Frank Goosen über den VfL Bochum
Gebt uns den Verein zurück!
Text: Frank Goosen Bild: Imago
Nach dem sechsten Abstieg aus der 1. Bundesliga blutet den Fans vom VfL Bochum das Herz. Frank Goosen ist da keine Ausnahme. In einem Kommentar für derwesten.de schreibt der Kaberettist über fehlende Visionen und Fiege-Pils.
Zum sechsten Mal ist der VfL Bochum aus der ersten Bundesliga abgestiegen. Business as usual könnte man denken, doch tatsächlich ist dieser Abstieg Tiefpunkt eines dramatischen Entfremdungsprozesses zwischen Verein und Fans. Und mit letzteren sind nicht die gemeint, die am Samstag Randale gemacht haben, sondern die restlichen, die weit über neunzig Prozent der Basis dieses Clubs ausmachen, und die sich seit geraumer Zeit verarscht und allein gelassen fühlen von Mannschaft und Verein.
Nur kurz nach dem desaströsen Spiel gegen Hannover 96 hörte man wieder die immergleichen Floskeln, diese blutleer ins Mikro geblubberten Textbausteine, die alles transportieren, nur keine Emotion. Da ist es dann »müßig« über die Entwicklung der letzten Monate zu reden, und »nach vorne« müsse man nun schauen. Wer immer nur nach vorne schaut, sieht nicht, was er vorher verkehrt gemacht hat.
Seit ziemlich genau drei Jahren weniger Herzblut
Dieser Verein macht schon lange keinen Spaß mehr, vermittelt seinen Anhängern nicht das emotionale Erlebnis, für das sie ins Stadion gehen und, nebenbei gesprochen, immer mehr bezahlen. Seit ziemlich genau zwei Jahren bietet der VfL gerade bei den Heimspielen immer weniger Herzblut. Seit der Trennung von Stefan Kuntz fehlte dem Anhang eine emotionale Identifikationsfigur, dem kompetenten, aber spröden Trainer Marcel Koller ein Korrektiv, nicht nur in der Außendarstellung, sondern auch in der internen Debatte. Und es hat funktioniert. Warum wurde das nicht fortgesetzt? Stefan Kuntz wollte, nach Worten des Aufsichtsratsvorsitzenden, »alles bestimmen«, Trainer, Co- und Torwarttrainer, Mannschaftsarzt. Hört sich an, als wollte er einfach seinen Job machen.
Tatsache ist, dass der Club in der Zeit nach dieser Trennung langsam ausblutete. Es wurden vor allem Spieler geholt, die keine Probleme machen – was allerdings dazu führte, dass in schlechten Spielen es auch keinen mehr gab, der mal glaubhaft dazwischen haute. Der letzte Spieler, der dazu in der Lage war, hieß Thomas Zdebel Der aber verlor den Machtkampf mit dem Trainer, was ihn für einige Fans zu einer Art Märtyrer machte, obwohl den meisten klar war, dass Zdebels Oppositionshaltung auch nicht immer von eindrucksvollen Leistungen gedeckt war.
Die Mannschaft bestehe nur aus Indianern ohne Häuptlinge, befand Heiko Herrlich, als er letztes Jahr seinen Dienst antrat. Die Diagnose war richtig. Das Ziel, nämlich einem Verein wie dem VfL eine Siegermentalität zurückzugeben, ebenfalls. Nur ging das irgendwo zwischen Naturmetaphern, Demutspathos, Cholerik und unverständlichen taktischen Wechselspielen verloren.
Im wahrsten Sinne des Wortes un-sportlich
Dieser Verein ist mittlerweile durchsuppt von einem Gestus der Mittelmäßigkeit, einer Haltung, die kein Ziel, keine Vision kennt, nur Langeweile. Wer einmal das Glück hatte, den Aufsichtsratsvorsitzenden auf einer Saisonabschlussfeier sprechen zu hören, weiß, wo das herkommt: Nicht der VfL Wolfsburg sei deutscher Meister geworden, hieß es da, sondern VW. Auf dem zweiten Platz seien Allianz und Telekom gelandet. Und so weiter. So richtet man sich in einer Opferrolle ein, die im wahrsten Sinne des Wortes un-sportlich ist. Kein Rhönradfahrer kann seinen Sport mit diesem Habitus betreiben. Es ist letztlich wie in der Kindererziehung, wenn du den Blagen aus einer aus ihrer Sicht ausweglosen Situation heraushelfen willst: Wollen sie in der Ecke sitzen und heulen oder sollten sie versuchen, das Beste daraus zu machen? Mach es mit Musik: Spiel ihnen Herne 3 vor: Immer wieder aufstehen, immer wieder sagen, es geht doch!
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