René Adler steht im WM-Tor
Die Nummer eins
Text: Thomas Hummel Bild: Imago
Die Frage, wer ein deutsches WM-Tor hütet, hat früher mal die ganze Nation bewegt. Heftige Wortgefechte und Klüngeleien inklusive. Nun legt sich Bundestrainer Löw für Südafrika auf René Adler fest. Und alles bleibt ruhig.
An Philipp Lahm ging diese bedeutende Nachricht vorbei. »Ich muss zugeben, dass ich es noch gar nicht mitbekommen habe«, sagte der 26-jährige Außenverteidiger. Das muss man sich einmal vorstellen, dass dieser Philipp Lahm, ja durchaus ein verdienter Nationalspieler, diese Entscheidung einfach nicht mitbekommt. Dass sich der Bundestrainer nun auf René Adler als Nummer eins für das deutsche WM-Tor festgelegt hat. Das hätte es früher nicht gegeben.
Damals, 2006, als sich der Bundestrainer Klinsmann auf den WM-Torhüter Jens Lehmann festgelegt hatte, ging die Nachricht schneller um die deutsche Fußballwelt als ein Sturmtief über das Mittelgebirge. Oder als der Teamchef Beckenbauer 1986 den WM-Ersatztorwart Uli Stein nach Hause schickte, Mannomann, da war was los! Die Deutschen und ihre Nummer eins, die Nummer eins der Deutschen, das war immer eine nationale Angelegenheit und dass sich da einfach ein verdienter Nationalspieler hinstellt und nichts weiß, das wäre ein Ding gewesen.
»Er hat es selbst in der Hand«
Nun sagt diese Geschichte viel über die aktuelle Unaufgeregtheit aus, die in diesem deutschen Lieblingsthema steckt. Genauso viel sagt sie über die Charaktere, die sich um diesen Posten bemühen. Der ruhige 25-jährige René Adler also soll in Südafrika die Nummer eins sein, er hat es »in der Hand, ob er bei der WM spielt«, sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke in München. Köpke sagte, er habe am Vormittag zunächst Mitkonkurrent Manuel Neuer von Schalke 04 informiert: »Das sind Gespräche, die nicht so angenehm sind. Manuel hat aber Verständnis gezeigt, auch wenn er nicht erfreut und logischerweise sehr enttäuscht war.« Mit dem derzeit verletzten Tim Wiese (Werder Bremen) habe er noch nicht telefoniert. Auch mit Blick auf Neuer und Wiese betonte er: »Wir sind von den Torhütern, die wir haben, überzeugt.« Es könne aber nur einer im Tor stehen.
Und das war ja immer das Problem, dass nur einer im Tor stehen kann. Dabei träumen seit dem »Teufelskerl« Toni Turek im Wunder-Finale von Bern 1954 so viele deutsche Torhüter davon, einmal im Nationaltor stehen zu dürfen. Und manche von ihnen können dann überhaupt nicht verstehen, warum es doch ein anderer schafft. Die Duelle Lehmann-Kahn, Kahn-Köpke, Schumacher-Stein bis zu Tilkowski-Fahrian haben deutsche Fußballzeitungen über Wochen alleine gefüllt.
Lehmann vs. Kahn, Kahn vs. Köpke, Schumacher vs. Stein
Und nun verkündet Bundestrainer Löw über seinen Torwarttrainer Köpke, dass Manuel Neuer und Tim Wiese nicht im Tor stehen werden, wenn sich Kollege Adler nichts Schlimmeres zu Schulden kommen lässt oder etwa verletzt. Doch mit verbalen Attacken der Reservisten ist nicht zu rechnen. Auch nicht mit geballter Unterstützung Dritter, wie sie etwa der FC Bayern mit seiner geballten Kompetenz- und Medien-Macht für Oliver Kahn 2006 gegen Lehmann einsetzte. Und vielleicht führt auch der Tod des eigentlich favorisierten Robert Enke zu einer Versachlichung der bisweilen hitzigen Torwart-Diskussion.







