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12.03.2010

L. M. Fröhlich über das Reformpapier

»Es gibt eine Konfliktquelle«

Interview: Ron Ulrich  Bild: Imago

Nach den Turbulenzen der letzten Wochen tagt der DFB. Dann wird auch das Reformpapier für die Schiedsrichter vorgestellt. Lutz-Michael Fröhlich hat es zusammen mit Herbert Fandel erarbeitet. Wir sprachen mit Fröhlich darüber.

L. M. Fröhlich über das Reformpapier - »Es gibt eine Konfliktquelle«


Lutz-Michael Fröhlich, am Freitag soll ein Reformpapier vorgelegt werden. Was sind die wesentlichen Inhalte?

Grundsätzlich geht es um eine Strukturreform. Die Anforderungen an die Schiedsrichter im Spitzenfußball und an den Umgang mit den Schiedsrichtern haben sich in den letzten Jahren geändert. Zudem steht in der Führung des Schiedsrichterwesens ein Wechsel in der Spitze bevor, da der bisherige Vorsitzende, Volker Roth, nicht mehr kandidiert. Da ist es zeitgerecht, sich Gedanken zu machen.



Ist diese Neustrukturierung Resultat der aktuellen Ereignisse?

Sie bringen sicher etwas Dynamik in die Angelegenheit. Es geht z.B. auch um Unabhängigkeit, Transparenz und Neutralität. Z.B. wäre es besser, wenn Ansetzungen nur von Personen vorgenommen werden, die keine speziellen Interessen vertreten, wie z.B. auch Funktionsträger aus den Verbänden.

Warum?

Ein Beispiel: Momentan sind fünf Regionalverbandsvertreter im Schiedsrichterausschuss, die zum Teil auch Spiele ansetzen. Dadurch entsteht einerseits ein Konflikt zwischen der Tätigkeit als Ansetzer und der Vertretung von Interessen des Regionalverbandes und andererseits eine Ungleichbehandlung. Denn ein Interessenvertreter setzt Schiedsrichter an, ein anderer kann das nicht tun. Das ist eine Konfliktquelle.  

Gerade die Rolle der Beobachter steht momentan im Fokus. Was muss sich auf diesem Sektor ändern?


Auch hier sind Unabhängigkeit und Distanz gefragt. Ziel ist es, dass die Rolle des Beobachters für die Spielbewertung klarer im Sinne einer Gutachterfunktion verstanden wird.  Das fördert die Glaubwürdigkeit und die Transparenz. Der zweite Aspekt, nämlich die Weiterentwicklung der Schiedsrichter muss auf einer anderen Ebene umgesetzt werden, z. B. durch die Aufarbeitung von Spielen über ein spezielles Coaching.

Wie lief die Bewertung eines Schiedsrichters denn bisher ab?


Es geht weniger um die Abläufe zur Bewertung. Es geht vielmehr um eine klare Trennung zwischen Leistungsbewertung und Weiterentwicklungsimpulsen einerseits und der konkreten Arbeit mit den Schiedsrichtern andererseits.

Warum sind die Strukturen nicht vorher hinterfragt worden?


Das deutsche Schiedsrichterwesen zählt nach wie vor zur Weltspitze. Dieses Erfolgserlebnis stand bisher im Vordergrund. Eine strukturelle Weiterentwicklung, um z.B. diesen Spitzenplatz auch langfristig zu halten, stand eher im Hintergrund.


weiterlesen [1] [2]





Kommentare

  • User
  • 12.03.2010 17:07:01 Vert

    Zur letzten Frage:
    Auf irgendeinem der zahlreichen seriösen Fernsehsender Deutschlands habe ich gehört, dass den FIFA-Schiris angeordnet wurde sich vor der WM nicht mehr über einzelne Szenen äußern zu dürfen.

  • User
  • 13.03.2010 14:41:07 van Gool

    "... den Fußballsport nicht ständig einem Ideenwettbewerb unterwirft."

    Hab ich da was in den letzten ... Jahrzehnten(???) ... verpasst?

    Gibt doch kaum einen Sportverband, der im Hinblick auf die Spielregeln (und damit Spielkontrolle und damit das Schiedsrichterwesen) wertkonservativer ist und agiert, als der DFB und die FIFA.

    Der erst vor kurzem gefasste (einhellige) Beschluß zum Thema Chip im Ball/Videobeweis durch das entsprechende Gremium der FIFA sagt alles - dumm, dümmer, beschränkt ...

