Die Elf des Spieltags
Die Leiden des jungen S.
Text: Ron Ulrich und Alex Raack Bild: Imago
Hannover versinkt in Chaos und Abstiegsangst, Leverkusen bleibt eisern und in Hamburg schießt sich ein Rentner in den deutschen Fußball-Himmel. Wie immer vollkommen unparteiisch und überparteilich. Unsere Elf des Spieltags.
Torwart
André Lenz
Dass Bayer Leverkusen als einzige Mannschaft in Europa noch in dieser Saison noch ungeschlagen ist, haben die Jungs von Jupp Heynckes dem freundlichen André Lenz zu verdanken. Dass Gesichtsdouble von Simon Jentzsch (früher Wolfsburg, jetzt Augsburg) hielt erst 48 Minuten lang fantastisch, ehe er einen harmlosen Freistoß von Kroos aus seinen großen Händen fallen ließ und so dem dankbaren Stefan Reinartz die Führung ermöglichte. 20 Minuten später schmetterte Derdiyok einen Kopfball an die Latte, das Spielgerät prallte gegen armen Lenz und von dort ins Tor. Es gibt Tage, da wären Torhüter doch lieber im Hotelbett geblieben.
Abwehr
Andrea Barzagli
Der Italiener in Diensten des VfL Wolfsburg hatte bislang eigentlich ganz umgängliche Trainer in der Bundesliga. Erst den Meistermacher Felix Magath, dann den netten Armin Veh. Jetzt aber weht ein anderer Wind in der Autostadt, denn Lorenz-Günther Köstner is back. Bekannt für Sprüche wie »Die holen sich einen Popel aus der Nase und brechen sich noch den Finger dabei« und anderen Kostbarkeiten. Weil Barzagli trotz Wolfsburger Pannenserie während des Spiels gegen Bayer Leverkusen lieber bei der Geburt seines Sohnes dabei sein wollte, als auf dem Rasen, moserte sein neuer Coach später süffisant: »Jupp und ich sind noch von einem anderen Schlag. Erst spielen, dann ab nach Hause. Ich bin mal gespannt, wann die Männer die Kinder kriegen und die Frauen zugucken.« Viel Spaß dann noch.
Maik Franz
Der Frankfurter musste im Spiel gegen den SC Freiburg seine Wettschulden begleichen. Franz hatte mit einem hessischen Radiosender gewettet, dass die Eintracht das Spiel gegen Köln gewinnt. Wetteinsatz: Beim Spiel gegen Freiburg mit einer grünen langen Unterhose zum Warmmachen auf den Platz kommen. Franz verlor, sein Wettgegner war ein gewisser Radiomoderator namens Felix Möse. Interessante Geschichte und wir fragen uns ob der knalligen Auswärtstrikots des VfL Bochum, gegen wen der VfL denn da eine Wette verloren hat.
Christian Schulz
Er konnte einem schon richtig leid tun: Gegen seinen Ex-Club Werder Bremen ackerte Schulz und erzielte das einzige Tor der enttäuschenden Hannoveraner. Nur zwanzig Minuten später musste der 96er dann aber verletzt raus. Ein Symbol für die Leiden an der Leine: Verletzungen en masse und Misserfolge am Stück. Es ist wie in einem billigen Comic, wenn alles auf einmal kommt. Schulz hätte beim Abtransport auf der Trage noch fallen gelassen, von einem Amboss und einem Klavier getroffen und von einer herbeilaufenden Elefantenherde überrannt werden müssen, um den Comicstrip perfekt zu machen.
Mittelfeld
Michael Ballack
Sie hassen ihn, sie lieben ihn. Kaum schießt Michael Ballack mal wieder ein Tor, wie jetzt im FA-Cup gegen Zweitligist Cardiff, schon jubelt die englische Presse über »Weltklasse-Mann« aus Germany. Dabei sei an Sätze wie diese aus schlechteren Tagen erinnert: »Mit jedem weiteren Spiel wirken die 130.000 Pfund Wochengehalt wie purer Wucher.« (Quelle: Daily Mirror)





