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21.01.2010

Der Wandel der Sechser-Rolle

Vom Maurer zum Architekten

Text: Ron Ulrich  Bild: Imago

Nach Torsten Frings Nichtnomminierung stellt sich Fußball-Deutschland die Frage, wie die Sechser-Rolle besetzt wird. Wir untersuchen, welche Anforderungen an diese Position gestellt werden und wie sie sich gewandelt hat.

Der Wandel der Sechser-Rolle  - Vom Maurer zum Architekten


Guido Buchwald erlangte Kultstatus bei der Weltmeisterschaft 1990, als er den argentinischen Spielmacher Diego Maradona an die Kette nahm. Buchwald wurde in der Folge in Anspielung auf seine Leistung »Diego« gerufen. Eine Chance, sich in einem derart wichtigen WM-Spiel auszuzeichnen, wird Torsten Frings 20 Jahre später nicht erhalten. Nach der Sperre fürs Halbfinale 2006 macht ihm nun die Ausbootung Jogi Löws einen Strich durch die Rechnung.



Doch Buchwald und Frings trennen nicht nur einige Jahre, auch das Verständnis, wie sie ihre Rolle als Sechser zu interpretieren haben, ist ein anderes. Der Mann vor der Abwehr ist nunmehr nicht allein der Terrier, der das Offensivspiel des Gegners zum Erliegen bringen soll. Vielmehr gehört zu den Tugenden eines defensiven Mittelfeldspielers in heutiger Zeit die Variabilität. Ein Spieler auf dieser Position muss neben der Zweikampfstärke und dem Abfangen des Balles die Initiative im Spiel nach vorne beherrschen.

Das erweiterte Anforderungsprofil hängt auch mit der Abfuhr für Torsten Frings zusammen. Die Sechs einer Mannschaft ist pausenlos aktiviert, in einem Umfang, wie es bei keinem anderen Spieler auf dem Feld der Fall ist. Dies erfordert ein hohes Maß an Athletik, Kondition und Kraft. Christoph Biermann, 11FREUNDE-Taktikkenner, sagt: »Frings hat nicht mehr die Dynamik, die ihn früher ausgezeichnet hat.« Bundestrainer Löw begründete seine Entscheidung, auf Frings zu verzichten, mit fehlender körperlicher Belastbarkeit.

Auch Hitzlsperger fehlt die frühere Stärke

Und so steckt Frings in der gleichen Problemzone wie sein einstiger Konkurrent um den Posten in der Nationalmannschaft: Thomas Hitzlsperger. Zwar unterscheidet sich Hitzlspergers Interpretation der Sechser-Rolle, doch auch er hat einen Formabfall zu beklagen. Frühere Zweikampfstärke und Passgenauigkeit sind Hitzlsperger abhanden gekommen.

»The Hammer«, wie er genannt wurde, war lange Zeit bekannt und von Löw gelobt für seinen enormen Ehrgeiz, auch Extraschichten zu leisten. Nach normalen Trainingseinheiten klemmte er sich hinter Fitnessgeräte, lief bei Ausdauertests vorneweg. Fehlende Kraft im Zuge vieler Einsätze in Nationalmannschaft und Europapokal kostete dann Konzentration und bedingte so viele Abspielfehler. Das Ende vom Lied: Hitzlsperger fand sich ohne Kapitänsbinde auf der Bank wieder.


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Kommentare

  • User
  • 21.01.2010 16:09:25 CoachD

    Langsam sollte 11 Freunde darüber nachdenken sich in 11 Fischköppe umzunennen. Das ist der gefühlt 70. Beitrag zur Nichtnominierung vom Lutscher.

  • User
  • 21.01.2010 16:21:45 Redondo71

    Diesmal sogar von einem Schalker geschrieben...

    Also, ein Name fehlt mir da ja doch in dem Artikel! Keiner der Genannten ist oder war ein Architekt der Offensive - mit Ausnahme von Sousa. (Hitzlsperger - drollig)

    Stilprägend auf dieser Position war m. E. der, nach dem ich mich hier benannt habe.

    In der Bundesliga hat auch der unsympathische Sforza Maßstäbe gesetzt.

    Außer Betracht bleiben sollte nicht, dass mit Gattuso ein 6er alter Prägung - immerhin beim Weltmeister - am Werk ist, wenn auch durch Pirlo und Camoranesi glänzend unterstützt.

  • User
  • 21.01.2010 16:31:56 AntiMöller

    Ich wiederspreche Dir in weiten Teilen später Redondo. Muss gleich los.

  • User
  • 21.01.2010 17:07:35 Rundballtreter

    Unverständnis meinerseits für den ersten Kommentar hier:

    Zwar ist der Aufhänger für diesen Artikel die Nicht-Nominerung von Frings, aber bis auf den Beginn und die letzten paar Zeilen, geht es nicht speziell um ihn, sondern um eine neue Interpretation der 6er-Position und ehemalige sowie (mögliche) zukünftige herausragende Spieler auf dieser Position.
    Ich kann darin keine Affinität zu norddeutschen Vereinen erkennen!

