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Zum Tode von Eia Krämer

Zebra-Twist im Himmel

Text: Alex Raack  Bild: Imago

Das Ruhrgebiet hat schon viele Legenden kommen und gehen sehen. Seit Freitag gehört auch Werner »Eia« Krämer zum Kreis der toten Heroen. Mit 70 Jahren starb der ehemalige Nationalspieler in seiner Heimatstadt Duisburg.

Zum Tode von Eia Krämer - Zebra-Twist im Himmel


Es gibt Momente im Leben, die vergisst man nicht. Den ersten Schultag. Den ersten Kuss. Oder die erste Flanke von »Eia« Krämer.

Hans Walitza, der immer noch unvergessene Torjäger vom VfL Bochum, kann sich noch ganz genau daran erinnern. »Aufstiegsrunde 1970, das erste Spiel gegen Kickers Offenbach. Auf rechts hat sich Eia durchgetankt und schlägt eine unglaubliche Flanke.« Walitza fliegt durch die Luft, erwischt den Ball mit dem Kopf und erzielt eines der schönsten Tore der Bochumer Fußball-Geschichte. »Ich habe den Arjen Robben am Wochenende gesehen«, sagt Walitza. »Ein fantastischer Spieler! Schnell. Eine enge Ballführung. Die Flanken wie Schüsse. So war Eia Krämer.«

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Am vergangenen Freitag ist der Bundesliga-Held von einst verstorben. Der Dialysepatient war in seinen letzten Lebensjahren gesundheitlich so schwer gezeichnet, dass seine ehemaligen Mitspieler ihn fast nicht wieder erkannten. »Vor zwei Jahren trafen wir uns im Vorfeld des deutschen Länderspiels gegen die Schweiz«, erzählt Willi Schulz, der 1966 bei der Weltmeisterschaft und später beim Hamburger SV gemeinsam mit Krämer gegen den Ball trat, »wir gingen zum Frühstück und er zur Dialyse. Es war unglaublich traurig.«

»Wir gingen zum Frühstück, er zur Dialyse«

Beim 80. Geburtstag des Bochumer Ehrenpräsidenten Ottokar Wüst im Dezember 2005 steht natürlich auch Krämer auf der Gästeliste. »Als ich ihn sah«, erinnert sich Hans Walitza, »musste ich weinen. Er war so schwer gezeichnet.« Doch die Erinnerung an den Fußballer »Eia«, bleibt nicht nur den Veteranen erhalten. Erstmals auf der deutschen Fußball-Bühne im Sommer 1959, avanciert Krämer schnell zu einem der aufregendsten Offensivspieler der Oberliga West. Längst schon nennen ihn alle nur »Eia« und die Geschichte hinter dem so geheimnisvollen Spitznamen ist fast beschämend simpel: Seit der junge Werner Schulkameraden mit Eiern bombardierte, rufen ihn die Jungens aus der Nachbarschaft im tiefen Ruhrpott-Deutsch »Eia«.

1963 gehört er mit seinem Heimatverein Meidericher SV zu den Gründungsmitgliedern der neu geschaffenen Bundesliga und schenkt dem Karlsruher SC unter den Augen von Bundestrainer Sepp Herberger gleich mal zwei Hütten ein. »Er war schlichtweg genial«, schwärmt Schulz von dem Mann, den er in den ersten Jahren noch als Gegenspieler vor sich hatte. Für den Verteidiger eine grausame Aufgabe: »Er war so schnell, so trickreich und wenn er wollte ist einfach vom rechten auf den linken und dann wieder auf den rechten Flügel gewechselt.«

Wo liegt Meiderich?

Der MSV aus Duisburg wird in der ersten Bundesliga-Saison Zweiter hinter dem 1. FC Köln und verhilft damit einem ganzen Stadtteil zu nationaler Berühmtheit. Vor dem ersten Spieltag hatte HSV-Star Uwe Seeler noch gefragt: »Meiderich, wo liegt das denn?«, was den kleinen Verein aus dem Ruhrgebiet zu einer längst legendären Vereinshymne animierte: Dem »Zebra-Twist«. Seither singen sie im Wedaustadion: »Zebrastreifen weiss und blau, ein jeder weiss genau: das ist der MSV! Wo alle Mann, mit Helmut Rahn, sie kämpfen, greifen an, gut abgewehrt, und wieder vor, dann Krämer, Pass und Tor.«

1966 – »Eia« ist längst nicht mehr wegzudenken aus Duisburg – steht er im Kader für die Weltmeisterschaft in England. Kurz vor dem ersten Spiel gerät Krämer mit Bundestrainer Helmut Schön aneinander. Der Dresdener wirft dem schnellen Mann aus dem Ruhrgebiet übermäßigen Bierkonsum vor und befiehlt, den Alkoholgenuss einzustellen. Ben Redelings hat die Anekdote in seinem Buch »Dem Fußball sein Zuhause« verewigt: »Völlig geschockt kam der Spieler des MSV nach dem Gespräch aus der Kabine, öffnete sich erst einmal ein schönes Pülleken Bier zu Beruhigung und trat dann, ohne weiter über die Konsequenzen nachzudenken, dem Bundestrainer erneut unter die Augen: »Wenn Sie so mit mir sprechen, Trainer, dann fahr ich lieber nach Hause. Denn dat Biertrinken, dat können Sie mir nicht nehmen!«


weiterlesen [1] [2]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Hamburger Sport Verein, MSV Duisburg, VfL Bochum


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Kommentare

  • User
  • 15.02.2010 19:36:44 GTEvo

    Wunderbarer Gedenk Artikel Alex!
    Großartig!


    GlückAuf
    Holger

  • User
  • 15.02.2010 21:35:48 AntiMöller

    So gut wie Robben? Wow! Schade, ich war noch zu jung. (youtube gibt nix her. Weiss jemand einen link?)

    r.i.p.

  • User
  • 15.02.2010 22:29:19 Ennatz

    danke!

  • User
  • 16.02.2010 11:13:00 schappi1848

    Hier hast Du ein paar Infos. Etwas weiter unten auf der Seite.

    Hab ihn leider auch nicht mehr gesehen, Ich kam 3 Jahre zu spät ins Stadion

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