Der mieseste Abstiegskampf
Schlimmes Schneckenrennen
Text: Ron Ulrich Bild: Imago
Im Abstiegskampf unterbieten sich die Kellerkinder mit desolaten Leistungen, und nur ein einziger Hoffnungsschimmer bleibt den Teams: Die anderen sind noch schlechter. Was geht vor sich in der Fußball-Problemzone?
Da ist sie wieder: Die alte Mär von den 40 Punkten. Diese ominöse Zahl »40« geistert seit Jahren durch den Äther, wenn es um Ziele beim Abstiegskampf geht. 40 Punkte sollen es sein, um drin zu bleiben. Wenn man sich den derzeitigen Kampf um Platz 15 und den Erhalt der Ligazugehörigkeit anschaut, bleibt die Frage, ob die Clubs ihre Zähler zusammen schmeißen müssten, um irgendwann auf 40 Punkte zu kommen.
Das Abstiegsrennen der Fußball-Bundesliga ist mit dem Wort »Schneckenrennen« noch zu milde umschrieben. Bis so mancher Abstiegskandidat mal wieder dreifach punktet, ist Paolo Guerrero wahrscheinlich mit dem Fischkutter wieder in Hamburg angekommen.
Der SC Freiburg ist seit neun Spielen ohne Sieg, Hannover 96 bestritt die letzten zwölf Auftritte erfolglos. Beide Teams befinden sich jedoch immer noch nicht auf den existenzbedrohenden letzten beiden Plätzen der Tabelle. Und selbst die Hertha, die in der Rückrunde mit Heimnullnummern die große Aufholjagd verkaufte, schmiegt sich an die Konkurrenz heran – liegt zwei Punkte hinter einem Relegationsplatz und vier Punkte hinter dem rettenden Ufer. Man könnte meinen, um wirklich abzusteigen in dieser Saison, muss man es von ganzem Herzen wollen.
Deutsche Kellerkinder die schlechtesten Europas
Schaut man in die anderen europäischen Topligen, dann muss man konstatieren, dass Teams in der Abstiegszone in England, Spanien und Italien mehr Punkte auf der Habenseite haben. Gemessen an dem 23. Spieltag, an dem die Bundesliga gerade steht, gab es in Europa zwar genug Teams, die noch schlimmer als die Hertha auf dem letzten Rang vergammelten. Doch die Vor- und Drittletzten sammelten am 23. Spieltag ihrer Saison allesamt mindestens 20 Punkte, also alle mindestens drei mehr als Hannover und Nürnberg.
Dabei lobt man an der Bundesliga doch immer ihre Ausgeglichenheit. Dass die Liga zu einer Dreiklassengesellschaft verkommt, zeigen aber deutliche Ergebnisse. Die letzten Drei der Tabelle trafen in elf Spielen auf die Top Drei, im Klartext: Hertha, Nürnberg und 96 auf Leverkusen, Bayern und Schalke. Von elf Spielen gingen gerade einmal zwei unentschieden aus, neunmal triumphierten die Topteams bei einem Torverhältnis von 24:7.
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