Taktikschulung bei Louis van Gaal
»Ihr Name, Ahnungsloser.«
Text: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago
Nach seinem Rundumschlag lud Louis van Gaal gestern zur geheimen Taktikschulung für ahnungslose Sportjournalisten an die Säbener Straße. Uns wurde ein geheimes Protokoll zugespielt, das Erstaunliches offenbart.
Ein sonniger Sonntagmorgen an der Säbener Straße. Nach seiner Monumentalkritik am Fußball-Sachverstand der meisten Journalisten lädt Bayern-Trainer Louis van Gaal zur Taktiknachhilfe. Dem Ruf folgen die Schwergewichte des Geschäfts. Wir haben dem geballten Sachverstand gelauscht.
Säbener Straße, 11:45 Uhr:
Louis van Gaal (das Wort ergreifend): Hoi Journalisten. Ich kenne einige von Ihnen noch nicht. Deswegen schlage ich vor, dass wir uns alle kurz vorstellen. Mein Name ist Louis van Gaal, ich bin Trainer, ein richtig goeder, von einer richtig goeden Mannschaft, die selbst dann goed spielt, wenn sie nicht goed spielt. Der nächste, bitte.
Beckmann (forsch): Louis, dürfte ich Dir direkt mal eine Frage stellen? Ich stelle mir Deine Arbeit...
Van Gaal (strikt): Kennen wir uns? Ich sage auch nicht Du. Wir sagen Sie. Und jetzt vorstellen. Keine Fragen.
Beckmann (kleinlaut): Hm, nun gut. Ich bin Reinhold Beckman, das Gesicht der ARD, ran-Erfinder, Ästhet.
Töpperwien (dazwischen funkend): Reinhold? Wird dein Vorname nicht Reinold ausgesprochen, ganz ohne h? Nur so eine Frage.
Beckmann (ausholend): Ich stelle mir meinen Namen immer so vor wie ein Boot, das ganz langsam auf einen See hinausfährt. Mein Name ist dann wie ein langer Schleier aus Nebel und Wasser. Er duftet nach frischer Morgenluft.
van Gaal (kurz angebunden): Ist gut jetzt. Also Herr Beckmann, Herr Töpperwien. Fehlen noch zwei. Den Herren mit den blonden Haaren kenne ich vom Wochenende. Wie heißen Sie noch einmal, Ahnungsloser?
Nickles (trocken): Nickles, Dieter Nickles, Herr van Gaal.
Reif (genervt): Freunde, wenn wir hier so anfangen, dann können wir gleich einpacken. Das hat nichts mit Fußball zu tun. Also lasst uns anfangen. Ich soll hier arbeiten.
van Gaal: Sehr gut. Fangen wir an. Erstes Thema: Abseitsfalle. Wir spielen auf einer horizontalen Linie, der Viererkette.
Nickles (murmelnd mitschreibend): Vie-rer-ket-te.
Van Gaal: Im Zentrum bestimmen Herr Demichelis und Herr van Buyten in der Regel wann Abseits gestellt wird. Es ist eine Frage der Raumaufteilung.
Reif (nuschelnd): Alter Hut.
Nickles (murmelnd mitschreibend): De-mi-che-lis. Raum-auf-tei-lung.
Van Gaal (professoral): Wir rücken auf Kommando raus und dann kommt der Pfiff vom Schiedsrichter.
Töpperwien (blitzschnell): Zum Beispiel von Lutz Wagner vom SV 07 Kriftel. Der angestellte Fertigungsleiter ist ein tadelloser Unparteiischer.
Van Gaal: Ruhe bitte. Hat jemand dazu eine Frage?
Beckmann (investigativ): Mich würde interessieren wie sie sich fühlen, wenn eine Abseitsfalle zuschnappt. Ich stelle mir das so vor, als wenn einer meiner Witze beim Publikum ankommt. Dieses seltene, warme Gefühl im Magen, die schwitzigen Hände...
Reif (noch genervter): Freunde...
Van Gaal (stakkatoartig): Eine Abseitsfalle ist eine Abseitsfalle. Mehr nicht. Kommen wir zum nächsten Thema: Ballbesitz. Unser Ziel ist die totale Kontrolle des Spiels. Wir wollen den Ball so lange wie möglich in den eigenen Reihen zirkulieren lassen. Dazu brauchen wir goede Spieler wie Schweinsteiger, van Bommel und Tymoschtschuk.
Töpperwien (einhakend): Interessant. Übrigens Tymoschtschuk wird ja oft falsch ausgesprochen, da muss man die Betonung hauchzart auf das erste SCH legen und das T dann hart aussprechen. Wird oft falsch gemacht. Kardinalsfehler.
Nickles (murmelnd-mitschreibend): Ti – mosch- tschukk






