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22.02.2010

Taktikschulung bei Louis van Gaal

»Ihr Name, Ahnungsloser.«

Text: Benjamin Kuhlhoff  Bild: Imago

Nach seinem Rundumschlag lud Louis van Gaal gestern zur geheimen Taktikschulung für ahnungslose Sportjournalisten an die Säbener Straße. Uns wurde ein geheimes Protokoll zugespielt, das Erstaunliches offenbart.

Taktikschulung bei Louis van Gaal - »Ihr Name, Ahnungsloser.«


Ein sonniger Sonntagmorgen an der Säbener Straße. Nach seiner Monumentalkritik am Fußball-Sachverstand der meisten Journalisten lädt Bayern-Trainer Louis van Gaal zur Taktiknachhilfe. Dem Ruf folgen die Schwergewichte des Geschäfts. Wir haben dem geballten Sachverstand  gelauscht.



Säbener Straße, 11:45 Uhr:

Louis van Gaal (das Wort ergreifend): Hoi Journalisten. Ich kenne einige von Ihnen noch nicht. Deswegen schlage ich vor, dass wir uns alle kurz vorstellen. Mein Name ist Louis van Gaal, ich bin Trainer, ein richtig goeder, von einer richtig goeden Mannschaft, die selbst dann goed spielt, wenn sie nicht goed spielt. Der nächste, bitte. 

Beckmann (forsch): Louis, dürfte ich Dir direkt mal eine Frage stellen? Ich stelle mir Deine Arbeit...

Van Gaal (strikt): Kennen wir uns? Ich sage auch nicht Du. Wir sagen Sie. Und jetzt vorstellen. Keine Fragen.

Beckmann (kleinlaut): Hm, nun gut. Ich bin Reinhold Beckman, das Gesicht der ARD, ran-Erfinder, Ästhet.

Töpperwien (dazwischen funkend): Reinhold? Wird dein Vorname nicht Reinold ausgesprochen, ganz ohne h? Nur so eine Frage.

Beckmann (ausholend): Ich stelle mir meinen Namen immer so vor wie ein Boot, das ganz langsam auf einen See hinausfährt. Mein Name ist dann wie ein langer Schleier aus Nebel und Wasser. Er duftet nach frischer Morgenluft.

van Gaal (kurz angebunden): Ist gut jetzt. Also Herr Beckmann, Herr Töpperwien. Fehlen noch zwei. Den Herren mit den blonden Haaren kenne ich vom Wochenende. Wie heißen Sie noch einmal, Ahnungsloser?

Nickles (trocken): Nickles, Dieter Nickles, Herr van Gaal.

Reif (genervt): Freunde, wenn wir hier so anfangen, dann können wir gleich einpacken. Das hat nichts mit Fußball zu tun. Also lasst uns anfangen. Ich soll hier arbeiten.

van Gaal: Sehr gut. Fangen wir an. Erstes Thema: Abseitsfalle. Wir spielen auf einer horizontalen Linie, der Viererkette.

Nickles (murmelnd mitschreibend): Vie-rer-ket-te.

Van Gaal: Im Zentrum bestimmen Herr Demichelis und Herr van Buyten in der Regel wann Abseits gestellt wird. Es ist eine Frage der Raumaufteilung.

Reif (nuschelnd): Alter Hut.

Nickles (murmelnd mitschreibend): De-mi-che-lis. Raum-auf-tei-lung.

Van Gaal (professoral): Wir rücken auf Kommando raus und dann kommt der Pfiff vom Schiedsrichter.

Töpperwien (blitzschnell): Zum Beispiel von Lutz Wagner vom SV 07 Kriftel. Der angestellte Fertigungsleiter ist ein tadelloser Unparteiischer.

Van Gaal: Ruhe bitte. Hat jemand dazu eine Frage?

Beckmann (investigativ): Mich würde interessieren wie sie sich fühlen, wenn eine Abseitsfalle zuschnappt. Ich stelle mir das so vor, als wenn einer meiner Witze beim Publikum ankommt. Dieses seltene, warme Gefühl im Magen, die schwitzigen Hände...

Reif (noch genervter): Freunde...

Van Gaal (stakkatoartig): Eine Abseitsfalle ist eine Abseitsfalle. Mehr nicht. Kommen wir zum nächsten Thema: Ballbesitz. Unser Ziel ist die totale Kontrolle des Spiels. Wir wollen den Ball so lange wie möglich in den eigenen Reihen zirkulieren lassen. Dazu brauchen wir goede Spieler wie Schweinsteiger, van Bommel und Tymoschtschuk.

Töpperwien (einhakend): Interessant. Übrigens Tymoschtschuk wird ja oft falsch ausgesprochen, da muss man die Betonung hauchzart auf das erste SCH legen und das T dann hart aussprechen. Wird oft falsch gemacht. Kardinalsfehler.

