14.06.2010 13:35:12
Ein Aufschrei geht durch die politisch Korrekten:
Katrin Müller-Hohenstein hat in der Halbzeit des
Spiels Deutschland-Australien zum Tor von Miroslaw
Marian Kloze gesagt: "der Treffer muss für ihn
doch ein innerer Reichsparteitag sein" Däh!
Das ZDF ließ schon eiligst erklären, das Ganze sei
eine Entgleisung gewesen und KMH bedauere dies und
das sie diese Redewendung nicht mehr benutzen
will. Däh! Und, vorsichtig wie ich bin,
recherchiere ich vorher in einigen Quellen zum
Thema innerer Reichsparteitag, unter anderem auch
bei Wikipedia, und, da schau her, sowohl unter den
Einträgen "Katrin Müller-Hohenstein", "Miroslav
Klose", als auch unter "innerer Reichsparteitag"
findet man diesen Eklat, diese Entgleisung, diese
unentschuldbare Fehlleistung. Doppel-Däh!
Aber jetzt mal bei vollem Ernst: KMH hat doch
exakt mit dieser Verwendung an dieser Stelle und
auf diesen Spieler bezogen den Begriff in seiner
vollen Konnoation ad absurdum geführt, und man
kann ihr doch nur eine politisch-unkorrekte
Entgleisung unterstellen, wenn man das mit
böswilliger Absicht tut. Frei nach dem Sprichwort:
Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Auch ich habe
schon manchem einen inneren Reichsparteitag
angedeut, und habe auch schon selbst etliche
innere Reichsparteitage gefeiert. Und genau wie
man Katrin und Miro allein schon aus zeitlichen
Gründen in der Verortung der Geschichte keine Nähe
zur Hitlerjugend unterstellen kann (da soll das
herkommen), genauso wenig stehe ich dem
nationalsozialistischen Gedankengut nahe.
Und da auch die sonst von mir so geschätzten
11Freunde (sollte ich die Gratiswerbung aus meinem
vorangegangen Stylepass wieder entfernen?) sich in
blindsabbernde Rage geschrieben haben, und die
"Redewendung allenfalls noch als Standardvokabular
an der Thor-Steinar-Ladentheke oder in Kneipen mit
Namen wie »Zum goldenen Adler« oder »Das eiserne
Kreuz«" sehen, und sich am Abschluß ihres Artikels
noch fragen: "Wie zur Hölle fühlt sich so etwas
eigentlich an? Ein innerer Reichsparteitag?"
möchte ich diese wohl entscheidende Frage ein für
alle mal beantworten, weil es im Prinzip so
einfach ist:
Wir sind jetzt mal Miro. Miro in 2010, nicht in
2006, da waren wir alle ein bißchen Miro. Nein,
wir sind der Miro, der in der jüngeren
Vergangenheit nur Reserve in seinem Heimverein
war, der zum Triple-Gewinn nur wenig bis gar
nichts besteuern konnte und durfte. Der Miro, der
selbst in der Nationalmannschaft in jüngster
Vergangenheit ohne Torerfolg war, der für einen
Stürmer so wichtig ist wie Atmen. Wir sind der
Miro, der vor dem großen Weltturnier versucht
wurde aus der Mannschaft zu schreiben. Wir sind
der Miro, der gestern in der Mannschaftaustellung
genannt wurde, und bei dessen Namensnennung ein
Raunen (warum nicht Kakao?) durch die muhende
Masse ging. Wir sind der Miro, der als einziger
noch an sich selbst glaubt. Wir sind der Miro, der
im Australienspiel eine glasklare 110%ige vergibt.
Wir sind der Miro, der nur wenige Momente später
den Ball quasi heranwinkt, genau auf den
imaginären Punkt, wo er sich ins Tor köpfen lässt.
Und dann ist er da, dieser Moment, in dem der Ball
segelt und segelt - wir steigen hoch und höher,
wir treffen den Ball so exakt mit dem Kopf, dass
er mit voller Wucht gnadenlos Richtung Tor
fliegt.
Die Sekunden dehnen sich. Alles wird still in uns,
wir schauen dem Ball hinterher und finden frieden.
Wir wissen bereits, dass dieser Ball von nichts
und niemandem mehr aufgehalten wird. Und in dem
Augenblick, in dem sich die Maschen dehnen, bricht
ein ohrenbetäubender Jubel aus. Die Mitspieler,
die vielleicht doch irgendwie ein bißchen an uns
gezweifelt haben, rennen auf uns zu. Es geht, wir
haben es als vielleicht letzte noch gewusst, es
geht. Haben an uns geglaubt, haben auf diesen
Moment hingearbeitet.
Und das, zur dreimalfickenden Hölle, ist ein
innerer Reichsparteitag. "Hat an sich geglaubt",
"Straft Kritiker lügen", usw drückt nicht im
Ansatz aus, was ein innerer Reichsparteitag in dem
Moment ist. Und genau dann muss man das auch sagen
dürfen. KMH hat ja nicht von Kloses Endsieg, oder
Jogis Endlösung in der Sturmtruppenfrage
gesprochen, himmeldonnuneins. Bitte liebe Katrin,
lass dir innere Reichsparteitage nicht nehmen.
Auch wenn sich gerade die versammelte Gegnerschaft
der weiblichen Sportjournalistik (Die Fahnen hoch,
die Reihen fest geschlossen) einen eben solchen
gerade gönnt.
In diesem Sinne: Es ist Anpfiff - gerade in diesem
Moment: Holland-Dänemark. Bitte zurück zum
Wesentlichen!
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