Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
03.06.2010

René Müller über den WM-Ball

»Aufhören zu jammern!«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Die halbe Fußball-Welt beschwert sich wenige Tage vor dem Start der WM in Südafrika über den neuen Spielball. Wie schlecht ist die bunte Pille wirklich? Wir sprachen mit dem ehemaligen Nationaltorwart René Müller über Bälle und Buffon.

René Müller über den WM-Ball - »Aufhören zu jammern!«


René Müller, der Italiener Gianluigi Buffon hat sich, wie viele seiner Kollegen, über den neuen WM-Ball von Adidas beschwert. Es sei »eine Schande«, mit diesem Ball ein solches Turnier zu bestücken.

Tut mir leid, aber das ganze Jammern kann ich nicht mehr hören. Fußballer der Gegenwart finden immer einen Grund, sich zu beschweren. Wir haben früher auf gefrorenen Böden gespielt, weil es keine Rasenheizung gab. Und trotzdem konnten Fußballspiele angepfiffen werden. Buffon und Kollegen sollen entweder aufhören sich zu beschweren, oder ihre Karriere beenden.



Aber es geht doch in dieser Diskussion um die Bälle!

Das habe ich wohl verstanden. Und tatsächlich kann ich in diesem Punkt die Kritik der Torhüter verstehen.

Warum?

Dieser Ball, beziehungsweise die Entwicklung des Balles, hat mit Fußball nichts mehr zu tun.

Das müssen Sie uns erklären.

Wenn ein Sportartikelhersteller heute einen neuen Ball auf den Markt wirft, geht es rein um die Verkaufszahlen. Ich frage mich manchmal, wer inzwischen in der Entwicklung sitzt und für die neuen Dinger zuständig ist. Aktive Fußballer sind bei dem WM-Ball jedenfalls ganz offensichtlich nicht zu Rate gezogen worden.

Sie sind als Fußballer in einer Zeit groß geworden, als der Wandel von Lederball zu Synthetikball vollzogen wurde. Welche Eigenschaften hatten die Spielgeräte Ende der siebziger Jahre?

Wir haben auch im Osten schon mit Adidas-Bällen gespielt, das waren nach der WM 1974 die ersten Teile, die sich nicht beim ersten Regenkontakt mit Wasser vollgesogen haben. Zwar aus Leder, aber zumindest im neuwertigen Zustand relativ lange wasserabweisend. Allerdings mussten wir uns auf internationaler Ebene immer erheblich umstellen.

Inwiefern?


In England spielten sie damals mit einem deutlich kleineren und superschweren Ball, der bei Regen mehrere Kilo wog. Als Torwart flogen dir entsprechend richtige Geschosse um die Ohren. Gleichzeitig hatte man bei Abendspielen, beispielsweise in Belfast, Probleme, den Ball überhaupt zu sehen, weil das Flutlicht so schwach war. Und bei uns im Leipziger Zentralstadion war das Licht so hell, dass ich regelrecht geblendet wurde, wenn ein hoher Ball in meinen Strafraum kam. Sie sehen, es gibt immer etwas, über das man sich aufregen kann.

Womit wir wieder beim WM-Ball der Gegenwart wären...

Den habe ich schon lange vor Buffon und Co. testen können, weil wir in Nürnberg das Adidas-Werk gleich um die Ecke haben. Natürlich kann man damit anständig Fußball spielen. Aber vor 20 Jahren hätte ich nicht im Traum daran gedacht, mal mit einem Ball zu spielen, der aussieht und sich anfühlt wie ein Wasserball.

Gibt es denn einen Ball in der Fußball-Geschichte, der Ihnen besonders zusagt?

Der weiße Derbystar gefällt mir ganz gut, der hat ein gewisses Grundgewicht, das ihn auch bei viel Wind nicht aus der Bahn wirft. Und auch der WM-Ball von 1998 ist ein sehr anständiges Spielgerät.

Und 2010 in Südafrika – was sollen die Torhüter denn nun tun?

Aufhören zu jammern und sich an den Wasserball gewöhnen. Alles andere hilft ja auch nicht.


René Müller, 51, stand fast 20 Jahre lang im Tor. Nach 264 Spielen für seinen Heimatverein Lokomotive Leipzig wechselte Müller 1990 zum Lokalrivalen Sachsen Leipzig, später spielte er für Dynamo Dresden in der Bundesliga und ließ seine Karriere beim FC St. Pauli ausklingen. Müller machte 46 Länderspiele für die DDR und galt Mitte der achtziger Jahre als einer der besten Torhüter der Welt.






Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 03.06.2010 15:55:55 Bash

    Aber bloß keinen Chip in den Ball packen - DAS wäre ja unnatürlich...