    Die hier wohl gemeinte Kritik an den vielen Werderartikeln, die auf dieser Seite durchaus zu finden sind, ist hier falsch platziert. Bitte anderen Artikel zum meckern raus suchen!

    Außerdem ist das Thema doch gerade aktuell und was soll 11F anderes tun, als es von mehreren Seiten zu beleuchten? Wie immer gilt: Wen es nicht interessiert, der braucht es nicht lesen!

    Mir fällt zu den oben genannten noch Marcos Senna ein, der in einem Quartett von filigranen Technikern der spanischen Natinalmannschaft mit der "alten" Auslegung der 6er Position in jüngerer Vergangenheit großen Erfolg hatte! So als Gegenbeispiel eventuell?!

  • User
  • 21.01.2010 17:17:44 CoachD

    Du hast natürlich alles Recht der Welt, Unverständnis zu zeigen.
    Aber ich suche mir zum Meckern grundsätzlich selber meine Artikel raus. Und dieser war nun mal der x-te Artikel die Frings zum Aufhänger nahm. Ausserdem hab ich noch nie eine Werderfixierung beanstandet -nicht mal festgestellt-. Ich beziehe mich ausschliesslich auf die Fringswelle, die ein Artikel nach dem anderen aufschlagen lässt. Sei es als Aufhänger, Vollkommentar oder Randnotiz. So wichtig ist das auch nicht...

    Ausserdem ist der Satz "Wen es nicht interessiert, der braucht es nicht lesen!" eine der hohlsten, weil ich den Artikel ja nicht vor dem Lesen beurteilen kann...Nicht wahr...

  • User
  • 21.01.2010 17:28:03 Rundballtreter

    Ausserdem ist der Satz "Wen es nicht interessiert, der braucht es nicht lesen!" eine der hohlsten, weil ich den Artikel ja nicht vor dem Lesen beurteilen kann...Nicht wahr...

    Schon richtig, aber sich nachher über die verschenkte Zeit zu beschweren, ist auch irgendwie hohl, aber nun gut.


    Ich werfe noch den Namen Ze Roberto in die Runde!

  • User
  • 21.01.2010 17:39:43 Catilina

    Einer fürs Grobe, einer fürs Feine. So war es bei Ballack und Frings.


    So war`s auch lange beim FC Arsenal: Rosicky für`s Feine, Gilberto Silva, wenn nicht fürs Grobe, so doch für die Kärrnerarbeit.

    Ich werfe noch den Namen Ze Roberto in die Runde!

    Kein 6er, aber einer der taktisch versiertesten Spieler überhaupt, vielleicht der Mittelfeld-Gigant des Jahrzehnts: DECO.

  • User
  • 21.01.2010 19:31:00 Ursoph

    Da ja hier von Diego Buchwald die Rede war, warum dann nicht in diesem Atemzug auch von Loddar?

    Habe ihn bei der WM 90 als Spielmacher erlebt, nominell war er aber defenisver Mittelfeldspieler.

    Loddar, Prototyp des neuen Sechsers?

  • User
  • 21.01.2010 19:39:53 GTEvo

    Heute 16:09:25 CoachD

    Langsam sollte 11 Freunde darüber nachdenken sich in 11 Fischköppe umzunennen. Das ist der gefühlt 70. Beitrag zur Nichtnominierung vom Lutscher.

    .................................................. ............................................

    Wie geil isss dattdenn!

  • User
  • 26.01.2010 10:57:58 SaschaD

    Ich will mal noch das Duo Patrick Vieira und Claude Makelele nennen. Ohne die beiden hätte Zizou wohl nicht so glänzen können...

  • User
  • 26.01.2010 17:33:53 UrmelAusmEis

    Ich nenne Nuri Sahin. Zumal er derzeit mit Bender als anderer Doppelsechshälfte auch prima die im Artikel genannte Aufteilung grob/fein verkörpert. Defensiv gegen den Ball spielen sie identisch und nebeneinander, ist der BVB in Ballbesitz, schiebt sich Sahin auf die "8" vor, während Bender ihm weiterhin den Rücken freihält. Diese Aufteilung kommt der Variante Ballack/Frings (in ihrer späten Schaffensphase) ziemlich nahe.

    Rosicky oder Deco haben mit der "Sechs" nur insofern etwas zu tun, als dass dies auch die Note für Themaverfehlungen ist...

  • User
  • 26.01.2010 18:47:20 AntiMöller

    Sahin: ganz feiner, eleganter, passicherer Spieler mit schon reichlich Erfahrung auf dem Buckel.
    Sowieso darf ich ja feststellen, dass "wir" über eine Fülle an Top-Talenten auf den zentralen, defensiven Positionen verfügen, die z.Zt. in Europa ihresgleichen sucht. (o.k., Sahin spielt für die Türkei, aber trotzdem...)

  • User
  • 26.01.2010 18:49:58 AntiMöller

    ...und auch trotzdem wäre es sehr schade, wenn Rolfes` Saison beendet wäre und pikant, im Hinblick auf die WM und eben Frings` zu frühe Ausbotung.

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