Aristide Bancé im Porträt
Büffel auf Gras
Text: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago
Aristide Bancé wandelt zwischen seiner Rolle als Sündenbock und Heilsbringer. Nach drei Toren in den letzten vier Spielen ist er nun in den Fokus englischer Vereine gelangt. Doch wer ist der Mann mit dem grellen Haupthaar überhaupt?
Manchmal kann sich ein Karriereverlauf schneller drehen als ein Joint in einer Studenten-WG. Eine falsche Bewegung reicht aus, um aus einem unbescholtenen Talent einen rüden Raufbold zu konstruieren. Oft reicht schon ein Schnappschuss. Klick. Senden. Ein paar große Buchstaben. Fertig ist die Geschichte.
Als Mainz 05 im August 2009 noch vor dem ersten Spieltag seinen Trainer Jörn Andersen entlässt, liegen die Augen der Fußballwelt plötzlich auf der ansonsten beschaulichen Fastnacht-Hochburg am Main. Auf einmal stehen da, wo sonst 20 Kiebitze über Trainingsleistung, vergangene Zeiten und Bratwurst diskutieren, riesige Übertragungswagen und klappen ihre Antennen aus. Reporter lungern an den Trainingsplätzen herum, Stift und Diktiergerät im Anschlag. In Krisenzeiten zählen oft Millisekunden über Schlagzeile oder Rohrkrepierer.
Auf dem Parkplatz wird es handgreiflich
Der neue Trainer wird heute vorgestellt: Thomas Tuchel ist der Name des No-Names. Schnell tickern die wichtigsten Stichworte über den Äther: Jugendtrainer, Ulm, Rangnick, Klopp. Die Geschichte ist im Kasten. Abbauen. Die Karawane kann weiter ziehen.
Doch als sie alle ihre Diktiergeräte und Kameras verstauen, kommt es auf dem angrenzenden Parkplatz zu einer lautstarken Auseinandersetzung. Schnell wird nachgeschaut. Ist der große Blondschopf nicht Aristide Bancé? Und wer ist die Frau? Was macht er da? Klatsch. Schnell die Kamera. Klick. Haben wir das? Senden.
Ein Schimpfwort in Offenbach
Am nächsten Tag stehen sie da, die großen Buchstaben: »Prügel-Profi Bancé schlägt Frau zusammen«. Nun hat er seinen Namen. Bancé soll eine ehemalige Freundin geschlagen haben, ganz aufgeklärt wird der Fall nie. Am Ende gibt es Geldstrafen, Teilgeständnisse und einen jungen Afrikaner mit einem Image, das an ihm haftet wie eine Tube Pattex. Die Medien schustern sich schnell ein Bild von Bancé zusammen. War da nicht mal was? Ja, da war was: In Offenbach schimpft man heute noch auf seinen Namen. Nach zwei roten Karten in einer Halbserie hatten sie dort schnell ihren Schuldigen für den Zweitliga-Abstieg gefunden. Das passt gut: Bancé, der disziplinlose Prügel-Profi.
Der Weg nach Europa
Dabei vergisst man oft, welchen Weg ein junger Profi aus Afrika gehen muss, um sich in Europa durchzusetzen. Bancé flüchtet als Kind aus seiner ivorischen Heimatstadt Abidjan ins Nachbarland Burkina Faso. In Abidjan hatte er zuletzt ohne Eltern gelebt, da diese bereits zuvor vor dem Bürgerkrieg geflüchtet waren. Ohne ihn. Nur der Fußball gibt ihm Halt.
In Burkina Faso spielt er beim Hauptstadtklub FC Ouagadougou, doch schnell werden erste europäische Scouts aufmerksam auf den kantigen Mittelstürmer. Bereits 2003 wird er vom belgischen Erstligisten SC Lokeren verpflichtet, schießt fast 30 Tore in 80 Spielen. Europa kann kommen. Auch aus der Bundesliga kommen Angebote: Borussia Mönchengladbach möchte Bancé. Trainer Jörn Andersen schwärmt in den höchsten Tönen vom Afrikaner. Doch der Transfer platzt. Bancé geht zu Metalurh Donezk.
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