Last-Minute-Meister aus Frankfurt
Who the fuck is Manchester?
Text: Dominik Bardow Bild: Imago
Nach Bayern Münchens 1:2-Niederlage in Frankfurt redet alles von Manchester-United-Effekt - den Last-Minute-Sieg hat jedoch die Eintracht erfunden. Die zehn spektakulärsten Schlussakkorde von Feigenspan bis Fenin.
10. Martin Fenin, Eintracht Frankfurt – Bayern München 2:1, 20.03.2010
Obwohl Frankurt gegen die seit 19 Spielen ungeschlagenen Münchner überlegen spielt, führen die Gäste seit Kloses Treffer nach sechs Minuten mit 1:0. Drei Minuten vor Schluss spielt der 17-jährige Bayern-Verteidiger David Alaba im Strafraum einen fatalen Rückpasss, in den Juhvel Tsoumou hineinsprintet. Mit dem Schienbein erzielt der 19-Jährige sein erstes Bundesligator. 104 Sekunden später spielt Halil Altintop einen langen Ball auf Martin Fenin. Der Tscheche kann den Ball zunächst nicht kontrollieren, lässt dann aber den abwartenden Alaba mit einem Arschwackler stehen. Sein Schuss aus spitzem Winkel knallt erst gegen den Pfosten - und dann ins Tor.
9. Ioannis Amanatidis, Eintracht Frankfurt – Karlsruher SC 2:1, 22.10.2008
Die ersten sieben Spiele der Saison 2008/09 kann Eintracht Frankfurt nicht gewinnen. Trainer Friedhelm Funkel steht vor dem Nachholspiel gegen den Karlsruher SC vor dem Rauswurf. Acht Minuten vor Spielende köpft der spätere Frankfurter Maik Franz das 1:0 für den KSC. 120 Sekunden danach gleicht Benjamin Köhler aus. In der ersten Minute der Nachspielzeit erreicht ein Freistoß den eingewechselten Ioannis Amanatidis, der durch die Beine von KSC-Torwart Miller das 2:1 erzielt – mit einem Knorpel- und Meniskusschaden im Knie, wie sich später herausstellen sollte. Während Frankfurt die Klasse hält, fällt der Grieche fast die gesamte Saison aus.
8. Horst Heldt, Eintracht Frankfurt – SSV Ulm 2:1, 20.05.2000
Am 18. Spieltag der Saison 1999/2000 liegt Frankfurt mit neun Punkten abgeschlagen am Tabellenende. So schlecht sollte erst zehn Jahre später wieder eine Mannschaft dastehen: Hertha BSC. Unter Felix Magath gewinnen die Frankfurt acht der nächsten 15 Spiele. Trotzdem würde eine Niederlage im letzten Spiel gegen den direkten Konkurrenten Ulm den Abstieg bedeuten. In der 89. Minute wird Stürmer Thomas Reichenberger an der Strafraumgrenze gefoult. Horst Heldt verwandelt den Elfmeter. Trotz Punktabzugs gelingt Frankfurt der Klassenerhalt. Magath, der noch drei Meistertitel gewinnen sollte, nennt es bis heute die größten Leistung seiner Trainerkarriere.
7. Jürgen Kalb, Eintracht Frankfurt – Bayern München 3:2, 13.04.1974
Im Halbfinale des DFB-Pokals geht Bernd Hölzenbein in der letzten Minute im Strafraum zu Boden. »Johnny Hansen hatte mich mit dem Ellbogen im Gesicht getroffen, ein klares Foul«, sagt Hölzenbein heute. Bayern-Torwart Sepp Meier kann sich gar nicht mehr beruhigen, Trainer Udo Lattek schreit herum – sie werfen Hölzenbein eine Schwalbe vor. Doch es hilft alles nichts. Eintracht-Abwehrspieler Jürgen Kalb trifft per Elfmeter zum 3:2. Nachdem Hölzenbein auch im WM-Finale 1974 einen umstrittenen Strafstoß herausholt, hat er einen Ruf als Schwalbenkönig weg. Und Frankfurt gewinnt im Finale, das wegen der WM erst im August ausgetragen wird, gegen den Hamburger SV seinen ersten DFB-Pokal.
6. Eckehard Feigenspan, Eintracht Frankfurt – Kickers Offenbach 5:3 n.V., 28.06.1959
Im Endspiel um die deutsche Meisterschaft 1959 steht es in Berlin gegen den Erzrivalen Kickers Offenbach nach 90 Minuten 2:2. In der zweiten Minute der Verlängerung trifft Eckehard Feigenspan per Elfmeter zum 3:2. Sztani erhöht auf 4:2, doch durch das 4:3 durch Offenbachs Gast ist das Spiel wieder offen. Eine Minute vor Ende der Verlängerung macht Feigenspan seinen dritten Treffer im Spiel und besiegelt die erste und einzige Deutsche Meisterschaft für Frankfurt.
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