Nach den Randalen im BFV-Pokalfinale
»Das sind Krawalltouristen«
Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Gestern kam es im Berliner Pokalfinale zwischen BFC Dynamo und Ankaraspor Külübü zu Ausschreitungen und einem Spielabbruch. Wir sprachen mit Trainer Heiko Bonan und Vorstandsmitglied Sven Radicke über die Vorfälle.
Heiko Bonan, Sven Radicke, gestern kam es im Berliner Pokalfinale zwischen dem BFC Dynamo und Ankaraspor Kulübü 07 zu Ausschreitungen. Was ist genau passiert?
Heiko Bonan: Man muss vorweg sagen: Es ging in diesem Spiel um sehr viel. Weil unser Saisonziel, der Aufstieg in die Regionalliga, schon länger nicht mehr machbar war, hat sich im BFC-Umfeld alles auf dieses eine Spiel fokussiert. Wir wollten die Saison mit dem Einzug in den DFB-Pokal retten. Und weil wir noch drei Minuten vor Ende der Partie mit 0:1 hinten lagen, entlud sich die Enttäuschung in Wut.
Sven Radicke: Der erste Feuerwerkskörper flog etwa in der 87. Minute. Es folgte eine Durchsage vom Stadionsprecher, das zu unterlassen. Doch dann schoss schon die nächste Rakete in die Luft. Nach dem Abpfiff kletterten die Leute über den Zaun und durchs Fluchttor.
Wieso stand das Fluchttor offen?
Radicke: Ein Versagen der Sicherheitsfirma, die auch die Ordner gestellt hat. Schon am Nachmittag bei der Einweisung wurde darauf hingewiesen, dass das Tor sicher verriegelt werden und dass sich das Gros der Ordner bei einem Rückstand des BFC vor dem Fanblock postiert. Das ist nicht passiert. Ein Großteil der Ordner kam erst zur Hilfe, als die Fans auf dem Platz waren.
Wie schlimm treffen die Ausschreitungen den Verein?
Bonan: Das ist bitter, ganz klar. Finanziell kann man das noch nicht beziffern, der Imageschaden dürfte aber eh schlimmer sein. Die Vorurteile, die viele gegen den BFC hegen, wurden wieder bestätigt. Doch muss man einschränken: Es sind ja nicht alle 3000 BFC-Fans auf dem Platz gewesen. Das waren maximal 60 bis 70 Vermummte. Und als die zurück in die Kurve liefen, wurden die von den echten BFC-Fans ausgepfiffen. Es ist nicht zu beschönigen, doch man muss endlich mal differenzieren. In den Medien wird aber nun pauschalisiert bis zum bitteren Ende.
Radicke: Wir wissen aus sicheren Quellen, dass der Großteil der Randalestifter nicht aus Berlin kam. Zum Beispiel derjenige, der den ersten Feuerwerkskörper abschoss, auch derjenige, der das Fluchttor öffnete – die gehörten nicht einmal zur erweiterten Fanszene des BFC. Da stehen manchmal etliche Leute aus dem Umland im Block, auch aus anderen Städten, Chemnitz, Jena oder Leipzig. Das sind Fußball- und Krawalltouristen. Die kamen gestern nach Berlin, weil sonst nichts mehr los ist. Die Saisons sind ja längst beendet.
Wurde das Spiel eigentlich als Sicherheitsspiel eingestuft?
Bonan: Warum?
Der BFC hat viele Fans im rechten Spektrum. Der Gegner Ankaraspor Kulübü ist eine deutsch-türkische Mannschaft.
Bonan: Wenige Wochen zuvor hatten wir ein Punktspiel gegen Ankaraspor Kulübü und da gab es keinerlei Vorfälle. Nicht mal Rufe gegen BAK-Spieler. Von daher gab es keinen Anlass, das Spiel als brisant einzustufen. Die Gewalt gestern richtete sich auch gestern nicht gegen die BAK-Spieler oder die wenigen gegnerischen Fans. Ich bin mir sicher: Die Ausschreitungen waren nicht rassistisch motiviert.
Sondern?
Bonan: Die Gewalttäter waren einfach elektrisiert und über alle Maßen gefrustet. Die Wut richtete sich gegen die eigenen Spieler, gegen die Mannschaft, die nicht in der Lage war, die Saisonziele zu erreichen.
Macht man sich als Trainer Sorgen um die Sicherheit der Spieler?
Bonan: Nein.
Sie nahmen also an, dass sich die Gewalt eher gegen Sachen und nicht gegen Menschen richtete?
Bonan: Ich habe es jedenfalls noch nie erlebt, dass Spieler von Fans verkloppt wurden.
Sie fühlten sich auch nicht bedroht?
Radicke: Inwiefern bedroht?
60 bis 70 Vermummte stehen mit einem Mal auf dem Platz – nicht gerade ein Zeichen, dass man nun gemeinsam Tee trinken geht.
Radicke: Kein Spieler wurde bedroht. Und kein Spieler braucht sich hier Sorgen zu machen. Die Jungs bekommen alle ihr Geld – etwas, das gerade in Berlin nicht immer üblich ist. Wir haben die Spieler also immer gut behandelt. Und die Mannschaft hat einfach versagt. So muss man es sagen.
Was tut der BFC gegen die Gewaltbereitschaft im Block?
Radicke: Zunächst muss man festhalten, dass es in den letzten fünf Jahren keine Ausschreitungen mehr gegeben hat. Das liegt auch daran, dass ein steter Dialog zwischen Fans und Verein stattfand und -findet. Wir haben einen Fanbeauftragten und einen Fanbeirat, in dem fast alle Fangruppen mit einem Mitglied vertreten sind. Monatlich gibt es eine Sitzung, in der die Fangruppen ihre Wünsche und Ziele äußern und auf Probleme aufmerksam machen können.
Und das tun sie?
Auf jeden Fall. Die BFC-Fans sind wirklich daran interessiert, dass hier was passiert: Sie haben etwa geholfen, das Vereinsheim auszubauen, die Tribüne wurde in Eigenarbeit renoviert, das Stadion teilweise saniert. Das wäre ohne die Fans niemals möglich gewesen. Mittlerweile wird der BFC sogar als Vorbild zitiert. Häufiger wurden wir explizit vom Polizeiverband für die Fanarbeit gelobt. Und gerade deswegen ist der gestrige Vorfall noch erschreckender.






