Der Spieltag in der Zusammenfassung
Sturmfrei in der Bundesliga
Text: Denes Jäger Bild: Imago
Sturmtief Xynthia sorgte vor einigen Wochen für Chaos in Deutschland. Dieses Wochenende blieb meteorologisch ruhiger, stattdessen fegte so manch anderer Sturm über die Plätze der Bundesliga. Wir sagen Euch auch wo.
Am 14.03.2009 verteidigte die Hertha aus Berlin den Sahneplatz der Liga. Vier Punkte trennten sie damals vom Verfolger Bayern München und Josip Simunic versprach bereits die Meisterschaft, zu der Atzenmusik den zielgruppengerechten Soundtrack komponierte. Dass aus dem Titel und der Qualifikation für die Champions League am Ende nichts wurde, verdaute die nicht gerade erfolgsverwöhnte Anhängerschaft nur schwer. Ein unheilvolles Jahr später ist die Hertha bei ihren Fans mittlerweile so beliebt, wie die Deutsche Bahn bei Datenschützern: Nach Abpfiff beim Spiel gegen Nürnberg, stürmten etwa 100 vermummte Randalierer das Feld mit Fahnenstangen bewaffnet, und pervertierten so den Jubelsturm einer etwaigen Meisterfeier.
Die mit den mitgereisten Fans zelebrierenden Nürnberger Spieler ergriffen daraufhin eilig die Flucht in den Kabinentrakt und wurden auf dem Weg nur noch vom furios sprintenden Hertha-Bären Herthinho, letzter bei der Deutschen Meisterschaft der Fußballmaskottchen, überholt.
Knall auf Fall in Liga Zwei
Vor diesen Ereignissen wurde auch noch Fußball gespielt. Und zunächst legte die Offensivabteilung der Hauptstädter ein Tempo vor, das sogar den Jahrhundertlauf ihres Problembären in den Schatten stellte. Nach der ersten Halbzeit hätte es locker 3:0 stehen müssen, aber dank eines fantastisch aufgelegten Raphael Schäfer, und einer gehörigen Portion Unvermögen auf eigener Seite, führte nur ein Abschluss des nackenbespoilerten Gekas zum Erfolg.
Die Nürnberger ließen derweil nicht eine Sekunde aufblitzen, dass es sich bei dieser Begegnung um das Abstiegsendspiel handelte, sondern stümperten in der eigenen Hälfte herum, dass selbst ein Christian Lell nicht negativ aufgefallen wäre. Erst nachdem Knall auf Fall der Ausgleich fiel, würgten die Clubberer die konsternierten Berliner Spieler ab, wie einst Ehrenpräsident A. Roth seine Übungsleiter. Als dann zwangsläufig das 1:2 folgte, blieben Preetz nur noch seine Tränen, Funkel seine Sorgenfurchen und Herthinho sein nicht gewerteter 100Meter-Weltrekord.
Spielkultur aus Brunsrode-Flechtorf
In Wolfsburg zeigte man den Nachbarn aus Berlin vor einem Jahr, wie man überraschend Meister wird und dann unbeholfen jubelnd den Platz stürmt. Nach einer ziemlich unglücklichen Hinserie mit katastrophalen Defensivleistungen, war den Anhängern aus der VW-Stadt zuletzt nicht mehr nach Hosiannarufen zu Mute. Die letzten Wochen scheinen aber sogar die Verpflichtung von Dieter Hoeneß vergessen zu machen – dank der wieder erstarkten Edin Dzeko und Zvjezdan Misimovic.
Am Samstag bekamen das die Fohlen aus Gladbach zu spüren, die mit einer Leichtigkeit niedergestürmt wurden, als ob es in einem Freundschaftsspiel gegen SV Brunsrode-Flechtorf gehen würde. Die Spielkultur der Borussia gleicht sich seit dem vermeintlich sicheren Klassenerhalt ohnehin immer mehr dem besagten Kreisliga-Niveau an. Passend dazu nähert sich auch der Duktus des Trainers jenen beschwichtigenden Floskeln, die Michael Frontzeck schon bei Arminia Bielefeld von sich gab. Immerhin stieg er so letzte Saison nicht ab, seine Mannschaft hingegen schon.






