor allem, wenn sie noch kaltschnäuziger werden.

    Kann man eigentlich nur hoffen, dass Sarah nich noch mehr Schwestern hat^^

  • User
  • 15.06.2010 00:05:34 ColePorter

    Für die EM 2012? ;)

  • User
  • 15.06.2010 00:19:16 teegea

    hmm, es tut mir ja leid für die anderen - aber deutschland wird auf jahre hin unbesiegbar sein...

    also ohne den connor-clan...

    und mit: prooost :D

  • User
  • 15.06.2010 11:41:59 Andreas Blenke

    »Ich fürchte leider, dass er in spätestens einem Jahr nicht mehr bei Werder spielen wird...«

    Bis dahin habt Ihr ja einen gereiften Marin und ein bisher noch nicht genanntes weiteres Talent, dem Ihr den letzten Schliff geben könnt.

    Aufmunternde Grüße von der nächsttieferen Stufe der Nahrungskette. ;-)

  • User
  • 15.06.2010 12:40:45 Beschorner

    Für Marin steht dann allerdings auch schon Lulu, die kleine Schwester von Annemarie und Sarah Gewehr bei Fuß...armes Bremen

  • User
  • 15.06.2010 13:15:33 noorange

    Lulu? Was für ein Name.

  • User
  • 15.06.2010 14:16:11 GTEvo

    UliHoeness lässt schonn Dönerfleisch bei HoWe verwursten!

    Özil wechselt zum FCBayern!

    Isch schwör
    Holger

  • User
  • 16.06.2010 09:51:45 atokruse

    Özil nur so super, weil Ballack endlich weg ist? Seh ich anders! Ballack hat schon lange nur noch einen recht klassischen 6er gespielt, wenn auch etwas offensiver als Schweinsteiger. Genau das hat Khedira nun aber auch gemacht.
    Ob Ballack nicht doch wirklich fehlt, wird sich in anderen Spielen zeigen. Elfmeter in 88. gegen Argentinien z.B. Für das Klima in der Mannschaft wird sein Fehlen allerdings mitnichten schaden, wenn man sich an seinen und Frings' Führungsstil 2006 erinnert. Jetzt der liebe Phillip mit den flachen Hierarchien. Könnte besser sein. Muss nicht.

  • User
  • 16.06.2010 10:01:06 noorange

    "flachen Hierarchien"

    Über diesen Ausdruck kann ich mich immer beömmeln. Wenn es in Zukunft mal schwierig werden sollte, dann schreit man in guter Traditon wieder nach einem Führer ... tschuldigung, da ist meine innere Autobahn mit mir durchgegangen ... nach einem richtigen Anführer!

  • User
  • 16.06.2010 12:01:10 einrudithömmes

    Nö.

    Das mit den flachen Hierarchien bedeutet ja nicht, dass man keine Hierarchie hat (braucht), im Gegenteil, die Mehrzahl der Leute kommen ganz gut mit kompetenten Vorgesetzten (mal was anderes) zurecht.

    "Flache Hierarchien" bezeichnen in der Organisationsentwicklung einen Zustand kleiner Leitungsspannen in (großen) Unternehmen. Ein Beispiel: Team in Inselfertigung, Meister, Werksleiter, Chef. Das Gegenteil wäre dann Team, Teamleiter, Meister, Abteilungsleiter, Aerbeitsvorbereitung, Werksleiter, Werkdirektor, Vorstand, Aufsichtsrat. Den Phillip darin zu suchen überlass ich dir.

  • User
  • 16.06.2010 12:10:38 Andreas Blenke

    Hrrrgtnchmal — mußte das jetzt fünf mal lesen, bis ich endlich »Leitungs-Spannen« nicht als »Leitungs-Pannen« gelesen hab. Sagt aber auch was über die Vorgesetzten meines langen Arbeitslebens aus.

  • User
  • 16.06.2010 12:26:38 noorange

    @rudi

    Gefordert wird es trotzdem werden, wie z.B. 2002. Ich habs jetzt noch in den Ohren, als alle forderten, M. Ballack müsse den "Leader" geben, da hat noch keiner was von "flachen Hierachien" geahnt.

  • User
  • 16.06.2010 12:29:51 noorange

    Nachtrag: das mit den flachen Hierachien hatten wir 96 schon mal, da hieß das "Der Star ist die Mannschaft".

  • User
  • 16.06.2010 12:30:38 einrudithömmes

    Ich hab meine Diplomarbeit darüber 2000 geschrieben. Und bin zum Schluß gekommen, dass es für das echte Leben der alternativen Karriereformen (so Fachkarriere à la emotionaler leader) noch zu früh sei (im deutschsprachigen Raum, und ich hatte auch nur überwiegend Großunternehmen untersucht).

    Heute ist das doch schon beinahe gesetzt, dass es auch anders geht.

  • User
  • 16.06.2010 12:43:11 noorange

    "Den Phillip darin zu suchen überlass ich dir."

    Der macht PR.

    "Ich hab meine Diplomarbeit darüber 2000 geschrieben."

    Ich habe weder deine fachliche Qualifikation noch Richtigkeit deiner Aussage in Zweifel gezogen.

  • User
  • 16.06.2010 12:48:54 einrudithömmes

    Oh... Gottogott so war das nich gemeint... ich kann mich ja selbst nur noch dunkelst dran erinnern. Ich hab das lediglich des Zeitraums wegen erwähnt. Ne Diplomarbeit an sich ist ja nun noch kein Beweis für fachliche Qualifikation.

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