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18.04.2010

Heribert Bruchhagen über Skibbe und Sat1

»Ein historischer Fehler«

Interview: Marc Schmidt  Bild: Imago

Wenn heute Abend Eintracht Frankfurt auf Hertha BSC trifft, geht es um ganz viel Skibbe, ein bisschen Funkel und ein wenig Caio. Heribert Bruchhagen bezieht im Interview Stellung zu Trainer, Schiedsrichtern und Kevin Kuranyi.

Heribert Bruchhagen über Skibbe und Sat1 - »Ein historischer Fehler«


Heribert Bruchhagen, am Sonntag kehrt Friedhelm Funkel mit Hertha BSC Berlin zurück an seine alte Wirkungsstätte in Frankfurt. Besonders vermisst haben ihn die Eintracht-Fans zuletzt nicht. Wie sehen Sie die Eintracht unter Trainer Skibbe?

Michael Skibbe hat die Erwartungen nicht nur erfüllt, er hat sie in seinem ersten Jahr sogar übertroffen. Wir haben mit Sebastian Jung und Pirmin Schwegler zwei Spieler bekommen, die Qualität in unser Passspiel gebracht haben. Zudem ist es ihm gelungen, ein wenig Caio in unser Spiel zu bringen. Michael hat es geschafft, das Team spielerisch weiterzuentwickeln.



Der Eintracht blüht also eine rosige Zukuft...

Wir sind richtig gut dabei. Aber es ist keine Vision, ein Holzpferd zehn Meter hochspringen lassen zu wollen. Und ich halte es auch für falsch, aus dieser Saison direkt Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen. Jürgen Klopp war ein Held in Mainz, fünf Jahre lang galt das Modell Freiburg als Vorbild, ehe die Rangnick-Schule gefeiert wurde. In eine erfolgreiche Saison wird gerne viel hineininterpretiert. Wenn ein Jahr mal nicht so läuft, war alles gleich schlecht. Von diesen Meinungsströmen darf man sich nicht treiben lassen.

Käme die Teilnahme an der Europa League für die Eintracht noch zu früh?

Meine persönliche Einschätzung ist die, dass eine Qualifikation unrealistisch ist. Für das Marketing ist natürlich die Aussage besser, dass es töricht wäre, wenn wir nicht alles dafür tun würden, um international dabei zu sein. Realistisch befinden wir uns im Kampf um Platz sechs mit dem deutschen Meister VfL Wolfsburg, der besten Rückrundenmannschaft VfB Stuttgart und dem Hamburger SV nicht auf Augenhöhe. Die drei Teams haben alle mindestens einen doppelt so hohen Lizenzspieleretat wie Eintracht Frankfurt.

Laut Finanzchef Thomas Pröckl strebt die Eintracht in der kommenden Saison einen Etat von 27 Millionen Euro an. Da wären doch die zusätzlichen Einnahmen aus der Europa League gewiss ein warmer Regen.

Die Branche hat ja einmal mehr nicht richtig aufgepasst. Denn bei der Entscheidung über die Verteilung der Einnahmen wurde die Teilnahme an der Champions League ja weitaus höher bewertet als die Teilnahme an der neuen Europa League. Dadurch entsteht noch mal ein deutlicher wirtschaftlicher Abstand zwischen den Europa-League- und den Champions-League-Teilnehmern. Die Vereine hätten damals auf die Barrikaden gehen müssen, haben es aber einmal mehr als gottgegeben hingenommen.

Die Liga scheint beim Thema Verteilerschlüssel öfter mal nicht aufzupassen...

Meiner Ansicht nach wurde 1992 ein historischer Fehler gemacht, als die Übertragungsrechte der Bundesliga von RTL zu Sat.1 wechselten. Damals wurde zum ersten Mal ein Verteilerschlüssel eingeführt, der die Fernsehgelder nach der Tabellenplatzierung staffelte. 1994 übertrug Sat.1 dann Livespiele aus der Bundesliga und schüttete eine Million Mark pro Spiel aus. Da sich der Sender natürlich oft für Bayern entschied, floss das Geld verstärkt dorthin. Aber wir haben dies mehrheitlich beschlossen und damit müssen wir leben.

Welche Auswirkungen hatte das?

