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11.03.2010

Warum ein Mensch Schiri wird

»Wir machen Spieler glücklich«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Lukas Knubben ist 19, Gymnasiast und Schiedsrichter. Für ein besseres Netzwerk unter den Unparteiischen hat er die »Schiedsrichter-Community« gegründet. Ein Gespräch über rote Karten und hysterische Fußball-Eltern.

Warum ein Mensch Schiri wird - »Wir machen Spieler glücklich«


Lukas Knubben, Du betreibst die Homepage »Schiedsrichter-Community«. Was fasziniert Dich am Dasein als Unparteiischer?

Die Herausforderung im Buchteil von Sekunden eine Entscheidung zu fällen. Das macht den Reiz aus. Außerdem muss ich die Regeln dieses Spiels genau beherrschen, so exakt über richtig und falsch Bescheid zu wissen ist auch im Alltag extrem von Vorteil.



Was motiviert Schiedsrichter, wo man doch ohnehin immer als Buhmann und Spielverderber gilt?

Genau das Gegenteil zu erreichen.

Das bedeutet?

Ziel eines Schiedsrichters sollte es sein – jedenfalls ist das meine bescheidene Meinung – Spieler und Zuschauer glücklich zu machen.

Glücklich?

Als Schiedsrichter bist du dafür verantwortlich, dass das Spiel unter bestimmten Vorgaben stattfinden kann. Im Idealfall kommen nach einem hart umkämpften Spiel die Akteure beider Mannschaften und Zuschauer auf dich zu und bedanken sich für die gute Schiedsrichter-Leistung. Auch das gibt es.

Warum eigentlich diese Homepage und warum gerade jetzt?

Meine Seite hat nichts mit der aktuellen Schiedsrichter-Diskussion zu tun, wir sind bereits seit Dezember 2009 online. Es gab zwar schon vorher virtuelle Netzwerke für Schiedsrichter, allerdings nur regional beschränkt. Bei mir haben Schiris die Möglichkeit, sich mit Kollegen aus ganz Deutschland in Kontakt zu treten.

Über was tauscht man sich da aus?

Es geht vor allem um Regelfragen oder bestimmte Verhaltensweisen in den jeweiligen Situationen. Wir hatten beispielsweise zuletzt den Fall, dass ein junger Schiedsrichter einem Spieler die Rote Karte gezeigt hatte, der allerdings partout nicht den Platz verlassen wollte und sich auf der Auswechselbank breit gemacht hatte. Unsere User tauschen sich dann aus, wie man auf solche Konfrontationen reagiert.

Welche besonderen Erfahrungen hast Du selbst auf dem Spielfeld gemacht?

Ich habe mal einen Jugendspieler mit Rot vom Platz schicken müssen, weil der seinen Gegenspieler ins Gesicht geschlagen hatte. Anschließend sind seine Eltern extra zweieinhalb Stunden gefahren, weil sie mit mir darüber sprechen wollten. Schließlich wäre ihr Sohn für die nächsten Kreismeisterschaften gesperrt gewesen. Das war alles noch nicht so tragisch, bis die hysterische Mutter mich mit ihrem Handy fotografieren wollte, um ein Beweisfoto zu haben. Dann macht der Job echt keinen Spaß mehr.  


Gemeinsam mit Marcel Matt und Patrick Moldenhauer betreibt Lukas Knubben die sehenswerte Internetseite »Schiedsrichter-Community«.






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Kommentare

  • User
  • 11.03.2010 16:30:03 Redondo71

    Hysterische Mütter sind wirklich ein Übel im Jugendfußball. Als ich noch C-Jugend spielte (zwischen den Weltkriegen) schrie die Mutter eines Mitspielers nachdem ihr Sohn gefoult wurde, aus voller Seele und unterste Sohle:"Chr., tritt ihn in die Eier!"