  • User
  • 04.06.2010 10:31:54 indydrjones

    Ich frag mich ja, wer den Rene Müller aus dem Hut gezaubert hat....
    hab den zu DDR_zeiten im Europacup ein paar mal gesehen und mich gefragt, wie so einer derart hochklassig spielen kann....

    naja...Experte heißt ja nicht, dass man's selber draufhaben muss - und die neuen Bälle sind eh "Stürmerbälle" -man muss sich nur mal die Flatterkugel von Lahm anschauen im ersten Spiel von 2006. Früher mussten Jungs wie Roberto Carlos ne überragende Schusstechnik für sowas haben - heute schießt jeder so und der Keeper sieht immer doof dabei aus...
    Ich hoffe, wir bekommen bald wieder anständige Bälle!

  • User
  • 04.06.2010 10:38:31 BiBer29

    Eier...wir brauchen Eier!!!

  • User
  • 04.06.2010 11:25:23 wojcicki

    Früher ..! Da hatten wa noch Eier!

  • User
  • 04.06.2010 11:59:55 Atatenango

    Totaler Humbug: Ich behaupte mal (ohne hinter diesen Ball bisher getreten zu haben), dass unsereins das nicht wirklich merken würde, ob das nun der aktuelle WM-Ball ist oder der von vor 8 Jahren. Und deshalb benötigt man sehr wohl die gewisse Schußtechnik um die Dinge so flattern zu lassen, dass es vielleicht doch einen Unterschied macht.
    Dieses Gejammere nervt mich aber auch. Wenn der Bauer nicht schwimmen kann liegt's an der Badehose. Schöne Ausrede für die Torhüter!

  • User
  • 04.06.2010 12:11:19 noorange

    "Und deshalb benötigt man sehr wohl die gewisse Schußtechnik um die Dinge so flattern zu lassen"

    Ne, das ist ja das schöne. Ab einer gewissen Geschwindigkeit, gepaart mit etwas Luftbewegung, fangen die Dinger alleine an zu flattern. Also ich als Torwart merke, ob mit einem Derby oder einer Adidas-Murmel gespielt wird.

  • User
  • 04.06.2010 12:25:15 indydrjones

    @noorange:
    genau das ist das Dilemma, wenn Leute mitreden, die nie mit solchen Mistkugeln haben spielen müssen.

    Ein schöner Artikel dazu findet man beim zweiten deutschen Fernsehen
    http://wmlive.zdf.de/ZDFsport/inhalt/17/0,5676,807 7041,00.html?dr=1

  • User
  • 04.06.2010 12:25:43 indydrjones

    @noorange - damit wollte ich dir beipflichten!

  • User
  • 04.06.2010 13:56:33 wojcicki

    Das ist doch auch Sinn der Sache. Das flattern, meine ich. Wegen die Tore!
    Georg Koch hat sich mal im Pokal gegen 96 so´n Ding von Balitsch gefangen, da sah er aus wie´n Amateur und hat sich nachher im Interview über die Flugkurve kaputtgelacht. Hab mir das nachher gefühlte 10 x inner Superslomo angeguckt. Gezählt habe ich drei Richtungsversätze, einen seitwärts, zwei in der Höhe!
    Ich bin da ganz bei Gigi ...

  • User
  • 04.06.2010 14:06:16 AntiMöller

    Ich verstehe nicht: über die vorhergehenden Bälle wurde sich doch von Torhüterseite aus doch auch massiv beschwert. Und heute flattern sie noch mehr? Also heute 5 Richtungswechsel, statt früher 3, auf 20 Meter Strecke? In 10 Jahren gibt`s dann die ersten Beschwerden, weil der Ball wie an der Schnur gezogen fliegt...

  • User
  • 04.06.2010 14:08:41 AntiMöller

    4 Paar Wintersocken ineinanderstülpen und gut iss....verwöhntesSpielerpack! Und überhaupt: Torhüter...tragen Handschuhe, die Memmen!

  • User
  • 04.06.2010 14:10:22 AntiMöller

    @indydrjones: in den 80ern verkörperte Rene Müller aber durchaus internatio...äh...Weltniveau.

  • User
  • 04.06.2010 18:04:05 Ganna

    Jetzt bekommt der Buffon einen nach dem anderen rein und seine Vorderleute müssen endlich mal häufiger Tore schießen, statt nur zu verhindern.
    Wenn das mal nicht die späte Rache an den Italienern darstellt...

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Und bei euch so?

Chaos dahoam!
Trauer dahoam!
Freude dahoam!
Wut dahoam!
Lasst mich mit diesem »dahoam« endlich in Ruhe!




Frankfurt-Legende Jan Åge Fjörtoft über Humor im Fußball


Wie heißen noch mal die Söhne von Martin Jol?

  • Cock
  • Dick

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER