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07.03.2010

Ausgerechnet Podolski!

Sensation: Stürmer trifft!

Text: Dirk Gieselmann  Bild: Imago

Die Kölner ringen den Bayern einen Punkt ab. Schön für sie! Poldi schießt dabei ein Tor. Schön für ihn! Mehr aber auch nicht. Jedenfalls nicht: »augerechnet.« Die schicksalhafte Fügung, die man uns suggerieren will, nervt gewaltig.

Ausgerechnet Podolski! - Sensation: Stürmer trifft!


Man konnte sich nicht so schnell Wachs in die Ohren gießen, wie dieses Wort fiel. Kaum hatte der Freistoß von Lukas Podolski die Torlinie überschritten, entfuhr es Sky-Kommentator Marcus Lindemann wie eine Flatulenz: »Ausgerechnet!«  

 

Jahaa, meine sehr verehrten Damen und Herren! Augerechnet er, der im Sommer aus München nach Köln heimgekehrt war, augerechnet er, der umgerechnet (bzw. ausgerechnet) anderthalb Tage reiner Spielzeit auf ein Tor gewartet hatte, ausgerechnet er trifft per Wut-Brumme die Fäuste von Bayernkeeper Jörg Butt, der sich ausgerechnet bei diesem Abwehrversuch verrechnet!  

Ausgerechnet wurde bestimmt auch noch die Geschwindigkeit des Poldi-Projektils. Das wäre dann aber auch das einzige, das hier etwas mit höherer Mathematik zu tun hat. Hinter der Tatsache, dass ein Stürmer ein Tor erzielt, steckt nämlich weniger dramaturgisches Kalkül, als die Berichterstatter, die alles so gern zum Gipfel von irgendwas zuspitzen, mit Melodien aus dem Spannungsfeld zwischen »Freude, schöner Götterfunken« und »Spiel mir das Lied vom Tod« unterlegen und so tun, als ginge es bei jedem Einwurf um vielmehr, als wir plüschohrigen Zaungäste uns überhaupt vorstellen können, uns glauben machen wollen. 


Ein Treffer. Mehr nicht.


Poldis Treffer zum 1:0 war ein Treffer. Mehr nicht. Keine Sensation, sondern das Ergebnis der puren Zwangsläufigkeit seiner Profession, die da heißt: treffen. Nun hat diese Zwangsläufigkeit lange genug nicht gegriffen, gegen die Bayern war es wieder soweit – gut und schön: Er ist ja auch Stürmer. Da kann man mal ein Tor schießen, zumal per eigentlich haltbarem Flatterball.

Er selbst hätte es sicherlich gern früher getan und wird es auch in der Folge wieder tun. Dass er sich diesen Moment aufgespart hätte für das Spiel gegen seinen Ex-Arbeitgeber, wie sich eine Braut für ihren Bräutigam aufspart, das kann nur jemandem einfallen, der bei der Lektüre von Rosamunde Pilcher feuchte Augen bekommt.  

Wir sind gewohnt, dass Koinzidenzen mit hysterischer Stimmlage zu schicksalhaften Fügungen hinauf multipliziert werden. Aber dass ein draufgehämmerter Fernschuss, der mit einer ordentlichen Portion Glück ins Netz flutscht, zur Pointe einer ganzen Fußballer-Existenz aufgeplustert wird, sollte man uns nun doch nicht verklickern wollen. Uns! Ausgerechnet uns! Pfff.




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Kommentare

  • User
  • 07.03.2010 14:49:45 pandrodor

    Dass ausgerechnet Butt, der doch schon als Nachfolger von Patzer-Adler und als Nr.1 bei der Weltmeisterschaft von der Elite der Fußballwissenschaftler auserkoren wurde, ausgerechnet im Spiel nach Adlers Jahrhundertfehler patzt, wird mir ehrlich gesagt zu wenig beleuchtet.

  • User
  • 07.03.2010 14:58:17 Ursoph

    Ich stimme nur bedingt zu.