    Zum Interview: Naiver Idealismus - kann man mit 19 noch haben; wird sich aber legen, wenn er merkt, dass er Spieler und Zuschauer nur selten glücklich machen wird/ kann. Ist aber auch ein interessanter Ansatz, aus dieser Motivation heraus, Schiedsrichter zu werden. Warum reicht es nicht einfach, unauffällig Spiele zu leiten.

  • User
  • 11.03.2010 16:45:00 sgu07

    kann das motivation sein? kannst du irgendwas machen mit dem ziel nicht beachtet zu werden? ja ok, als putzfrau, pilot oder taxifahrer vielleicht.
    aber freiwillig? in der freizeit? nee, da hat man dann schon seinen ehrgeiz und will auch lob ernten. halt ich aber auch gar nicht für so verkehrt. schiri gehört zum spiel wie die gegnerische mannschaft und genauso, wie ich mich meinem gegenspieler fürs spiel danke, danke ich auch dem schiri günstigenfalls dafür, dass er mir nicht auffiel.

    zum thema hysterische mütter sag ich nix. ich finde erkennbar ehrgeizige väter viel viel schlimmer.

  • User
  • 11.03.2010 16:56:42 Würzburger

    Naja, wie viele Menschen wollen schon unbedingt und als oberstes Ziel unauffällig sein?
    Nicht dass ich deine "Kritik" nicht teilen würde, aber das fände ich schon überraschend.

  • User
  • 11.03.2010 18:28:35 Marco Polo

    Es kommt durchaus vor, dass man als Schiri von beiden Seiten gelobt wird. Ganz besonders schön ist es dann wenn das nach einem alles oder ncihts Spiel für beide Seiten, dass zudem nicht unentschieden endet, passiert.

    Aber auch die Spiele in denen Mann vom Ordnungsdienst in die Kabine begleitet wird weil 300 Zuschauer ein Abseits gesehen haben, dass man selber auf Abseitslinien Höhe stehend natürlich übersehen hat, sind im Nachhinein durchaus reizvoll.
    Vlt weil man lernt seine Meinung gegen eine riesige Menschenmenge durchzusetzen.

    Am schlimmsten sind meiner Meinung nach die Großmütter, die in Plastikstühlen am Spielfeldrand sitzen und ihren Frust über eine weitere Rentennullrunde loswerden müssen.

  • User
  • 11.03.2010 20:10:05 seabass

    macht ein schiedsrichter nicht zuschauer und mannschaften glücklich, indem er unauffällig bleibt?

    und: in meiner jugendzeit hab ich mal nervenden eltern meinen nackten arsch gezeigt. die eltern der spieler meiner mannschaft haben gejohlt. die sternstunde meiner karriere.

  • User
  • 11.03.2010 21:11:43 pandrodor

    Über solche Eltern, im englisch schön Pushy Parents, genannt, braucht man nicht mehr viel sagen, die merken nichtmal, dass sie ihren Kindern auch den Sport versauen.

    Also in den unteren Ligen würde ich für kein Geld der Welt Schiri sein wollen.

    So ein Austausch von Erfahrungen ist sicher gut, würde mich nur nicht wundern, wenn es jetzt als Partnerbörse von nicht ganz so seriösen Medien dargestellt wird.

  • User
  • 11.03.2010 21:20:00 vokabelle

    Das schlimmste am Elterndasein sind die anderen Eltern.

  • User
  • 12.03.2010 00:07:13 MaRoque

    ...und jeder, der in irgendeiner Sportart schonmal irgendein Spiel pfeifen musste/durfte, weiß, dass das größte Lob genau darin besteht, nicht bemerkt zu werden...

  • User
  • 12.03.2010 06:41:12 varasdates

    Der Schiedsrichter im Interview findet, dass es manchmal nervig ist mit den Eltern der Jugendspieler, dann möchte ich mal wissen, was er sagt, wenn er im Herrenbereich angesetzt wird.

    Ich habe noch nie außerhalb Berlins gepfiffen, aber ein Schiedsrichter, aus dem Verein wofür ich pfeife, pfeift momentan außerhalb Berlins und er meint, dass es einfacher sei. Die Spieler meckern weniger und auch die Spielkultur sei besser.

