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03.03.2010

Stefan Jürgens über Homophobie

»Das war kläglich vom DFB«

Interview: Benni Kuhlhoff & Ron Ulrich  Bild: Privat

Stefan Jürgens spielt im Theaterstück »Seitenwechsel« einen Trainer, der aufgrund seiner Homosexualität ins gesellschaftliche Abseits gedrängt wird. Wir sprachen mit ihm über das Stück und Homophobie im Fußball.

Stefan Jürgens über Homophobie - »Das war kläglich vom DFB«


In Ihrem Theaterstück »Seitenwechsel« spielen Sie einen Trainer, der öffentlich wegen seiner Homosexualität an den Pranger gestellt wird. Für dieses Thema konnten Sie sich nur schwer an bekannten Beispielen orientieren. Wie geht man diese Rolle an?

Ich habe mir ganz genau angesehen, wie sich Trainer der ersten und zweiten Bundesliga auf dem Platz und bei Pressekonferenzen geben, habe mir viele Filme und Interviews angeschaut. Zudem kenne ich zwei Trainer aus dem Ruhrgebiet, mit denen ich gesprochen habe. Doch in erster Linie ist es ein sehr emotionales Stück und man muss sich mit der extremen Situation dieses Menschen auseinandersetzen.



Sie meinen die öffentliche Hetzjagd auf einen Homosexuellen?


Dass der Trainer homosexuell ist, ist natürlich nicht unerheblich, aber es ist eigentlich zweitrangig. Es ist ein Stück über Toleranz. Er könnte auch ein Farbiger sein oder jemand anderes, der in der Gesellschaft diskriminiert wird. Es geht um die Leidenschaft eines Menschen, der dann durch seine Sexualität vor dem Totalverlust seiner Existenz steht.

Der Trainer ist dennoch in dieser Konstellation eine besondere Figur. Man sagt immer, er sei das schwächste Glied in der Kette. Sowohl Erfolg als auch Misserfolg werden auf seine Person projiziert. Bietet sich die Figur des Trainers deswegen besonders an, wenn man zeigen möchte, wie die Öffentlichkeit jemanden ins gesellschaftliche Abseits befördern kann?

Da gibt es einen enormen Existenzdruck. Für diese Figur gilt: Sie muss permanentem Druck standhalten, hat enorme Existenznot verbunden mit Leidenschaft – das ist das Entscheidende. Zudem muss ein Trainer Menschen motivieren. Menschen, die vielleicht gar nicht seine Sprache sprechen und einer ganz anderen Generation entstammen. Er muss sich mit dem Gegenüber auseinander setzen, einen Mannschaftsgeist formen.

Sie sprechen den Mannschaftsgeist an. Sie stehen in ihrem Stück komplett alleine auf der Bühne. Wie schaffen Sie es da, eine ganze Mannschaft präsent zu halten?

Es gibt eine Szene, in der ich die ganze Mannschaft vorstelle, ohne dass man die Einzelpersonen sieht. Es geht darum, jeden einzelnen Spieler zu charakterisieren. Die Kabine ist der ideale Ort dafür. Denn da lässt sich am besten etwas erzählen, Mannschaftsnähe und -enge wird vermittelt. Enge im psychologischen und räumlichen Sinne. Die Kabine ist ein Synonym für viele Dinge im Sport und im Stück. In den Kabinentrakten gibt es Duschen und an diesem Punkt sind wir bei der aktuellen Debatte. Wir reden hier von Vorwürfen, die in Assoziationsketten münden und dann zur Vorverurteilung führen. 

Sie sprechen den »Fall Amerell« an. Inwieweit gibt es Parallelen zwischen der öffentlichen Aufnahme dieses Themas und dem Theaterstück?

Ich habe natürlich auf dieses Thema besonders geachtet. Man schlägt die Zeitung auf und denkt, dass man sich darüber eigentlich kein Urteil erlauben kann. Aber alle anderen scheinen es bereits getan zu haben.  Eines kann man mit Sicherheit sagen: Der DFB hat wieder einmal eine klägliche Arbeit geleistet. Die Art und Weise, wie das Ganze breitgetreten worden ist, ist der eigentliche Skandal.Fest steht, dass es beim DFB ein wirkliches Kommunikationsproblem gibt. Niemand weiß, welche Vorwürfe konkret behandelt werden. Im DFB ist das Thema wohl so gehandhabt worden, dass es der dritte Milcheimer von links ausschütten durfte. Und das war nicht das erste Mal, dass der DFB so agiert hat.