    Poldi hat in letzter Zeit oft mit seiner Unlust genervt, klar hätte er auch früher schon treffen können, da war es dann halt öfter Alu, aber ich glaub, dass er gegen die Bayern schon besonders motiviert war und dass es kein Zufall war. ob man das mit ausgerechnet kommentieren muss steht auf nem anderen blatt.

  • User
  • 07.03.2010 15:14:53 GTEvo

    In diesem Falle ist das Unwort aber angebracht.
    Denn wenn man gefühlte 3 Jahre nicht mehr getroffen hatte, nicht mehr stark aufgespielt hat, aber dann gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zum ersten Male wieder trifft und gleichzeitig auch in allen spielerischen Belangen SEINE Beste persönliche Leistung seit der Verpflichtung abliefert, dann hat hier das "Ausgerechnet", nervig Hin oder Her, tatsächlich seine Berechtigung.^^

    Um ein geschossenes Tor, welches thematisiert wird, gehts nicht..es geht diesesmal tatsächlich um den Zeitpunkt, den Zufall, nicht um Logik.^^

  • User
  • 07.03.2010 15:32:12 Marco Polo

    GTEvo hat recht. Ausgerechnet hat hier seine Berechtigung.
    Bitte sucht euch ein neues Thema, wir haben alle begriffen, dass das ausgerechnet infltionär und oft einfach falsch verwendet wird. Das ewige Draufrummreite ist kein bischen besser als das ewige benutzen dieses Wortes.

    Macht doch mal ein Artikel über Rethys angewohnheit immer ein anderes Spiel zu kommentieren, als das was wir alle sehen (zB gegen Argentienien wo er ein Angriffswirbel der Argentinier gesehen hat).
    Oder darüber, dass er keine Ahung von den Regeln hat sich aber denoch anmaßt zu urteilen und die Meinung die er sehr wohl so hat und dem Publikum induziert aber dabei immer eine FLoskel verwendet "Man soll ja den Schiedsrichter nciht kritisieren" u.ä.

    Macht was ihr wollt, aber hört bitte auf mit dieser Hexenjagd auf das ausgerechnet.

  • User
  • 07.03.2010 15:56:06 Sonny83

    Schmucklos.

  • User
  • 07.03.2010 21:15:49 vokabelle

    Ich glaub, ich muss deine Beiträge über Werder Bremen noch mal genauer unter die Lupe nehmen, Dirk. Sollte ich ausgerechnet dort irgendwo ein "ausgerechnet" finden, kannste dir ja ausrechnen was es von der Vokabeltussi setzt, nä.

  • User
  • 07.03.2010 21:20:32 vokabelle

    Ach so, ganz vervessen:
    LU-LU-LU LUKAS PODOLSKI!!

  • User
  • 07.03.2010 22:00:02 Superdexter

    Find ich auch albern, sich so über das Wort zu ärgern, wo es doch hier auch mal wirklich gepasst hat. Als ich im Liveticker sah, dass Poldi getroffen hat, dachte ich auch "ausgerechnet" der. Und dann dachte ich gleich an den 11Freunde-Artikel dazu, und jetzt wiederholt ihr euch da tatsächlich wieder. Ausgerechnet ihr! Das hätt ich echt nicht gedacht.
    Dabei gibts viel schlimmere Sachen. Ist mir am Wochenende wieder aufgefallen: Wenn einem Abwehrspieler im Strafraum aus einem Meter Entfernung mit etwa 180 Km/h an die Hand geschossen wird und dann alle wie wild Elfmeter fordern. Furchtbar! Schreibt doch mal darüber und fordert dafür die Einführung einer gelben Karte. Das wäre echt die mindeste Strafe.

  • User
  • 08.03.2010 02:40:14 van Gool

    So leid es mir tut, aber "ausgerechnet" trifft es hier tatsächlich, und ist eben nicht nur eine Floskel.

    Und bei Gott, ich meine da so etwas "Emotion" durch den Artikel hindurchschimmern zu sehen. Herr Gieselmann in Rage, Herr Gieselmann "hat Emotion".

    Schön. Davon lebt der Fußball .....

    ;-)

  • User
  • 08.03.2010 10:49:02 rumpler

    Poldi bleibt auch nach diesem Torwartfehlertor ein primitiver, etwas zu fauler, insgesamt schwacher Stürmer.

