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04.02.2010

Wie Heidel Spieler nach Mainz holt

»Ich bin ja nicht Uli Hoeneß«

Interview: Ron Ulrich  Bild: Imago

Zum Abschluss der Transferperiode holte Mainz 05 noch zwei Spieler, darunter Überraschungscoup Malik Fathi. Manager Christian Heidel berichtet hier von Metzgern mit Visitenkarten und seinen Spionagen in Bremen.

Wie Heidel Spieler nach Mainz holt - »Ich bin ja nicht Uli Hoeneß«


Herr Heidel, Mainz 05 ist noch einmal ordentlich auf dem Transfermarkt tätig geworden. Nach Jan Simak kamen nun Radoslav Zabavnik und Malik Fathi. Wie kommen solche überraschenden Transfers zu Stande?

Malik Fathi kannten wir natürlich schon lange aus der Bundesliga. Wir haben uns nochmal ein Spiel in Moskau von ihm auf DVD angeschaut, danach haben wir Kontakt zu seinem Berater aufgenommen. Bei Radoslav Zabavnik lief es anders. Ihn haben wir bei einem Länderspiel der Slowaken beobachtet und in der Folge noch einige DVDs gesichtet. Von jedem Fußballspiel, das im Fernsehen zu sehen ist, kann man sich über Agenturen eine DVD bestellen. Erst danach haben wir das Gespräch gesucht. Wir hatten natürlich auch beste Informationsgrundlagen durch den Umstand, dass mit Miroslav Karhan ein Slowake bereits in unseren Reihen ist. Miroslav konnte uns sehr viel über den Charakter von Radoslav erzählen. Es ist schließlich immer wichtig zu wissen, was für einen Typ Spieler man verpflichtet. Nach diesen ganzen Gesprächen blieb letztendlich nur noch die Frage: Wann treten wir in die Verhandlungen ein. Da entschieden wir uns, alles am letzten Tag der Transferperiode über die Bühne zu bringen.



Warum ausgerechnet am letzten Tag?

Da kann es dann nur noch ein »Ja« oder »Nein« geben. Hätten wir bei Malik Fathi schon vor drei Wochen angefangen, dann hätte das auch noch andere Vereine auf den Plan gerufen, weil die Gefahr besteht, dass unser Interesse publik wird. Wir waren froh, dass wir es tatsächlich geschafft haben, den Transfer ohne Gerüchteküche zu vollziehen. Kein einziger Journalist, kein Internetforum, keine Zeitung hat vorher den Namen Malik Fathi mit Mainz 05 in Verbindung gebracht. Wenn schon vorher jemand etwas von dieser Geschichte gewusst hätte, dann hätten wir den Transfer mit Sicherheit nicht realisieren können.

Aber wie sind Sie denn überhaupt auf den Namen Malik Fathi gekommen?

Linksfüßer sind sowieso sehr rar im Fußball, fast alle werden offensiv eingesetzt. Wir haben aber jemand für die Defensive gesucht. Wir sind durch alle Kaderlisten der europäischen Ligen durchgeflogen und dann plötzlich auf Fathi gestoßen. Dann haben wir gemerkt, dass Fathi die letzten Spiele der abgelaufenen Saison in Russland nicht bestritten hat (Anm. d. Red. Die Saison in der russischen Liga läuft von März bis Dezember). Wir haben in der Folge einfach den Berater gefragt, warum das so war.

Nutzen Sie denn gar nicht die viel beschworenen Scouting-Systeme?

Ich bin davon kein großer Freund. Wir haben vor anderthalb Jahren unsere Scouting-Abteilung fast aufgelöst. Es läuft heutzutage ganz anders: Man bekommt fast täglich DVDs, E-Mails oder Faxe von sämtlichen Beratern. Das Wichtigste hierbei ist einfach zu selektieren. Wir haben bei Mainz dafür zwei bis drei Leute, denen wir vertrauen. Wenn diese dann dem jeweiligen Spieler ein gutes Zeugnis ausstellen, dann fahre ich oder einer der Co-Trainer noch einmal hin und wir machen uns selbst ein Bild vor Ort. Diese ganze Scouting-Geschichte ist schon abstrus. Es gibt unheimlich viele Leute, die glauben, dass irgendein Scout durch Norwegen fährt und plötzlich einen Spieler wie Obasi trifft. Der Spieler wird zu aller Erst angeboten und dann erst schaut man sich das genauer an. Nicht mehr und nicht weniger. Dafür brauche ich keine fünf Festangestellten.

Das hört sich ja so an, als wäre es bei Ihnen wie bei einer Musikzeitschrift, der haufenweise Demotapes von jungen Bands zugeschickt werden. Da wird schließlich dann auch das Beste herausgefiltert.