Wer ist ihrer Meinung nach Schuld an diesem Kommunikationschaos?

Da ist Herr Zwanziger auch mal gefordert, seine Lippenbekenntnisse in die Tat umzusetzen und Strukturen innerhalb des Verbandes zu ändern. Übrigens auch bei einer anderen Sache: Die Frage ist, ob Theo Zwanziger heute noch ein Interview von Christoph Daum kommentarlos stehen lassen würde, in dem dieser auf  peinlichste Weise Homosexuelle grundsätzlich in die Nähe von Kinderschändern rückt. Damals hätte Zwanziger an extremster Stelle der Öffentlichkeit verdeutlichen müssen, dass der DFB sich von solchen Aussagen distanziert.

In einer DSF-Reportage hatte Daum folgende Aussage getätigt: »Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die da gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem großen Verantwortungsbewusstsein entgegen treten«. (d. Red.)



weiterlesen [1] [2]





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Kommentare

  • User
  • 02.03.2010 09:06:57 L3v3l0rd

    In der Antwort der zweiten Frage steckt Jedi-Format!
    In Geduld üben du musst beim abtippen Padawan Kuhlhoff.

  • User
  • 02.03.2010 09:39:33 einrudithömmes

    Ja?

    Dass der Trainer homosexuell ist, ist natürlich nicht unerheblich, aber es ist eigentlich zweitrangig. Es ist ein Stück über Toleranz. Er könnte auch ein Farbiger sein oder jemand anderes, der in der Gesellschaft diskriminiert wird. Es geht um die Leidenschaft eines Menschen, der dann durch seine Sexualität vor dem Totalverlust seiner Existenz steht.

    In Sorgfalt üben du musst beim Kritik äußern, Pappnase!

  • User
  • 02.03.2010 09:59:20 Benni Kuhlhoff

    Habe es bereits per Jedi-Gedankentrick korrigiert.

  • User
  • 02.03.2010 10:41:48 die satanische ferse

    Einmal abgesehen von Rechtschreib- oder Interpunktionsfehlern: das ist mal wieder die Art von Hintergrundbericht (na gut, in diesem Fall Interview), welche 11freunde sehr gut zu Gesicht steht. Gerade in der Kombination mit dem verknüpften Hajo-Spezial.
    Einfach mal DANKE!

  • User
  • 02.03.2010 12:13:21 pandrodor

    Schönes Interview und mit Jürgens auch ein guter Gesprächspartner.

    Was der wichtigste Punkt ist Warum sollte er das tun müssen?. Bei Zwangziger habe ich immer das Gefühl, dass er versucht Leute zu drängen sich zu outen, damit er als der große Menschenfreund da steht.

    Jürgens hat da vollkommen Recht, es sollte signalisiert werden, dass Toleranz da ist, mehr aber auch nicht. Es ist nicht wie Wowereit sagt gut schwul zu sein, es ist auch nicht schlecht, eben genau keine Wertung sollte gegeben werden.

    Vor allem aber sollte das Privatleben draußen bleiben. Weder wenn Heinz mit seinem Mannschaftskollegen Kunz sich vernügt oder CR9 vier Escort"mädels" flachlegt interessiert es mich.

  • User
  • 02.03.2010 15:26:53 AbteilungAttacke

    Jürgens hat die Sympathien seit seiner Kentucky Schreit Ficken-Zeit sicher. Das Interview ist aber nicht ganz problemfrei.

    Zum einen verschreckt mich ein wenig der Fanatismus, der in dem Interview sichtbar wird. Doch "Bildung kloppen" ? Zwang der Vereine (zumindest angedeutet), ihre Satzungen zu ändern ? Auch muss man sich fragen, ob da die Einflussmöglichketen des DFB da überhaupt gegeben sind.