Nickles (murmelnd-mitschreibend): Ti – mosch- tschukk


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Kommentare

  • User
  • 22.02.2010 15:50:21 calmon

    Ich kann Van Gaals Kritik nachvollziehen.

    Journalisten stellen ihre Fragen ziemlich ergebnisorientiert, ich weiss nicht warum das so ist und vor allem warum das so sein soll.

    Ich denke es hängt einfach mit der Natur der Sache zusammen. Vermutlich ist es den Lesern nicht zu vermittlen warum jemand gut/besser gespielt und trotzdem verloren haben soll.

    Letztendlich sind wir also selber schuld.

  • User
  • 22.02.2010 16:20:15 GTEvo

    abba das "antizyklisch" hat man dem Nickles geklaut!

    Der hat dass, VGaals effekthäscherische Situationskomik, so umschrieben.
    Peinlich als Journalist Ihm sein Geistiges Eigentum zu stehlen und es als Pamphlet zu missbrauchen.

  • User
  • 22.02.2010 16:22:43 GTEvo

    ich meine den Antizyklischen Beitrag aus der Süddeutschen....

  • User
  • 22.02.2010 17:34:22 MarekMarek

    Ich denke, dass VG ab und zu Recht hat. Als halbwegs intelligentem Menschen müssen einem die ewigen Suggestivfragen der Journalisten irgendwann gewaltig auf den Wecker gehen. Und wenn die dann noch holzschnittartig auf immer die gleiche Weise gestellt werden, nur mit dem Ziel, eine bestimmte, ja eigentlich bereits schon vornotierte Antwort zu bekommen, geht es bei manchen schnell ans Eingemachte.
    Fachkompetenz stelle ich als Sportjournalist auch eher nicht unter Beweis, wenn ich frage: "Warum hat Ihre Mannschaft heute so schlecht gespielt?", "Warum trägt der Robben lange Unterhosen?" oder "Der verletzte XY ist ein toller Spieler. Wie sehr fehlt er ihnen?".
    Bei dem Spiel gegen Nürnberg hatte VG ganz besonders Recht. Aus seiner Sicht. Das Spiel der Mannschaft entsprach in weiten Teilen exakt seinen taktischen Vorgaben. Sie haben die meiste Zeit tatsächlich vieles besser gemacht als gegen Florenz, vergleicht man mal reale Laufwege mit den Lehrbuchschablonen. Natürlich auch, weil sie niemand beim Ball hin und her schieben gestört hat. ;) Aber das Schöne im Fußball ist ja, dass sich die Ergebnisse nicht immer aus der Qualität des Spiels oder einer der jeweiligen Mannschaften ableiten lassen. Da muss man das eigentliche Spiel und das letztendliche Ergebnis voneinander getrennt bewerten. Das VG das sogar bei gewonnenen Spielen macht, finde ich um so sympathischer. Das jedoch scheint vielen Journalisten nicht immer zu gelingen.

  • User
  • 22.02.2010 17:37:47 MarekMarek

    Ach ja, ganz vergessen. Der Text: Gute Satire ... Sie trifft!

  • User
  • 22.02.2010 18:23:05 pandrodor

    Ich finde vor allem den unaustehlichen Beckmann gut getroffen.

  • User
  • 23.02.2010 10:13:58 inselimfluss

    Nicht das ich jetzt Ernst mit Louis vergleichen möchte, aber Middendorp hat ihm missfallende Journalisten schon mal gerne als Bratwurst bezeichnet, finde ich viel treffender als Ahnungsloser.

  • User
  • 23.02.2010 10:39:22 Wolle Petterson

    Beckmann ist nicht auszuhalten. Aber auf der anderen Seite bin ich froh dass Kerner nicht dabei war :-)

  • User
  • 23.02.2010 10:57:17 oranje49

    Och, der Louis ist auch nicht schlecht getroffen. Der ist nunmal wirklich so. Unglaublich besserwisserig und arrogant. Er hat in NL die Journalisten auch immer so behandeld, so von: ich, der absolut voll Ahnung habende, ihr, die völlige Vollblöden.

    Der kann sich auch als Bundestrainer der D-Nationalmannschaft vorstellen, um so Weltmeister zu werden. Natüürlich Louis, oh Verzeihung Herr von Chaal, wenn man Sie als solches schon benennt, dann ist deine Mannschaft schon Weltmeester, huh?

    Allein deshalb schon sollen die Bayern, solange dieser Siez-Herr da ist, die Schale niecht bökomme. Louis, chähe naar Mallorca of zo! Aber erspare die Fußballwelt mit deinen komischen Weisheiten...!

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