Herthas Fans über die Ausschreitungen
»Für viele war es ein Gag«
Text: Ron Ulrich Bild: Imago
Hunderte aus dem Hertha-Fanblock stürmten nach der Niederlage gegen Nürnberg den Innenraum und hinterließen dort ein Bild der Verwüstung. Wir sprachen mit Hertha-Fans, wie sie die Situation erlebten und was nun passieren muss.
Die Ausschreitungen im Berliner Olympiastadion am vergangenen Samstag haben die Diskussionen um Fangewalt in Deutschland angeheizt. Die Frage steht im Raum, wie es dazu kommen konnte, dass circa hundert Personen aus dem Fanblock in den Innenraum drangen und dort für Verwüstungen sorgten.
Forderungen nach Sperrungen von Blöcken, namentlichem Ticketverkauf und der Wiedererrichtung von Zäunen wurden laut. Wir sprachen mit langjährigen Fans von Hertha BSC Berlin, wie sie die Ausschreitungen erlebt haben.
»Die Vergangenheit holt uns wieder ein«, sagt Micha T. Seit Jahrzehnten geht er zur Hertha und hat in dieser Zeit sowohl Höhen als auch Tiefen erlebt. Auf dem Platz wie auch abseits des Rasens, wenn Bahnhöfe oder Gästekurven in den achtziger Jahren zerstört wurden. Doch den zweifelhaften Ruf der Herthaner als brutale Schläger wähnte er durch die gute Fanarbeit beseitigt. Wolfgang K., dessen Fanclub seit den siebziger Jahren besteht, bläst ins gleiche Horn: »Leute, die immer erzählt haben, dass es bei uns zuginge wie in den achtziger Jahren, fühlen sich jetzt bestätigt. Das führt dazu, dass viele dem Stadion fern bleiben werden.«
»Mitläufer« ohne Fußballbezug
Die Hertha-Fans erzählen von einem doppelten Schock des vergangenen Samstags. Der Schreck saß ihnen aufgrund des 2:1-Siegtreffers der Nürnberger in letzter Minute immer noch in den Gliedern, da mussten sie mit ansehen, was im Innenraum passierte. »Bei vielen ist ein Ventil geplatzt. Von außen wurde dieses Spiel als absolutes Endspiel deklariert, da sind bei einigen dann gerade nach der Niederlage die Sicherungen durchgebrannt. Auch wenn dies und die Provokationen von Raphael Schäfer das Betreten des Innenraumes nicht rechtfertigen«, meint Manfred Sangel vom »Hertha-Echo«.
Uneinigkeit besteht auch unter den Hertha-Fans weiter darüber, wer die Initiatoren des Sturms auf den Rasen waren und ob dies von langer Hand geplant gewesen sei. »Es lief die gesamte Woche vor dem Spiel übers Forum, Mitglieder der Ultra-Szene haben erst noch versucht, diesen Ankündigungen von Einzelpersonen entgegenzusteuern«, erklärt Bernd K., der schon seit nahezu zwei Dekaden mit seinem Fanclub die Spiele besucht. »Doch so plump es auch klingen mag: Für viele war es ein Gag, auch auf den Rasen zu stürmen.« Die sogenannten »Mitläufer« haben sich an diesem Tag nach einhelliger Meinung der Fans nach den vagen Internet-Ankündigungen unters Volk gemischt. Mitunter auch Personen, die keinen direkten Bezug zur Hertha gehabt haben.
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