Louis van Gaals stolzer Sturz
Aufrecht liegen
Text: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Arjen Robben hatte soeben den Siegtreffer für die Bayern erzielt, da stürzte ein Denkmal: Louis van Gaal. Das Besondere daran war, dass er erst durch diesen Sturz zum Denkmal wurde. Das Denkmal des angekommenen Bayern-Trainers.
Louis van Gaal hat einen Körper, den man sich nur stehend vorstellen kann: Schwer, gerade, pollerartig. Schon dass er sitzt, wäre eigentlich abwegig, hätte man es nicht mit eigenen Augen gesehen, bei Pressekonferenzen zum Beispiel oder im lauwarmen Flirt am Tresen des »Aktuellen Sportstudios« mit Kathrin Müller-Hohenstein. Bloß eine Momentaufnahme, denn ein van Gaal muss stehen, wie ein General auf seinem Feldherrenhügel, wie ein Baum, wie ein Ausrufezeichen.
Wenn Generäle, Bäume oder Ausrufezeichen liegen, dann ist die Schlacht verloren, es herrscht Waldsterben, dann steht alles in Frage. Heute nicht: Louis van Gaal lag. Und es war sein größter Triumph.
BUMMS! Da lag er.
Soeben hatte Arjen Robben mit einem fulminanten Freistoß von Rechtsaußen das 3:2 für den FC Bayern in Bremen erzielt, van Gaal setzte zu einem Veitstanz an, man sah einen elefantösen Doppelaxel im Stehen, dann geriet er ins Rutschen, sein schwerer Kopf neigte sich dem Boden zu, die Statik war durcheinander geraten nach all den Jahren des generalhaften Stehens, es zog ihn abwärts, laaaangsam, das Stadion, es hielt den Atem an – und BUMMS! Da lag er.
So fallen Denkmäler, man denkt an Lenin-Statuen, die von ihren Sockeln geholt wurden. Heute aber entstand ein Denkmal erst im Moment seines Sturzes. Es ist das Denkmal des angekommenen Bayern-Trainers.
Sie siezten ihn, die Spieler, die Fans, sein Töchter, er siezte sich selbst und weiß der Teufel wen noch. Sie fürchteten ihn. Was er genau vorhatte, das wussten sie nicht. Jetzt wissen sie es: Er will schnellen, überfallartigen Fußball. Er will Spieler, die den Mut haben, vertikal zu spielen. Nun – nach einem halben Jahr halbmutigen Horizontalspielens – geht es endlich steil nach vorn, angetrieben durch den Weltklassemann Robben. Und das auch in der Tabelle.
Noch am Boden umarmte van Gaal seinen Lieblingsspieler Robben. Tat wohl gut, so eine Verschnaufpause auf dem Tartan. Und er wusste noch im Liegen: Jetzt kann ihn nichts mehr umhauen.
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