Ja, aber bei denen ist das Ganze noch etwas komprimierter. Bei uns flattern viel mehr Angebote rein, es gibt ja mehr Berater als Spieler. Da muss man darauf achten, mit wem man zusammenarbeitet. Man kennt ja mittlerweile den Markt. Viele E-Mails lese ich gar nicht mehr. Aber bei mir im Büro laufen von morgens bis abends DVDs. Manchmal sehe ich dann zufällig beim Arbeiten einen Spieler, dem ich dann nachgehe. Aber man kann nicht alle DVDs sichten. Es kann auch durchaus sein, dass ich eine DVD von einem Spieler im Player hatte, den ich nicht bemerkt habe und dieser dann sich woanders durchgesetzt hat. Das bleibt nicht aus, man kann nicht das ganze Material sichten.


weiterlesen [1] [2] [3]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: FSV Mainz 05






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Kommentare

  • User
  • 03.02.2010 20:06:27 DerAchim

    wat sagt die patzige berliner göre wenn man ihr verbietet nen bilder der eigenen mama zu malen?

    richtig malik fathi...

    in diesem sinne viel erfolg in mainz von mir, schön ihn wieder in der bundesliga zu haben.


    intressant auch mit welch einer vorsichtigen und überlegten taktik mainz 05 an transfers wie malik fathi geht. bloß kein aufsehen erregen damit niemand weggeschnappt wird.
    wenn die alte dame das bloß auch so machen würde, könnte der barrios heute für berlin spielen und nicht für den bvb...
    aber naja herr preetz kann sich da vielleicht noch was abschauen, wie man mit nem klammen verein halt umgeht.

    nicht nur durchhalteparolen schwingen und auf besonders nett tun. wenigsten hat er sich seinen tadel von den herren lattek/Matiebel abholen können. die haben nämlich mal ordenlich tacheles geredet.
    wobei ich es schlimm finde von so nem schmierigen bild-reporter vorgeführt zu werden...

  • User
  • 03.02.2010 20:08:18 flying_lama

    wann wollten die mainzer voronin zurückholen?

  • User
  • 03.02.2010 20:16:58 Gruni

    Simak ist ein Phänomen. Ist überall gescheitert und findet immer wieder einen doofen Verein, der ihn verpflichtet. Grandios.

  • User
  • 03.02.2010 20:26:50 flying_lama

    ich fand in jena hat er doch immer geglänzt

  • User
  • 03.02.2010 20:33:36 DerAchim

    auch wenn man es kaum glauben mag, aber diesmal ging es nicht um voronin.

    es ging mehr um die generelle art und weise mit der hertha spielerverpflichtungen angeht. großen aufstand um spieler wie z.b. lucas barrios. das klappt dann nicht und genommen wird jemand wie könig artur. hertha ist halt wie berlin: in jeder art und weise ein einziger mittelmäßiger kompromiss der aber immer sehr ambitioniert sein will... so ist es hier halt

  • User
  • 03.02.2010 23:44:35 UrmelAusmEis

    Immer wieder schön, Interviews mit vernünftigen Managern wie Bruchhagen oder Heidel zu lesen. Mögen die Michimeiers, Didihoenessens, Andimüllers und alle Löwengeschäftsführer seit 1993 in der Fußballhölle schmoren, auf mittlerer Hitze, in einem Topf mit Marcio Amoroso und Albert Streit, und von diesen bis in alle Ewigkeit ausgelacht werden.

  • User
  • 04.02.2010 09:20:06 Varsinio

    Bei uns flattern viel mehr Angebote rein, es gibt ja mehr Berater als Spieler.

    Hä wen vertreten die den dann?

  • User
  • 04.02.2010 11:35:18 CoachD

    Ganz subjektiv will ich mal sagen, dass es mich schmerzt zu sehen, wie meine Hertha verkommt. Fathi war ein absolutes Hertha-Eigengewächs und er war kein schlechter...
    Scheiss-Dieter-Hoeness hat sein blödes Fussballinternat immer als das grösste hingestellt, aber nicht einen guten Spieler halten können...Stattdessen hat er alle Millionen für abgehalfterte Spieler rausgepulvert! Und jetzt ist Hertha praktisch fast abgestiegen und ein Malik Fathi unterschreibt bei Mainz 05. Sorry, Nichts für ungut Mainz. Aber es tut doch weh...

  • User
  • 04.02.2010 12:55:16 GTEvo

    Genauso wie Ihn damals der SchädelDidda in einer Nacht&Nebel-Aktion nach Russland "auslieferte", ganz genauso anonym wird er wieder nach Deutschland innem Kofferraum geschleust.(Ach..datt war ja der Steuerflüchtling aus München).
    Na ja..wie dem auch sei....jedenfalls mausert sich diese Bundesrepublik in diesem Jahr zum Geheimdienststaat Nr.1.

