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22.01.2010

Was Leverkusens Serie bedeutet

Zahlen, bitte!

Text: Johannes Ehrmann  Bild: Imago

Bayer Leverkusen hat in der Bundesliga noch nicht verloren. Schon wird allerorten mit Zahlen und Prognosen geschmissen. Historisches ist Bayer in der Tat bereits gelungen. Doch gewonnen ist noch gar nichts.

Was Leverkusens Serie bedeutet - Zahlen, bitte!


Die Formel ist ganz einfach. Man nehme: Eine bestimmte Anzahl Spiele, die einer mathematischen Gesetzmäßigkeit unterworfen sind. Sodann berechne man anhand der Daten der ersten und letzten Partie innerhalb dieser Reihe die Kalendertage, besser noch: die Spielminuten!, die seit dem Beginn der Serie verstrichen sind. Und schon formt sich der schöne Satz: Seit 18 Spielen und 243 Tagen ist Bayer Leverkusen in der Bundesliga ungeschlagen.



Bayer in die Weltliga!

Wow! 243 Tage! Das ist ja eine halbe Ewigkeit. Mann, fast ein ganzes Kalenderjahr scheint das ja zu sein, grob überschlagen. Huiuiui, das Team von Jupp Heynckes spielt ja in seiner ganz eigenen Liga, ist das noch Bundesliga, die müssten ja Weltliga spielen oder so. Stopp, halt, Momentchen mal!

Nichts macht Sportjournalisten so viel Spaß wie die Macht der Serie zu bemühen. Keeper X seit 638 Minuten ohne Gegentor, Stürmer Y seit 20 Spieltagen ohne Treffer. In der Tradition von Churchill, der bekanntlich nur eigenhändig getürkten Statistiken glauben wollte, werden für die Berechnung der atemberaubend langen Zeitspanne genau die Kriterien angesetzt, die sie erst möglich machen. Im Fall Y werden zehn Spiele mitgezählt, in denen der Angreifer verletzungsbedingt gar nicht zum Einsatz kam, bei X sind selbst drei Testspiele gegen türkische Zweitligisten gut genug, um die Bilanz noch etwas aufzupeppen.

Im Fall Leverkusen beginnt man einfach am 34. Spieltag der vergangenen Saison zu rechnen. Bayer verlor damals zwar bei Absteiger Cottbus mit 0:3, das macht aber gar nichts. Dass die Serie der Heynckes-Elf also nicht am 23. Mai begann (unter anderem deswegen, weil es da noch eine Labbadia-Elf war), sondern am 8. August, dem 1. Spieltag der aktuellen Saison, spielt keine Rolle. Während der ganzen Sommerpause verlor Leverkusen ja schließlich auch kein Bundesligaspiel! Na, also.

Von Hui nach Pfui in 35 Tagen

Besonders nützlich für das Thema Serienberechnung ist die Grauzone des Fußballs, das Unentschieden. Es kann für positive wie negative Läufe verwendet werden. Ruckzuck wird dann aus einer fulminanten, kaum je übertroffenen Siegesserie eine ausgewachsene Krise. Das zeigt aktuell der Fall Werder Bremen. Die Hanseaten reisten binnen drei Ligaspielen vom Hui- ins Pfuiland. Bis Mitte Dezember war Bremen die 24-Spiele-ungeschlagen-Mannschaft. Jetzt ist Werder der Klub, der seit fünf (!) Spielen resp. 61 (!!) Tagen nicht gewonnen hat. Mensch, das sind zwei ganze Monate! Dass für den ersten Fall auch alle Pokalspiele eingerechnet wurden, für den zweiten auch die beiden Unentschieden gegen Wolfsburg und Köln sowie die Winterpause, kratzt keinen. Je größer die Zahl, desto fetter die Schlagzeile.

Aber zurück zu Leverkusen. Denn dass nach 18 Spieltagen noch immer die Null steht, ist tatsächlich eine historische Höchstleistung. Flunkereien sind da gar nicht nötig. Zwei Jahrzehnte ist es her, dass einer Mannschaft das gelang. Es war, natürlich, der FC Bayern, der dies zuletzt vollbrachte, 1989 war das. Die Münchner retteten die Superserie bis in den Frühling, der Pleitegeier fuhr erst am 1. April die Klauen aus, am 24. Spieltag.


weiterlesen [1] [2]



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Kommentare

  • User
  • 22.01.2010 11:44:30 Schwatte

    Nein, eine Zahl noch, um die eminente Bedeutungslosigkeit aller Zahlenspielerei zu illustrieren: Leverkusens Abstand auf Platz zwei beträgt trotz Rekordserie lediglich ein mickriges Pünktchen. Morgen kann heute schon gestern sein.

    In der Tat. 18 ungeschlagene Spieltage könnte genauso gut 18 Unentschieden bedeuten und damit Abstiegskampf. Statistiken kann man sich immer zurechtlegen.

    Viel wichtiger und positiver finde ich den Spielansatz diese Saison: bis auf die zwei Auswärtsspiele Ende letzten Jahres hatte ich den Eindruck, daß offensiv immer etwas geht und die Mannschaft nie völlig überfordert oder unterlegen wirkte. Insofern eine klare Weiterentwicklung und Verbesserung zur abgelaufenen Saison. Ob das für höchste Weihen reicht... abwarten. Internationales Geschäft sollte aber drin und in der Form auch verdient sein.

  • User
  • 22.01.2010 14:05:40 Wirsching

    ma kann ja auch mit 34 unentschieden absteigen.
    ungeschlagen.

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