  • User
  • 08.03.2010 12:08:01 Clem

    Als ich Samstags die Sportschau sah, ahnte ich schon, dass es bei den 11 Freunden einen "Anti-Ausgerechnet"-Artikel geben wird...

  • User
  • 08.03.2010 13:12:48 linkswierechts

    Da mag einfach jemand den FC nicht.

    Und @rumpler: Deshalb hat er auch mit 24 Jahren 70 Länderspiele und in denselben ca. halb so viele Tore, was nur wenigen DFB-Stürmern je gelungen ist. Und eine gewisse Primitivität ist als Stürmer denke ich garnicht von Nachteil. :-)

  • User
  • 08.03.2010 13:16:20 linkswierechts

    Haha! Gerade mal nachgelurgert was der rumpler für'n Verein hat.
    Wozu nix mehr zu sagen wäre.

    Oder:

    Wenn ein Verein nicht Deutscher Meister wird, ham alle was zu feiern:

    fc bayern !

  • User
  • 08.03.2010 13:17:39 linkswierechts

    Und ab jetzt trifft er auch wieder inner Liga. Wart mal ab.

  • User
  • 08.03.2010 13:26:50 quintupelvize

    Es ist natürlich ärgerlich, wenn man in einem Artikel "ausgerechnet" den Aufhänger schon in der Überschrift falsch schreibt ;)

    aber hat nicht jeder gedacht udn gewusst, dass es nach Podolskis Treffer zu einer ausgerechnet-Orgie kommen wird und ausnahmsweise nicht ganz zu unrecht...

  • User
  • 08.03.2010 13:55:16 sgu07

    eins ist auf jeeeeden fall jewiss:
    lukas podolski ist nach diesem tor für die wm-startelf gesetzt. allein schon wegen seiner vorbildlichen schusshaltung. dat kann sonst keiner

  • User
  • 08.03.2010 20:08:55 Tandix

    Kurz zusammengefasst könnte man diesen Artikel auch auf einen Absatz runterbrechen:
    'Wenn ein medial omnipräsenter Nationalstürmer nach der längsten Torflaute, die ein Nationalstürmer je ertragen musste, mit seiner mehr oder minder abstiegsbedrohten Herzdame dem Rekordmeister, der gleichzeitig Tabellenführer und ehemaliger Arbeitgeber ist, einen (verhinderbaren) Rückstand beschert ist das nicht weiter erwähnenswert (schon gar nicht durch das Unwort des Jahres: ausgerechnet). Dieser Meinung zu sein ist hingegen durchaus einen eigenen Artikel wert.'
    Alle 11freunde Artikel zum Tor sind negativ, dabei ist der Junge immerhin als Stürmer für die WM gesetzt! So eine Katastrophe ist es also nicht, wenn er langsam in Form kommt, außerdem hat er richtig gut gespielt. Mit ner Raute auf der Brust hättet ihr bestimmt geschrieben, dass er 'das Glück erzwungen' hat (was dann mal wirklich ein Unwort wäre).

  • User
  • 09.03.2010 14:15:07 Toph85

    Marco Engelhardt hat gestern beim Spiel Bielefeld - KSC seine fünfte gelbe Karte kassiert. Thomas Herrmann ließ es sich nicht nehmen, zu erwähnen, dass Engelhardt damit "AUSGERECHNET gegen Augsburg" fehlt. Es hätte ja auch ausgerechnet Paderborn oder Ahlen sein können.
    Im Vergleich dazu ist das "ausgerechnet" beim Podolski-Tor ja schon irgendwie angebracht. Es wäre halt einfach mal eine angenehme Überraschung gewesen, wären die Kommentatoren ohne dieses Wörtchen ausgekommen.

  • User
  • 10.03.2010 09:14:45 calimero

    ich find poldi voll gut und denke, es wird zeit mal zu nem großen club zu wechseln

  • User
  • 10.03.2010 09:56:38 oberhofer

    Ich find "ausgerechnet" voll gut und denke, es wird Zeit dass das Wort mal in den grossen Feuilleton wechselt.

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