    Das Gegenteil sollte der Fall sein - Ideenwettbewerb, wo es nur geht, wenn es der Sache dienlich ist!

  • User
  • 14.03.2010 10:20:18 hüter86

    auch ich bin gegen jegliche technische Unterstützung (Chip oder ähnliches) beim Fußball. Erstens, wie soll das in den unteren Ligen gehen? Zweitens, ist Fußball fehlerfrei, worüber kann man dann noch diskutieren? Drittens, irgendwann braucht man keinen Schiri mehr, macht alles nur noch der Computer,bzw geht es über Lautsprecher! :-D

    Fußball soll konservativ bleiben!! Golf wird auch nicht reformiert und die Kugeln werden nicht mit der Hand geworfen ;-).

  • User
  • 16.03.2010 20:36:50 van Gool

    1. Man muss die unteren Ligen nicht direkt mit ins Boot nehmen. Erste und zweite Liga umstellen, alles weitere später. Wäre die Hauptsache - und die Altvorderen unter uns könnten sich genußvoll den Fehlentscheidungen auf dem Hartplatz hingeben und von der guten, alten Zeit schwärmen ...
    2. In jedem Spiel, immer neunzig Minuten, gibt es ohne Ende Diskussionsbedarf - Abseitsentscheidungen, gelbe/rote Karten, Foulspiele, und, und, und ... Wenn ich will, kann ich mir da, ausnahmslos und zu wirklich jedem Spiel, einen Wolf andiskutieren, garantiert ...
    3. Schwachsinn. Wird nie passieren. Und wer anderes glaubt oder behauptet - dumm? Populistisch? Ängstlich?

    Wembley war nett - und ein Kind seiner Zeit. Kein Problem. Neue Zeiten, andere Möglichkeiten. Verändere ich den Geist des Spiels? Mitnichten. Ist ein Tor Ermessensfrage? Nein. Der Ball ist drin oder nicht. Pure Mathematik, furchtbar einfach. Will ich ggf. durch Fehlentscheidungen und zum Zwecke des Unterhaltungswertes ein Spiel opfern und per Fehlentscheidung im Nachhinein zur bloßen Show verkommen lassen? Nein.

    Das Spiel kann kontrovers, umkämpft und umstritten bis hintengegen sein, aber die erzielten Tore müssen eindeutig sein! Ich pfeif auf Phantomtore und "Linienbälle", wenn mir die aktuelle Technik die Möglichkeit gibt, eben dies auszuschließen. Potentielle Fehlerquellen zulassen und aufrecht erhalten, um das Spiel im Nachhinein interessant zu machen? Blödsinn.
    Im Nachhinein (und aufgrund und dank der technischen Möglichkeiten!) werden die Tore ohnehin als regelgerecht oder als Fehlentscheidung bestätigt - so what?

    Ohne wenn und aber: Der Charakter des Fußballs wird nicht verändert, der Unterhaltungswert wird nicht geschmälert, der Gerechtigkeit wird genüge getan, das Spiel erhält das Ergebnis - und nur das Ergebnis - das ihm vorherbestimmt ist.
    Über das Spiel selbst lass uns streiten, meinetwegen bis die Köpfe qualmen ...

    Fußball soll konservativ bleiben? Also ... zweckentfremdet und ungerecht?

    Alte Männer und ihre Gewohnheiten. Golf passt da.

    Ende.

  • User
  • 23.03.2010 21:22:11 AntiMöller

    Momentan läuft das Projekt mit den fünften und sechsten Offiziellen, deswegen hat man sich erst einmal darauf fokussiert. Beim Spiel Frankreich gegen Irland hätte ein Torrichter z.B. das Handspiel sicher gesehen. Dieses Projekt muss man weiter beobachten.

    Das ich nicht lache! Seit wann hat den in der EL irgendwann mal ein Torrichter eingegriffen? Und es gab viele -auch hier schon diskutierte- Situationen, in denen diese Spesenritter nicht mal zuckten, obwohl direkt vor Ihren Augen in bester Perpestive, keine Meldung an den SR gemacht wurde. Überhaupt nicht verständlich, dass das Experiment diese Saison fortgeführt wurde.


    Wir wollen Schiedsrichter, die sich authentisch präsentieren. Nur dann ist eine effektive Weiterentwicklung möglich, in der auch die Persönlichkeit wächst.

    Schiedsrichter-Höchstalter wieder raufsetzen und zwar deutlich! Jeder sportliche 50-jährige schafft die Fitness-Norm.

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