Der Spieltag in der Zusammenfassung
Die Torsong-Tragödie
Text: Dénes Jäger Bild: Imago
Die Auswärtsfahrt gleicht einem Martyrium. Von der Polizei eingepfercht, ist man im Gästeblock all den kulturellen Eigenheiten der Heimmannschaft ausgeliefert. Auch am 21. Spieltag mussten Auswärtsfans einiges ertragen.
Als Hamburger hat man es in Köln ohnehin schon schwer: Kein Bier, keine Elbe, keine Ruhe. Ist außerdem gerade noch fünfte Jahreszeit, muss es schon triftige Gründe geben, den weiten Weg die A1 abwärts anzutreten. Für etwa fünftausend Nordlichter schien ein Auswärtsspiel im RheinEnergieStadion genau unter diese Kategorie zu fallen – nach 90 Minuten blieb den meisten Fans aber nur noch der Griff zum schalen Kölsch, um den Trip doch noch etwas zu retten.

Zunächst verlief alles nach Plan, als der überragende Marcell Jansen bereits nach zwei Minuten zu seinem ornithologisch wertvollen Torjubel ansetzten durfte. Das Kölner Team, das in der Hinrunde bei diesem Spielverlauf schon längst die Segel gestrichen hätte, ließ sich aber nicht davon beeindrucken, sondern entwickelte in der Folge sogar so etwas wie Torgefahr, die schließlich in der 31. Minute in den Ausgleichstreffer von Kapitän Mohammad mündete. Dieser bedeutete zudem, dass der Stadion-DJ endlich die Tormusik zur Karnevalszeit auflegen durfte: Poppe, Kaate, Danze von den Brings. Gerade als bei den Hamburgern nach diesem Kulturschock erste Zweifel ob der Lohnenswertigkeit ihrer weiten Reise anflogen, bereitete auf der anderen Seite der gebürtige Mönchengladbacher Jansen den erneuten Führungstreffer vor.
Angst vor der Rothosenviertelstunde
Kurz nach der Pause erhöhte Petric mit seinem zweiten Treffer gar auf 3:1 – bis in der 75. Minute bange Blicke aus dem Gästeblock folgten: Die Rothosenviertelstunde war angebrochen. Bereits sieben Mal musste Hamburgs Chef-Lokomotivführer Frank Rost in den letzten 15 Minuten hinter sich greifen, und auch am Samstag gelang es ihm nicht, mit der Tradition der Hinrunde zu brechen. Zwei weitere Torjubelpausen mussten die hanseatischen Fans die Klänge der schmerbäuchigen Karnevalisten über sich ergehen lassen, bis der Schlusspfiff den Anhängern Erlösung und den Kölnern einen verdienten Punkt brachte.
Sinsheimer Motivationskunst
Von so viel rheinischer Stadionkultur kann der TSG Hoffenheim nur träumen. Als Torsong läuft hier kein tief verwurzeltes Kulturgut, sondern der Kraichgauer Kirmesschlager „Was wollen wir trinken...“. Unter dieser Voraussetzung dürfte die andauernde Torflaute bei den Fans im Stadion vielleicht nicht nur als negativ aufgefasst worden sein. A diesem Spieltag war jedoch Hannover zu Gast, gegen die es in der aktuellen Form schwer fällt, keinen Torjubel erschallen zu lassen. Nach knapp 40 Minuten war das Spiel dann auch schon gelaufen. Die Mannen um Rhein-Neckar-Ronaldinho Carlos Eduardo brauchten nur zwei Mal die Leistungsfähigkeit vergangener Tage aufblitzen zu lassen, um in Folge mit einer 2:0 Führung im Rücken die Leinestädter zu kontrollieren. Zwar sorgten auf der anderen Seite Hannovers Neuzugänge Elson und Koné für mehr Torgefahr als zuletzt, aber der Anschlusstreffer zum 2:1 blieb ein Strohfeuer.