1992 betrug der Unterschied zwischen den Etats von Bayern München und Eintracht Frankfurt 40 Prozent. Heute sind es 500 Prozent. Und es wird immer extremer. Ich will damit nichts schlecht reden. Aber nach 34 Spieltagen steht jeder Verein am Ende wieder da, wo er hingehört. Überraschungen und Ausschläge gibt es kaum. So gehören trotz einer schwachen Hinrunde auch der VfB Stuttgart und der VfL Wolfsburg am Ende wieder zu den ersten acht Mannschaften.

Kommen wir zum DFB und seinen Problemen. Würden Sie es akzeptieren, wenn Michael Kempter am Sonntag das Spiel gegen Berlin leitet?

Das sehe ich völlig problemlos. Kempter hat sich in seinen ersten Jahren als talentierter Nachwuchsschiedsrichter herauskristallisiert. Er hat seine Leistungen gebracht, deshalb sehe ich keinen Grund, warum man ihn nicht einsetzen sollte.

Bundestrainer Joachim Löw hat ebenfalls mit Sorgen zu kämpfen. Wie bewerten Sie die Situation bei der Nationalmannschaft knapp zwei Monate vor WM-Beginn?

Ich halte die Diskussion um Kevin Kuranyi für reichlich überzogen, denn auf internationaler Ebene ist er kein großer Stürmer. Zudem muss man sagen: Ich weiß nicht wirklich, wo die Qualität für den WM-Titel herkommen soll. Gegen Argentinien war die Mannschaft zuletzt chancenlos. Michael Ballack ist aktuell nicht mehr der Michael Ballack, der er mal war. Auch ein Per Mertesacker oder ein Arne Friedrich haben zuletzt nicht das Niveau gezeigt, dass wir bei der WM 2006 gesehen haben. Auch Mirolsav Klose und Lukas Podolski sind im Augenblick nicht in Form. Bis auf Marko Marin haben derzeit fast alle Spieler Probleme. Aber ich habe großes Vertrauen in Löw und sein Team.




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Kommentare

  • User
  • 18.04.2010 14:28:43 Rundballtreter

    Super Interview - Ich mag den Bruchhagen und seine Aussagen, sowie die Art und Weise wie er sich äußert.

  • User
  • 18.04.2010 14:45:49 MacNik

    leider zu kurzes Interview; denn der Mann hat Meinungen und kann Sie auch ausdrücken.

  • User
  • 18.04.2010 14:48:29 Haensgen vom Deich

    Natürlich darf aber nicht die Aussage fehlen, wieviel mehr Geld die anderen alle haben.... Heulsuse!

  • User
  • 18.04.2010 17:09:28 ricky2000

    Nettes Interview, allerdings nervt es mich, wenn Funktionäre unwidersprochen Politik machen dürfen.

    Der Etatunterschied von 500% zwischen FCB und der Eintracht liegt mitnichten nur am Verteilschlüssel der TV-Gelder, auch wenn Bruchhagen das suggeriert.

    Der letzte bekommt (nach aktuellem Stand) immerhin noch fast 50 Prozent vom ersten (FCB).

  • User
  • 19.04.2010 03:25:31 a sabini

    Unwidersprochen ist das ganze nicht, da der Uli aus München eine andere Verteilung der Fernsehgelder zugunsten der Topklubs fordert. Und die 500% sind nicht in einem Jahr zustande gekommen, sondern haben sich in 17 Jahren aufsummiert, in denen die Bayern geschätzte 16 mal CL gespielt haben.

  • User
  • 19.04.2010 08:52:42 ricky2000

    @ asabini:

    Richtig, die TV-Gelder (nur BuLi) machen bei den Clubs eh nur etwa 20% des Gesamtbudgets aus.
    Das widerspricht Bruchhagens Beschwerde.

    Zudem: wenn man sieht, dass bei den Livespielen die Hälfte derer, die nicht die Konferenz schauen, den FCB schauen und die anderen Schalke, HSV oder BVB (stand mal in der SZ), dann kommen die kleinen Vereine noch relativ gut weg.

  • User
  • 19.04.2010 11:08:17 mwuebbe

    Ich mag den Bruchhagen. Klar teilt er immer nach rechts und links aus in Bezug auf die TV Gelder und das die Eintracht ja so eine arme Wurst ist und nie über Geld verfügt. Er gibt sich gern in die David Rolle.
    Aber er zeigt auch Fehler auf und legt den Finger in eine unausgesprochene Wunde.
    Ob das dann auch immer so stimmt ist eine andere Frage, aber nur alleine schon ein Thema in die Öffentlichkeit zu drücken und eine andere Sichtweise zu präsentieren ist schon aller Ehren wert.

