Chinedu Ede im Porträt
Sinfonie der Großstadt
Text: Lucas Vogelsang Bild: Imago
Hertha oder Union – Hauptsache Berlin. Beim MSV Duisburg lief es nicht, nun ist der Straßenkicker und U21-Europameister Chinedu Ede zurück in seiner Heimatstadt. Da, wo er und sein Fußball hinpassen. Ein Ortstermin.
Chinedu Ede war weg. Eineinhalb Jahre lang, plötzlich kein Berliner mehr. Jetzt steht er an der Lüderitzstraße in Wedding, am ehemaligen Platz des BAK 07, ein Dribbling entfernt von der Wohnung seiner Eltern, dort, wo er aufgewachsen ist. Im Winter hat ihn der 1. FC Union geholt, und Chinedu Ede ist endlich wieder zu Hause: »Ich habe Berlin vermisst.«
Ede spricht leise, sein Atem tanzt in der kalten Winterluft. »Berlin ist meine Heimat, meine Kindheit, meine Freunde. Ich verbinde so viel mit dieser Stadt.«
Chinedu Ede war in Duisburg, in der westdeutschen Diaspora, zwischen Zebras und Industrie. Mit Peter Neururer an der Wedau. Für jemanden, der im Berlin der Nachwendezeit aufgewachsen ist, und besonders für Ede, muss sich das angefühlt haben wie eine Zwangsverschickung. Denn der 23-Jährige verkörpert diese Stadt wie derzeit kaum ein zweiter Spieler im Berliner Profifußball, der nur noch wenig lokale Identifikationsfiguren bietet. Ede ist in Wedding aufgewachsen, hat in Reinickendorf bei den Füchsen gespielt, ist dann zu Hertha BSC gegangen und nun in Köpenick angekommen. Viel mehr Berlin geht nicht.
Im Käfig
»Ich denke, ich bin genau das, was man einen Straßenfußballer nennt«, sagt er, während er das eiserne Tor eines dieser rostigen Metallgeflechte öffnet, die gerne als Käfig bezeichnet werden. Der Platz ist nicht groß, vielleicht sechs mal vier Meter, vielleicht weniger. Ein Käfig eben. Unter dem Schnee blitzt nasser, unebener Asphalt, an einer der Querseiten hängt ein Basketballkorb, als Tore dienen lediglich zwei schief aus dem Boden ragende Holzpfähle auf jeder Spielfeldseite. In diesem Käfig hat Ede angefangen, Fußball zu spielen und auch gelernt, sein Spiel den Gegebenheiten anzupassen. »Andere, die in schöneren Gegenden aufwachsen, spielen in ihrer Kindheit auf Rasenplätzen. Und wir haben eben immer nur auf diesem Steinboden gespielt. Dieses Klein-klein, viel mit der Sohle zu machen, das habe ich hier gelernt. Und das ist für mich auch typisch Berlin.«
Dass sich die Stadt auf sein Spiel gelegt hat, davon ist auch Wolfgang Damm überzeugt, der Chinedu Ede in Herthas U 15 trainiert hat: »So, wie Ede spielt, das lernst du nirgendwo anders. Diese Schlitzohrigkeit und die Fähigkeit, Dinge zu machen, die sich kein anderer trauen würde, das hat er quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Man merkt ihm auf dem Platz einfach an, dass er Berliner ist.«
Für den Durchbruch in Berlin hat es bisher trotzdem nicht gereicht. Dabei galt Ede immer als eines der größten Talente bei Hertha BSC, für viele war er sogar besser als Kevin-Prince Boateng oder Ashkan Dejagah. Mit 18 durfte er bereits für die U 23 in der Regionalliga spielen, wo er zusammen mit Patrick Ebert eine überragende Flügelzange bildete. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis sich Ede, der seit der U 17 alle Nachwuchsmannschaften des DFB durchlaufen hatte, auch bei den Profis durchsetzen würde. Doch auf dem nur scheinbar kurzen Weg in die Bundesliga geriet er in eine Sackgasse.
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