    Zuerst der GIER-Blockbuster vom Wedel, dann Geheimdaten von Steuerflüchtlingen gegen "Lösegeld aufn Schwarzmarkt kaufen, nun diese erneute Geheimnummer um den Bushido-Jünger MalikFatih und gestern der GeheimGeburtstag vom BundesJogi den Niemand so richtig mitbekam!

    Da macht die Aussage vom Heidel noch mehr Sinn dass Heute Alles ganz anders läuft:" Wir haben vor anderthalb Jahren unsere Scouting-Abteilung fast aufgelöst. Es läuft heutzutage ganz anders: Man bekommt fast täglich DVDs, E-Mails oder Faxe von sämtlichen Beratern"
    Jetzt noch die Überschrift "Ich bin ja nicht UliHoeness", Den ZenitPetersburg (50Mio Skandal) um den achso honorigen FCBayern im UEFA Halbfinale von 2008 und diesen Russland-Transfer noch auf der Zunge zergehen lassen und datt G(l)anze leuchtet ein.

    In diesem Sinne

    GlückAuf
    DieterGlanz

    achja nochwatt:"Wie ist der Tuchel eigentlich damals nomma ChefCoach geworden"^^
    Egal..Wer JanSimak und MalikFatih verpflichtet, wer die Nationalmannschaft zum KunstrasenSeminar empfängt um gegen die Bösen Russen gut vorbereitet zu sein der hat definitiv Dreck am stecken.

  • User
  • 04.02.2010 13:09:38 UrmelAusmEis

    Holger,

    Du hast ja zwischenzeitlich mal ganz annehmbare Ansätze entwickelt, man konnte Dir sogar in Spurenelementen zustimmen. War wohl nur ein Strohfeuer.

  • User
  • 04.02.2010 13:10:58 ColePorter

    Die Ergüsse liest du dir wirklich noch durch?

  • User
  • 04.02.2010 13:16:57 GTEvo

    Urmel..iss doch bald Karneval, las mich doch ma widda^^

    Helau
    Holger

  • User
  • 04.02.2010 14:52:17 Atatenango

    Du findest auch immer ein Ausrede, warum Du grad Humbug verbreitest...ich fand den Ansatz übrigens auch gar nicht schlecht, danach hab ich's aufgegeben, denke ich hab nix verpasst!

    Zum Thema: Also, muss man dem Heidel um Mainz 05 echt schon lassen, die mausern sich langsam. Sind ja nicht nur Simak und Fathi (der Slowaken kenn ich nicht), auch den Ivanschitz oder Polanski musste erstmal nach Mainz geholt kriegen. Ob Simak nun noch was taugt wage ich zwar auch mal zu bezweifeln, aber der hätte sicherlich auch noch zu anderen Vereinen gehen können, und irgendwas muss der Heidel denen ja erzählen, dass sie nach Mainz kommen und eben nicht woanders hingehen und das macht er in meinen Augen gut.
    Und um den Zusammenhang mit Hertha herzustellen. Vor allem bei Fathi find ich das auch sehr erstaunlich. Kann doch nicht sein, dass ein Spieler, der aus Berlin kommt und keinen Bock mehr auf Moskau hat nicht die Möglichkeit gegeben wird in seine Heimat zurückzukommen. Entweder hat die Hertha das total verpennt und nicht mitbekommen, dass der Spieler auf dem Markt ist, oder der Fathi hat sich gesagt: Preetz fand ich schon früher saudoof, mit dem will ich überhaupt nichts zu tun haben. Auf jeden Fall scheint da...ganz im Gegensatz zu Mainz...einiges im Argen zu liegen.

  • User
  • 04.02.2010 15:56:28 Eisgold

    Fathi war nicht aufm Markt. Im Gegensatz zu Heidel ist Preetz aber nicht auf die Idee zu kommen, mal zu recherchieren, wie regelmäßig der in letzter Zeit gespielt hat.
    Oder er war der Meinung, mit Kobiashvili die linke Seite genug gestärkt zu haben.

  • User
  • 04.02.2010 16:39:50 Atatenango

    Gut, dann war er halt nicht auf dem Markt, aber als guter Manager sollte man ja vielleicht auch ein bisschen mehr machen als jeden Morgen bei Arbeitsbeginn auf die Transferliste zu schauen und zu gucken wen man verpflichten könnte...genau diese Recherche gehört dazu.
    Allerdings kann's natürlich sein, dass Fathi um Weihnachten herum tatsächlich noch keinen Wechsel vor Augen hatte, sich die Situation zur Ende der Transferperiode aber zugespitzt hat. Mittlerweile hatte sich Hertha für die Position aber schon mit Kobiashvili verstärkt und zwei Leute für die gleiche Position holen, zumal wenn man angeblich sowieso klamm ist, wäre natürlich auch nicht grad das gelbe vom Ei. Das sollte man Hertha vielleicht zu Gute halten!

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