Der Spieltag in der Zusammenfassung
Ein Deal unter Freunden
Text: Johannes Ehrmann Bild: Imago
Zurückgekehrte Prinzen, Zahnschmerzen und viel Sinn für Männerfreundschaften. Auch der 25. Bundesliga-Spieltag hatte wieder einige Geschichten zu bieten. Welche genau, das erfahrt ihr in der Spieltagszusammenfassung.
Man braucht Verbündete im Leben. Menschen, die einem das alltägliche Fortkommen erleichtern, da sind, wenn man sie braucht, die einem den Lichtstrahl am Horizont zeigen. Kurzum: Freunde fürs Leben. Dass Hans Jörg Butt und Lukas Podolski eine besonders innige Männerfreundschaft pflegen, war bislang zumindest in der Öffentlichkeit nicht wirklich bekannt.
Schweini und Poldi, gut, eine olle Kamelle, weiß ja jeder, das die beiden in der Nationalmannschaft und bei den Bayern gerne zusammen abhängen, doch vielleicht ist es an der Zeit, das Verhältnis Butt-Poldi neu zu beleuchten. Fest steht: Podolski hat wohl selten in seinem Leben eine größere Wohltat erfahren als von Bayerns Torwart beim Spiel am Samstag.
»Ich müsste mal wieder...«
Was der fast 36-jährige Keeper-Veteran bei Podolskis Treffer zum 1:0 veranstaltete, wirkt in der Nachbetrachtung nur konstruktiv, wenn man sich einen Deal unter guten Freunden hinzu denkt. Vielleicht kam es beim Aufwärmen zu einem konspirativen Treffen. »Du, Jörg, ich müsste mal wieder…« – »Hm, mal sehen, was sich machen lässt…« Gesagt, getan. Ein Freistoß, den selbst ein Landesliga-Torsteher in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde mit einem milden Lächeln auf den Lippen unter Kontrolle gebracht hätte, brachte Butt in ärgste Bredouille. Der Münchner Schlussmann flog über die Linie wie ein halbseitig gelähmter Kranich, brachte dann noch irgendwie eine Alibifaust an den Ball, ohne jedoch eine Chance zu haben, das Gegentor zu verhindern. Picknickkorb mit Dankeskarte ist unterwegs.
Wiedergeburt des Lieblingsprinzen
Unterm Strich reichte es – vielleicht wegen dieses mehr als unglücklichen Gegentreffers – für die Bayern nicht zu einem Dreier in der Domstadt. Während alle Kölner die späte Wiedergeburt (dauerte rund 1.400 Minuten) ihres Lieblingsprinzen feierten, droht dem Rekordmeister die Tabellenführung bereits nach einem Spieltag wieder zu entgleiten.
Ein Vermerk in der Bundesliga-Anatomiedatenbank
Doch nicht nur in Köln wurde gespielt an diesem kunterbunten Fußballsamstag. Eine Woche nach dem Revierderby, das zu Gunsten von Blauweiß endete, fuhren die beiden Kontrahenten aus dem Pott deutliche Siege ein. Schalke, das jahrelang das Image hatte, wenn überhaupt, dann nicht höher als 1:0 gewinnen zu können, dämpfte etwaige Frankfurter Wunschträume von Europa mit einem deutlichen 4:1. Besonders in Erinnerung bleiben wird der Führungstreffer von Joel Matip, der in der Bundesliga-Anatomiedatenbank unter „linke Schulter“ vermerkt ist. Kein Zweifel: S04 spielt im Titelaspirantentrio nicht unbedingt den Brummbass.
Dr. dent. Großkreutz schlägt zu
Nach zuletzt vier Niederlagen in fünf Spielen (wobei die Schlappe im Spiel der Spiele gegen besagte Schalker wohl an sich wie vier Niederlagen schmerzte) schaffte die Borussia aus Dortmund gegen den nominellen Ableger vom Niederrhein die gelungene Rehabilitation. 3:0 hieß es am Ende gegen desolate Gladbacher, und Kevin Großkreutz, neben Mohamed Zidan auffälligster Schwarzgelber, durfte einen gelungenen Ausklang der Woche feiern, die für ihn nicht nur Kopfzerbrechen wegen der Derbypleite, sondern darüber hinaus auch fiese Zahnschmerzen bereit gehalten hatte, wie er nach dem Spiel zu Protokoll gab. Verknapptes Fazit: Zahn gezogen, Tor geschossen, Kevin happy, Dortmund happy.
Hertha bleibt hartnäckig – Letzter
Nicht so happy ist man derzeit in Berlin, wo die Hertha weiterhin zielstrebig dem Abgrund entgegen taumelt. Auch beim Gastspiel in Hamburg gelang dem hartnäckigen Tabellenletzten trotz teils bester Gelegenheiten kein Tor. Aus absurden Versuchen wie Ramos’ kläglichem Lattentreffer in der zweiten Hälfte aus kurzer Distanz und ohne Torwart gibt es in der Regel nur eine bittere Erkenntnis: Wer solche Tore nicht macht, steigt ab. So weit ist es allerdings dann doch noch nicht, auch wenn 15 Punkte aus 25 Spielen nicht unbedingt das gemütlichste Polster sind und auch wenn der Abstand zum rettenden Ufer nun wieder fünf Zähler beträgt und auch wenn Nürnberg noch punkten kann und auch… lassen wir das.