    Wie gesagt, die Erfahrung konnte ich noch nicht machen, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es so sein könnte. Weil Berlin ein Ballungsraum ist, wo mehrere Kulturen auf einander treffen. Hier hat man nicht nur die Konfrontation zwischen Ost und West, weil bei manchen die Mauer immer noch in den Köpfen ist, hier hat man auch die Konfrontation zwischen Ost und Ausländern, zwischen West und Ausländern und die Ausländer unter sich.

  • User
  • 12.03.2010 09:22:37 einrudithömmes

    @voka, gestern mal wieder gelesen... "Pubertät ist die Zeit, in der die Eltern komisch werden"... weitermachen.

  • User
  • 12.03.2010 09:29:07 Redondo71

    Pubertät ist die Zeit, in der man sich für seine Eltern schämt...

    Ich gönne es jedem Schiedsrichter, wenn er nach einem Spiel, Lob von allen Seiten bekommt, aber es sollte nicht der Anreiz eines Schiedsrichters sein, nur danach zu streben, anderen zu gefallen und Beifall zu bekommen. Die Aufgabe eines Schiedsrichters liegt doch eher darin, das Spiel zu leiten und in geordneten bahnen zu halten. Die Komplimente sollte Folge dieses Tuns sein.
    Ich hatte mal das Vergnügen, ein Freundschaftsspiel zu pfeifen. Schon das war kein Vergnügen für mich. Zudem empfand ich es wirklich als sehr schwer. Glücklich gemacht habe ich damit auch keinen;-)

  • User
  • 12.03.2010 11:46:14 lukasknubben

    Vielen Dank für die Rückmeldungen und die damit verbundenen einzelnen Meinungen!
    @varasdates: Ich pfeife auch Herren, wobei die Jugendspiele manchmal wirklich anstrengender sind!

  • User
  • 12.03.2010 12:02:13 Marco Polo

    Dann pfeif mal Amateurjuniroen in der Schweiz. Das ist anstrengend! Weil die Spielkultur dermaßen im Keller ist. Du kannst hier echt nur Ausländermannschaften pfeifen. Die Inländer sind so hundsmiserabel. Neulich Vater nach Spiel: "Schiri zwei Tore waren klar Abseits." Kommentar: Das SPiel ging ja auch 15:2 aus, was machen denn dan 2 Tore aus? Wenn die Kinder lernen Fußballzuspielen und nicht nur den Ball rumzubolzen, dann bleib ich mal auch genauer auf Abseitshöhe...

    Bei den Herren hast du einfach vielmehr Opposition auf dem Platz und meist auch mehr Zuschauer. Wenns hitzig wird, dann ist der Herrenbereich sicherlich das schlimmer Pflaster.

  • User
  • 13.03.2010 11:37:02 Teilzeitstudent

    Die Motivation, alle glücklich machen zu wollen, halte ich auch für sehr bedenklich. Der Schiedsrichter ist nun mal der "natürliche Feind" des Fußballspielers. Ein Lob von beiden Mannschaften wird es nur dann geben, wenn beide Mannschaften mit dem Ergebnis zufrieden sind und es keine strittigen Situationen gab. Bestimmte Situationen kann man nun mal so oder so auslegen. Und jeder Spieler und Zuschauer legt die Regel natürlich zu seinen Gunsten aus und ist dann unzufrieden, wenn andersherum entschieden wird.

