Die Dortmunder Naivität
Too young to win
Text: Thorsten Schabelon Bild: Imago
Durch das 2:3 gegen Frankfurt hat Dortmund nun zweimal hintereinander verloren – ein Novum in dieser Saison für den jungen und erfolgshungrigen BVB. »Wir haben das Spiel durch Naivität verloren«, sagt Verteidiger Hummels.
Mit dem 1:4 von Borussia Dortmund vergangene Woche beim VfB Stuttgart endete eine stolze wie beeindruckende Serie. Zwölf Mal hatte der BVB bis zur Pleite im Schwabenland nicht verloren, zuletzt gar sechs Mal in Serie gewonnen. »Wir werden jetzt eine neue Serie starten«, kündigte Nuri Sahin nach der Pleite beim VfB vollmundig an. Der Jungkapitän sollte recht behalten, auch wenn seine Planungen vor dem gestrigen Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt anders ausgesehen haben dürften.
Denn nach dem 2:3 (1:1) gegen die Hessen hat der BVB zum zweiten Mal in Folge verloren. Ein Novum in dieser Saison für die junge Mannschaft, die mit ihrer punktereichen Sturm- und Drang-Phase bis auf den vierten Tabellenplatz und damit auf einen der so begehrten Europapokal-Ränge geklettert war. Einen geldwerten EU-Rang halten die Dortmunder als Fünfter zwar immer noch. Aber die Luft nach unten ist nach der eigenen Niederlage und dem Sieg von Werder Bremen dünner geworden. Ärgerlich zudem: Mit einem durchaus greifbaren Dreier der Marke »Arbeitssieg« hätte sich der heimstarke BVB gegenüber den Konkurrenten aus Schalke (0:0) und Hamburg (3:3) besser positionieren können. »Aber«, ärgerte sich Mats Hummels und überlegte lange an den treffenden Worten, »heute hat sehr wenig geklappt. Wir haben das Spiel durch Naivität verloren«.
Die Naivität einer jungen Mannschaft, die offensiv wie defensiv kaum zu übersehen war. Keine Ideen, keine Kreativität gegen die tief stehenden sowie leidenschaftlich wie konsequent verteidigenden Gäste ließ der BVB Ideen und Kreativität vermissen. Bezeichnend: Lediglich dem 2:1 (57.) von Lucas Barrios nach Zuspiel von Patrick Owomoyela auf Flankengeber Mohamed Zidan ging ein wirklich sehenswerter Spielzug voraus. »Wir haben ansonsten die falschen Mittel gewählt. Uns hat der ruhige Blick in den Situationen gefehlt«, sagte Jürgen Klopp mit Blick auf die Unruhe und Ungeduld im Spiel seiner Mannschaft und das bedingungslose BVB-Bombardement mit langen wie hohen Bällen in die Spitze.
Kleiner Köhler trifft per Kopf
Der Gegner aus Frankfurt glänzte indes auch nicht mit Zauberfußball. Aber für den BVB vom Sonntagabend sollte eine taktisch disziplinierte, zweikampfstarke und extrem zielführende Leistung reichen. Schon nach acht Minuten hatte Frankfurts Benjamin Köhler, mit 1,72 Meter kleinster Spieler auf dem Feld, Abstimmungsprobleme in der ungewöhnlich anfälligen BVB-Deckung genutzt und das 1:0 geköpft. Es war das erste BVB-Gegentor im heimischen Stadion seit dem 26. September 2009. Mats Hummels (17.) glich aus, Barrios erzielt die erwähnte Führung.
Und der Arbeitssieg zur Sicherung des vierten Tabellenplatzes war greifbar wie nah für die Mannschaft von Jürgen Klopp. »Aber auf einigen Positionen hatten wir heute Probleme mit dem Platz, dem Gegner und dem Ball«, klagte der Trainer. So wie beim 2:2 (65.), als Dortmunds Torwart Marc Ziegler der leicht abgefälschte Schuss von Frankfurts Sebastian Jung durch die Lappen ging. Oder wie beim 2:3 (74.), als der schon sicher geglaubte Querpass von Selim Teber Patrick Owomoyela durchrutsche und Frankfurts Alexander Meier einschob.
»Ich bin ja nur froh, dass wir heute nicht gegen die Bayern gespielt haben«, sagte Jürgen Klopp. Das Duell mit dem Serien-Sieger aus München steht aber kommenden Samstag an. Und dann droht der zwischenzeitlich komfortable Abstand des BVB zu den Nicht-Europapokalplätzen weiter zu schrumpfen.






