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02.03.2010

Lars Ricken über Talentehandel

»Keine Berater für Kinder«

Interview: Dominik Bardow  Bild: Imago

Früher sah er sich von Männern in Nadelstreifen umgeben, heute warnt Lars Ricken seine Jungs vor Beratern. Der BVB-Nachwuchschef über die Grenzen der Talente-Jagd, Konkurrenz aus England und große Geschäfte.

Lars Ricken über Talentehandel - »Keine Berater für Kinder«


Lars Ricken, was macht eigentlich ein Nachwuchskoordinator?

Eigentlich alles, was ein Sportdirektor im Profibereich auch tut. Auch wenn hinter dem Budget wahrscheinlich eine Null weniger steht. Die meiste Zeit geht für Vertragsgespräche drauf, ab der C-Jugend ist das in Deutschland möglich. Da können im Jahr schon einmal 50 bis 60 Vertragsgespräche anstehen.

Sind Sie als ehemaliger BVB-Profi eigentlich prädestiniert für den Job?

Ich glaube schon. Weil ich auf der einen Seite weiß, was man als Fußballer im Profibereich leisten muss und auf der anderen Seite glaubwürdig bin, weil ich meine ganze Karriere inklsuive Jugend beim BVB durchlaufen habe. Ich weiß, wo die Stolpersteine liegen.



Wenn Sie mit einem 14-Jährigen verhandeln, dann doch sicher mit seinen Eltern.

Nein. Zum großen Teil nicht mehr, denn Spielerberater fangen immer früher an. Bei 13-jährigen Jungs muss ich die Eltern bereits vorwarnen, dass sie mit Sicherheit schon bald Anrufe von diversen Beratern bekommen werden.

Helfen Ihnen da Erfahrungen aus Ihrer Zeit als Jugendfußballer?

Als ich selbst vor fast 18 Jahren Jugendspieler war, gab es das in der Form noch nicht. Heute werden in Deutschland laut offiziellen Zahlen im Jahr 60 Millionen an Spielerberater gezahlt, Tendenz steigend. Der Markt ist riesig. Dementsprechend aggressiv und forsch geht man auch schon an Jugendspieler ran.

Warum schon so früh?

Im Profibereich wird es immer schweriger einen Spieler zu finden, der noch keinen Berater hat. Im Zweifel muss man einen Profi von einem anderen Berater mit irgendwelchen Verlockungen oder Versprechungen abwerben. Deshalb sichten die Berater schon im Jugendbereich. Es gibt Agenturen, die bis zu 40 Jugendspieler unter Vertrag nehmen. Wenn es nur einer schafft, dann hat sich der Aufwand finanziell gelohnt.

In einem früheren Werbespot warnen Sie vor »Männern in Nadelstreifen« und »Geschäftemacherei ohne Ende«. Was sagen Sie heute Ihren Schützlingen?

Im Jugendbereich ist es wichtiger, dass die Eltern die Spieler vernünftig begleiten und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich glaube, das ist der gesündere Weg. Und zur Not sind wir, die Trainer oder ich als Nachwuchskoordinator, ja auch noch da. Ich will aber gar nicht ausschließen, dass es in den Übergängen vom Seniorenbereich auch mal Sinn macht, sich einen Berater zu nehmen. Gerade wenn es um größere Summen geht, bei denen man sich als Elternteil schon mal ein bisschen überfordert fühlen kann. Aber im Jugendbereich sehe ich da keine Notwendigkeit.

Sie scouten auch Jugendspieler – wie schwierig ist es im Ruhrgebiet, auf engstem Raum und großer Konkurrenz, Talente zu finden und zu verpflichten?

Wenn man sich Berlin, München oder Hamburg anschaut, dann haben die in ihren Regionen tatsächlich mehr Freiraum, als wir. Deshalb ist es selten so, dass wir die Einzigen sind, die einen talentierten Spieler entdecken. Dann müssen eben die Argumente stimmen, um ein junges Talent nach Dortmund zu lotsen.

Gehört zu diesen Argumenten auch, den Eltern der Spieler Jobs anzubieten, wie es bei vielen Vereinen üblich ist?

Bei uns gibt es das nicht, so etwas mache ich nicht mit. Ich habe selbst als Jugendspieler miterlebt, wie bei einem Mitspieler die Eltern mitgezogen sind nach Dortmund und all ihre Hoffnungen in die Hände bzw. die Füße des Jungen gelegt haben. Da baut man einen ungeheuren psychischen Druck auf.


weiterlesen [1] [2]



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