    Als Schiedsrichter sollte man einfach schauen, dass die Leistung den eigenen Ansprüchen genügt. Wenn man das Ziel hat, Zuschauer und Spieler glücklich zu machen, wird das - wie gesagt- sehr schwierig. Ich erwarte von einem Schiedsrichter, dass er wirklich unparteiisch ist, dass er die Entscheidung nach seinem besten Wissen und Gewissen trifft und vor allem, dass er den Spieler den gleichen Respekt entgegen bringt, mit dem er auch behandelt werden möchte. Wenn ein Schiedsrichter das von sich nach dem Spiel behaupten kann, dann kann er auch zufrieden mit sich sein. Egal was die anderen sagen und egal, ob er nun unauffällig oder auffällig war. Bei strittigen Situationen lässt es sich einfach nicht vermeiden, dass der Unparteiische im Mittelpunkt des Geschehens steht.

  • User
  • 15.03.2010 17:47:34 Blaus

    Yo, allen alles Recht machen kannste als Schieri nicht. Ich spiele selbst Fußball in unteren Gefilden und rege mich in eigentlich jedem Spiel gerne und häufig über Entscheidungen auf...nicht wenige der Referees in der Kreisliga B sind halb eben selbst auch maximal Kreisklasse. Aber wenn ein Schiedsrichter ne Linie hat, respektvoll mit den Spielern umgeht und (ganz wichtig!) keine Angst vor unangenehmen Entscheidungen zeigt, dann geh ich nachm Spiel immer zu ihm hin und bedanke mich. Von Kreisliga D bis Bundesliga sind das auch nur Menschen. Die gehen an nem eigentlich freien Sonntag, statt mit der Familie nen Zoo zu besuchen, wie die Spieler ihrem Hobby nach...das darf man nicht vergessen. Und bewusst falsch pfeifen tun nur die allerwenigsten.

  • User
  • 15.03.2010 23:04:45 Gandalf

    Ja, sehr geil: kaum will man sich hier mal OFF halten, kommen interessante Themen hoch, hehe.

    Ich habe den Beitrag nicht gelesen, ähnliches kam schon inner Schiri-Zeitung und ähnlichem Kram.

    Ich habe als Schiri einen anderen Ansatz: ick will ein Fussball-Spiel sehen, wie ick es mag: hart, rüde, aber im Rahmen der Regeln - und das am besten mitten drin; dit kannick nur als Pfeife, und wenn es sein muss auch im gelben Trikot, da kenn ick nüscht!

    An Blaus: du siehst es genau richtig: jede Liga hat die Schiris, die sie verdient; seid froh, dass dort überhaupt noch offizielle hin kommen; bei uns im Kreis bekommen nur noch Truppen nen Schiri, welche auch das Soll erfüllen.

    Und zum Geblöke der Eltern/Fans etc. denke ich mir immer nur (Mist, leider sage ich das auch nach dem Spiel, hehe): "Immer raus damit, hauptsache, Sie schlagen nicht Ihre Kinder oder Ihre Ehefrau!"

  • User
  • 15.03.2010 23:26:24 Gandalf

    Sorry für`s Doppel-Posting, aber wenn 80 Kilo im Rollen sind, hält sie nüscht mehr auf, hehe.

    Zumal man hier nicht Edith los schicken kann...

    Es ist ein vollkommener Wahnsinn, Sonntags Spiele inner Kreisliga zu pfeifen!

    Man ist nach den Spielen total "leer" im Kopp, da man erstens 10-15 Km läuft (ja, selbst icke) und man zweitens pro Minute 2-3 Entscheidungen im Kopp fällt (weiter spielen, Foul- Vorteil- Einwurf, Himmel Hilf, welche Richtung??? etc.); sind 180 Entscheidungen!

    Falls davon acht falsch waren: vollkommen Pumpe! Diese acht Verfehlungen begehen die Spieler schon bei der Anfahrt im Strassenverkehr, hehe.

    Während die Mannschaften ihre Barre-Kisten leeren, musste noch den Spielbericht ausfüllen, klasse...und dit ganze für 18 EUR, während die Spieler der ERSTEN Mannschaft 300,- pro Monat bekommen - inner Kreisliga B!

    Ick mach dit gerne, aber ick kann ooch jeden verstehen,der sich diesen Mist nicht antut!

    Bloss: (so plakativ es auch is) Es geht nicht ohne uns...

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