  • User
  • 19.04.2010 15:15:40 Flappen

    Die Aussage ist total verzerrt! 1992 war Eintrach Frankfurt Bundesligaspitze - fast sogar Deutscher Meister. Und nun sind sie halt graue Maus. Und wir in Deutschland verteilen unser Geld eh schon mehr an schwächere Vereine als das Ausland. Wie kann man das einen historischen Fehler bezeichnen. Wenn Rummenigge das als Fehler bezeichnet, weil er mit Chelsea und Co mithalten will, okay, aber so: Null Verständnis.

  • User
  • 19.04.2010 16:47:33 GTEvo

    Heri ist der Letzte Dinosaurier der Großen ManagerGilde( Callmund, Rüßmann, Assauer,Hoeness)

    Der Bruchhagen war schon immer der Unaufgeregteste, der Sachlichste, offenbar der Seriöseste nach Aussen !

    Heute bekommt endlich die verdienten medialen Lorbeeren und zurecht das Standing als ManagerSchwergewicht!

    Dieser Klugscheisser Schindelmeiser, Parkuhr H.Held, Parkwächter Zorc und Co müssen noch sehr lange Kaffrekränzchen organisieren, bis sie Bruchhagens Stellenwert erlangen.

    Nur Allofs, Magath und Meier sind sicherlich auch feste Institutionen, aber Bruchhagen hebt sich von Ihnen doch noch etwas ab..und zwar was Klartext angeht!

    Schade dass er nie mehr DeutscherMeister wird!

    Hätta nämmich verdient
    Holger

  • User
  • 19.04.2010 17:14:38 Flappen

    Klar macht er gute Arbeit und das schon sehr lange. Das spricht ganz klar für ihn, während in der zeit schon viele gekommen und gegangen sind. Aber als Vorstand eines Mittelklassevereins in der Bundesliga genießt er finanzielle Privilegien, die andere Vereine aus der Mittelzone in Europ nicht haben. Da ist die Bundesliga schon viel sozialer.

  • User
  • 19.04.2010 19:30:57 AntiMöller

    Wo habe ich das gelesen: Real und Barca erhalten jeweils 150 mio. Euros/Jahr an TV-Geld und der Rest der spanischen Profiligen darf sich den verbleibenden Bruchteil teilen? Egal, so etwas darf man hier sicher nicht anstreben, in unserer Liga-Kultur.

  • User
  • 20.04.2010 12:52:56 Shinook

    Richtig, aber die Bundesliga ist ja auch nicht andere Ligen.

    Aber Flappen, nur weil es in der Bundesliga so ist wie es ist, heisst es doch nicht dass man anhand der gegebenen Umstände nicht trotzdem auch mal das Maul aufmachen darf! Die Bundesliga stellt keinen Vergleich zu anderen Ligen dar, und daher passt der Vergleich auch nicht. Bruchhagen als Beschwerdezwerg darzustellen, weil die Eintracht ein ach so armer kleiner Verein ist, ist mehr als unsachlich.

    Der Mann hat gerade in finanzieller Hinsicht ein mit Sicherheit vorsichtigeres Händchen, aber das auch gepaart mit einer ganz Portion mehr Weitblick. Wem das Sicherheitsdenken auf die Zwiebel geht, guckt in dem Fall dann vielleicht doch mal nach England, oder Spanien, oder Italien oder Gelsenkirchen.

    Ihn so hinzustellen, als seien seine Aussagen nur auf Meinungsmache gemünzt ist jedenfalls vielzuviel Vorwegnahme. Und dass die Umstände '92 andere als heute waren ist ebenfalls bereits geklärt worden.

  • User
  • 20.04.2010 13:40:40 UrmelAusmEis

    Man muss doch nur mal anschauen, was Bruchhagen in Frankfurt aus den vorhandenen Mitteln macht, und was im Vergleich dazu Michi Meier in Köln aus den vorhandenen und zusätzlich noch 5 Mio. nicht vorhandenen Mitteln macht.

    In drei-vier Jahren, da bin ich mir sicher, wird die Eintracht vor jeder Saison ganz selbstverständlich zu den Anwärtern auf die Euro-League-Plätze gezählt werden.

  • User
  • 20.04.2010 13:45:48 Redondo71

    Bis dahin ist der EffZee aber mindestens schon Serienmeister!

  • User
  • 20.04.2010 14:26:59 Shinook

    Sauerei, sowas zu sagen!

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