Der FC Heidenheim mischt die dritte Liga auf
Das Anti-Hoffenheim
Text: Swen Thissen Bild: Imago
Seit Samstag nimmt der Traum in einer 50 000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Ulm Konturen an. Der FC Heidenheim ist dabei, binnen sechs Jahren von der Verbandsliga in die zweite Liga aufzusteigen. Und das ohne großes Geld.
Frank Schmidt ist ein sympathischer, geselliger und entspannter Mensch. Doch der Trainer des FC Heidenheim kann auch fuchsteufelswild werden. Momentan geht das ziemlich schnell. Man muss ihn nur nach dem möglichen Zweitliga-Aufstieg fragen.
Oder aber, noch besser, feststellen, dass sich Heidenheim irgendwie ähnlich anhört wie Hoffenheim. Wenn Schmidt einen etwas länger kennt, lässt er in solchen Momenten Gnade walten. „Wir haben wohl schon eine Weile nicht mehr miteinander gesprochen“, sagt er dann. „Aber eigentlich sollte bekannt sein, dass ich auf solche Sätze allergisch reagiere.“ Zur Sicherheit erklärt er aber noch einmal, „dass die einzige Gemeinsamkeit zwischen Heidenheim und Hoffenheim darin besteht, dass beide Vereine mit jungen Spielern arbeiten“.
Keine monetäre Erklärung
So ganz stimmt das freilich nicht. Denn auch die Erfolgsgeschichte ähneln einander: Der FC Heidenheim ist 2008 in die Regionalliga aufgestiegen, hatte 2009 den Durchmarsch in die 3. Liga geschafft und steht im März 2010 auf einem Aufstiegsplatz zur 2. Bundesliga. Schmidt begründet das mit „harter, ehrlicher Arbeit“, einer „hochmotivierten und charakterlich einwandfreien Mannschaft“ und der Tatsache, „dass wir uns spielerisch vor niemandem verstecken müssen“.
Falsch ist das bestimmt nicht, und man muss ihm einfach glauben, weil es für diesen Höhenflug eigentlich gar keine Erklärung gibt. Zumindest keine monetäre. Denn der FCH, das ist Fakt, ist in Sachen Transfermarkt-Aktivitäten tatsächlich so etwas wie das Anti-Hoffenheim. Denn während die TSG einst Ralf Rangnick als Trainer und Francisco Copado als Starspieler verpflichtete, kam vor der Saison ein einziger FCH-Neuzugang aus der 3. Liga: Christian Beisel, einst Sandhausen.
Gegrummel bei den Nachbarn
Der Stamm blieb, wie schon nach dem Aufstieg in die Regionalliga, erhalten, und er wurde wenig spektakulär, dafür aber umso sinnvoller ergänzt, zum Beispiel durch Patrick Mayer und Richard Weil, beide zuvor bei Eintracht Frankfurt II unter Vertrag, oder Florian Krebs, der vom Karlsruher SC II kam. Die drei Genannten stehen regelmäßig in der Startelf. Der Rest hat schon in der Regionalliga das Heidenheimer Trikot getragen. Vater des Heidenheimer Erfolges ist Holger Sanwald. Der Ex-Kicker des FCH übernahm die Leitung der Fußballabteilung, als diese in der Landesliga herumkrebste.
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