Ära Hellmich ist beendet
Der Lotse geht von Bord
Text: Dirk Retzlaff und Thomas Tartemann Bild: Imago
500 Mitglieder vom MSV Duisburg wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen: Walter Hellmich, allmächtiger Boss der »Zebras« machte auf der JHV kurzen Prozess mit seinen Kritikern – und kündigte dann seinen Rücktritt an.
Einem Sturz von Vereinschef Walter Hellmich wohnten die fast 500 Mitglieder und Gäste bei der Jahreshauptversammlung des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg erwartungsgemäß nicht bei. Trotzdem ist die Ära Hellmich in Meiderich beendet.
Der 66-Jährige kündigte am Mittwochabend seinen Rückzug an: »Acht Jahre sind eine lange Zeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass der MSV nach meiner Zeit, die nicht mehr so lange sein wird, in gute Hände kommt.« Walter Hellmich nutzte die Jahreshauptversammlung des Klubs für eine Abrechnung mit seinen Kritikern. Mit scharfen Worten griff er den Duisburger Wirtschaftsprüfer Richard Wittsiepe an, der in den letzten Monaten vorrangig im Internet Verträge und Geschäftsverbindungen von Walter Hellmich und dem MSV kritisiert hatte. »Ihre Schmierereien sind abscheulich und zum Teil kriminell, ein absoluter Tiefschlag«, so Hellmich zu Wittsiepe. Hellmich weiter: »So geht man nicht mit Menschen um.«
»Sonst flippe ich aus!«
Auch den früheren Aufsichtsratschef Wolfram Weber, der nach wie vor dem Kontrollgremium des Vereins angehört, ging Hellmich verbal an. »Zu Ihnen sage ich nichts. Sonst flippe ich aus.« Geschäftsführer Roland Kentsch und Aufsichtsratschef Gerd Görtz bemühten sich, die Vorwürfe von Richard Wittsiepe zu widerlegen. Kentsch, erst seit wenigen Wochen beim MSV tätig, sagte: »Der Vertrag mit Hellmich-Marketing ist völlig marktüblich. In schwierigen Zeiten unterstützte die Agentur den MSV sogar. So etwas hätte eine auswärtige Agentur nicht getan«, führte der frühere Bielefelder aus. Aufsichtsratschef Gerd Görtz legte dar, dass sich das Kontrollgremium intensiv mit den Vorwürfen von Wittsiepe befasst habe. Ex-Geschäftsführer Björn Bremer habe dem Aufsichtsrat in einer Sitzung alle Punkte erläutert. »Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass die Vorwürfe von Wittsiepe haltlos sind«, so Görtz.
Obwohl lediglich die Versammlung des »eingetragenen Vereins« anstand, gab Roland Kentsch auch einen Einblick in die Zahlen der MSV-Gesellschaft auf Aktien, die für den Profi-Fußball zuständig ist. Nach einem Gewinn von 3,1 Millionen Euro in der Erstliga-Saison 2007/08 fiel im Zweitliga-Spieljahr 08/09 ein Verlust von rund 3,4 Millionen Euro an. »Eine normale Entwicklung nach einem Bundesliga-Abstieg«, wie Kentsch erklärte. Für die laufende Saison rechnet Kentsch mit einem Verlust von knapp 2 000 000 Euro. »Wir müssen grundsätzlich eine schwarze Null erreichen. Nur so ist die langfristige Existenz des Klubs zu sichern«, warnte Kentsch.
Die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen
Richard Wittsiepe dankte Kentsch dafür, dass er ausführlich Auskunft gab, zeigte sich dennoch nicht zufrieden. »Meine Fragen bleiben zum großen Teil offen«, so Wittsiepe. Beim MSV beginnt nun die Suche nach einem Nachfolger für Walter Hellmich, der offiziell noch zwölf Monate im Amt ist. Wie es heißt, ist eine relativ kurzfristige Lösung angestrebt. Der zuletzt genannte Duisport-Chef Erich Staake steht nicht zur Verfügung. Staake auf Anfrage zu einer möglichen Kandidatur: »Das ist völliger Quatsch.«
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