Christoph Preuß blickt zurück
»Es war doch geil«
Text: Dominik Bardow Bild: Imago
Mit 28 muss Christoph Preuß seine Karriere bei Eintracht Frankfurt beenden. Beim Spiel gegen Dortmund ist er nur noch Fan. Im Interview spricht er über zahllose OPs, unmenschliche Belastungen und den einen Fallrückzieher.
Christoph Preuß, nach Ihrem letzten Spiel für Eintracht Frankfurt, vor zwei Wochen in Nürnberg, haben Sie sich ein Megaphon geschnappt und mit den Fans in der Kurve gefeiert. War das die Erleichterung über Ihr Comeback?
Es war so: Ich habe mich schon relativ früh warmgelaufen. Während des Dehnens hinter dem Tor habe ich dann gehört, dass die Fans meinen Namen rufen. Da habe ich nach dem Spiel gesagt: Kommt her, wir gehen hin und bedanken uns für das Mitreisen.

Eine Woche später, beim Heimspiel gegen Köln, traten Sie erneut vor die Fankurve. Diesmal um sich verabschieden.
Das Ganze ging Schlag auf Schlag: Von Sonntag auf Dienstag sind die Schmerzen gekommen. Donnerstag habe ich meinen Rücktritt bekannt gegeben und mich Samstag verabschiedet. Es war aber kein Entschluss, der in zwei Tagen gefallen ist. Die Überlegung war schon ausgereift: Wenn die Verletzung wieder aufbrechen sollte, dann ist endgültig Schluss. Denn sieht man es einmal ganz nüchtern: Ich hätte mein nächstes Spiel in anderthalb Jahren gemacht, mit 30. Und wenn’s dann wieder nur drei Spiele wären...
Wie war der Moment, als die Diagnose kam?
Ich war darauf vorbereitet. Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet, als ich am Dienstag das Training abbrechen musste. Das war 2007 anders: Ich stand unter Schock, als ich bei Dr. Boenisch im Büro saß und er mir mitteilte, dass ich einen Knorpelschaden hatte. Ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht, dass es etwas so Schwerwiegendes ist. Er hat mir dann die einzelnen Grade eines Knorpelschadens aufgelistet und wie schwer meiner ist.
Der schwerste Grad?
Genau. Ich bin dann auf eigene Kosten zu Dr. Steadman in die USA geflogen. Aber weil die Verletzung so schwer war, stand in der Schwebe, ob er mich überhaupt operieren würde. Erst nach stundenlangem Überlegen und nachdem er sich das Video von der ersten OP angeschaut hatte, sagte er, dass er vielleicht habe er eine Idee habe, wo er noch etwas machen könnte, dass das Knie vielleicht hält und ich nochmal spielen könnte.
Es hielt nicht. Wie schwer fiel der Entschluss, zurückzutreten?
Ich bin 28, ich habe Familie, ein kleines Kind und möchte nicht mit 30 ein künstliches Kniegelenk bekommen. Für mich wäre es im Moment schon ein Fortschritt, wenn ich im Alltag wieder ohne Schmerzen laufen könnte.
Eine OP-Reise auf eigene Kosten, Monate ohne Familie, danach zwei Jahre Reha, die Sie eine »unmenschliche Belastung« nannten. Warum tut man sich das an?
Weil ich fußballverrückt und mit dem ganzen Herzen dabei bin. Weil ich jede Sekunde genossen habe: in den Stadien einzulaufen, mit unserem Fans im Rücken. Ich habe ja auch am Samstag vor dem Spiel zu den Fans gesagt: »Danke für die ganzen Gänsehautmomente!« Wenn man einläuft und die Namen gerufen werden, das pusht einen unheimlich, das ist das schönste Gefühl.
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