    Zum anderen sind die Forderungen, die Jürgens nennt, sprich, die Lösungsvorschläge auch nicht überzeugend. Wer "schwule Sau" schreit im Stadion (!) soll rausfliegen ? Dann bitte aber auch alle rassistischen, rechtsradikalen und wenn man dabei ist alle beleidigenden Bemerkungen. Alle oder keiner. Nur dann sind die Stadion bald leer.

    Lust but not least: Nix für ungut, Homopsexualität im Fussball ist ein wichtiges Thema. Bei Jürgens scheint es aber das einzige sein. Ja klar ist das Thema des Interviews Homosexualität im Fussball. Doch sollte man dabei nicht vergessen, dass es dringlichere Probleme im deutschen Fussball gibt...

  • User
  • 02.03.2010 15:44:34 sgu07

    er vergisst bestimmt nicht, dass fußball andere baustellen hat, als die achtung von homosexuellen in diesem sport.
    dieses, in diesem interview einzigwichtige, thema wird ja im kontext mit seiner schauspieltätigkeit, und im speziellen mit einem ganz bestimmten stück besprochen. da kann man ihm nicht vorwerfen, dass er scheuklappen auf hätte.
    recht hat er doch, wenn er anprangert, dass im normalen sprachgebrauch das "schwule" oder die "schwuchtel" abschätzig und ehrabschneidend gebraucht wird. erst wenn das in der gesellschaft als so unpassend geächtet wird, wie auch nigger-, juden- und behindertenwitze geächtet werden, wird sich ein schwuler kicker oder schiri nicht mehr jahrelang verleugnen müssen. er kann dann vielleicht damit rechnen, dass er innerhalb seiner mannschaft oder während des spiels unbehelligt bleiben kann.

  • User
  • 02.03.2010 16:42:34 AbteilungAttacke

    ... mag ja sein dass ich da sehr pessimistisch bin aber WERDEN "Nigger-, juden- und behindertenwitze" denn so geächtet ? WIRKLICH meine ich ? Das ist ja das Grundproblem. "Rassistische Bigotterie gibts hier nicht, ich kenne keine Voruteile gegen Nigger, Jidden, Spaghettis, Latinos..."

    Nicht das ich es nicht begrüßen würde, wäre diese Ächtung gegeben. Es erscheint mir nur einfach nicht als realistisch, sowas 'im Großen' zu fordern. Lediglich im "Kleinen" - und sei es durch Theaterstücke wie die von Jürges, kann man vereinzelt was bewegen. Die "Große Bürgerschwulenrechtsbewegung" hat imho im deutschen Fussball jedenfalls keine Aussicht auf Erfolg. Auch darum zweifele ich an, ob der DFB da as verändern kann (und finde es um so dämlicher, wenn deR Onkel Theo sich in der Sache zu weit aus dem Fenster lehnt)

  • User
  • 02.03.2010 16:49:34 sgu07

    WERDEN "Nigger-, juden- und behindertenwitze" denn so geächtet ?
    nun, wenn ich vergleiche, als samy sane seinerzeit in stuttgart mit nürnberg zu gast war, hat ein ganzes stadion "uhuhuhuhu" gebrüllt, und fand das witzig. jedes foul an ihm wurde mit einem aufschrei wie heute beim biathlon nach einem treffer gefeiert. beim uefa-cup auftritt von feyenoord in stuttgart rief die ganze kurve "der neger muss raus, der neger muss raus".
    solche dinge sind heute nicht mehr vostellbar und haben sich sehr wohl verändert. letzte woche sangen die frankfurter im neckarstadion von "schwuulen, schwuulen stuttgarter". es muss diesbezüglich soweit kommen, dass auch das nicht mehr vorstellbar ist.

  • User
  • 25.11.2010 10:59:18 Yvy

    Was macht das Bild von Lutz Pfannenstiel da oben ?

  • User
  • 25.11.2010 11:22:19 gelsenkirchen

    02.03.2010 16:49:34 von sgu07
    jedes foul an ihm wurde mit einem aufschrei wie heute beim biathlon nach einem treffer gefeiert.


    hat später nur noch stefan effenberg erreicht!

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