Die Elf des Spieltags
Der Anarchist
Text: Andreas Bock und Ron Ulrich Bild: Imago
Kaum rollt der Ball wieder, ereignen sich absonderliche Dinge: Sevillas Dani Martin gedenkt Frank Mill, Thomas Schaaf feiert tatsächlich Silvester und Artur Wichniarek erklärt alle Regeln für nichtig. Unsere Elf des 18. Spieltags.
Oka Nikolov
Während des immer noch andauernden 80er-Jahre-Revivals sehen wir vieles, was wir nicht sehen wollen: Blousonjacken, Nackenmatten, Leggins, T-Shirts mit Glitzer, Gold und riesigen Tieren (Ausnahme: Motiv »Alf«). Nun, da der kollektive Jahrzehnte-Hommage langsam ausklingt, geht Oka Nikolov in die Vollen: Er lässt sich ein geflochtenes Zöpfchen in der Kurzhaarfrisur stehen. Das sieht aus wie Boy George oder Fab Morvan, der bei einer Kopfrasur ein Rastateilchen übersehen hat. Oder wie Omas Stehlampe mit Schnur-Schalter. Immerhin zeigte sich Nikolov auf dem Platz beweglicher.
Fritz von Thurn und Taxis
Auch Fritz von Thurn und Taxis scheint es irgendwie ins neue Jahr geschafft zu haben. Während des Spiels zwischen Schalke und dem 1. FC Nürnberg war er gleich wieder in seinem bekannten halbekstatischen Zustand und lobte: »Schiedsrichter Michael Kempter sieht einfach alles. Er ist ja auch noch jung, da spielen die Augen noch mit.« Das lässt daraus schließen, dass Kempter (für alle Rolf Töpperwien-Fans: vom VfR Sauldorf) in seiner Kindheit wohl Hektoliter Karottensaft getrunken hat, um seine Sehstärke zu schärfen. Thurn und Taxis selbst scheint dies nicht getan zu haben, so schrie er bei Eiglers Pfostenschuss schon Sekunden früher: »Und Tor!«
Christian Tiffert
Es ist in diesem schnellebigen Geschäft aber auch wirklich schwer, zu erkennen, was Tor ist und was nicht. Bestes Beispiel: Das 5:0 des MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt, als ein Schuss von Christian Tiffert vom Lattenkreuz in etwa bis zur Mittellinie zurücksprang und der Schiedsrichter auf Tor entschied. Diskussionen um den Videobeweis sind auch hier nicht haltbar, da diese Situation auch ohne jegliches Video zu erfassen war – selbst für Fritz von Thurn und Taxis. So wurde auch der Spruch ad absurdum geführt: Wenn der Ball reingeht, ist er auch drin. Dass mehrere Asiaten zufällig auf 5:0 gesetzt hatten, ist nicht zu glauben. Denn der DFB hat schließlich ein gut funktionierendes Frühwarnsystem.
Dani Martin
Dani Martin von Betis Sevilla demonstrierte am Sonntag im Spiel gegen Salamanca eine Chance aus der Rubrik »Kann man machen«:
Erstaunlicherweise bekommt Dani Beistand aus dem Konglomerat der Schadenfreude, der Youtube-Community: »Not so bad, the ball bounces«, schreibt etwa User »vid 1223«. Und User »samojednom« stimmt ein: »What a horrible pitch condition«. Also Kopf hoch, Dani, und wenn du doch wieder mal von Alpträume geschüttelt wirst, einfach bei Youtube »Frank Mill« eingeben – und in der Gewissheit einschlafen, dass es immer noch schlimmer geht.
Christian Lell
Beschwerte sich jüngst darüber, dass er der Quoten-Deutsche beim FC Bayern sei und war unter der Woche noch überzeugt, dass er gegen Hoffenheim in der Startelf stehen würde. Eine Meinung, die in in diesen Tagen etwa so realitätsnah ist, wie ein Interview mit Ufo-Experte Nick Pope aus der Ufo-Meldestelle zur Frage »Haben Außerirdische ein Windrad-Flügel geklaut?«
Franck Ribery
Die rasenden Reporter der BZ fanden nun den wahren Grund für Ribérys Verletzung heraus: Vor dem Abflug ins Trainingslager nach Dubai hätte Louis van Gaal ein letztes Training an der Säbener Straße angeordnet, Ribéry sei zu dem Zeitpunkt fit gewesen. Vor der Trainingseinheit badete Ribéry seine Schuhe in heißem Wasser, um das Kunstleder geschmeidiger zu machen. »Doch die nassen Füße froren ein – und Ribery merkte wegen der Kälte nichts! Nach dem Training wunderte sich der Bayern-Star über die Blasen an seinem Fuß. Zu spät.« Ob Ribéry fortan nur mit Schuhen mit eingebautem Minifön aufläuft, ist nicht übermittelt. Dass er eventuell wahrscheinlich vielleicht am Wochenende wieder spielt, indes schon: »Ich bin hundertprozentig sicher, dass er am Samstag wieder auf dem Platz steht. Das wird uns dann noch stärker machen«, glaubt Christian Nerlinger. Möglicherweise.
Thomas Schaaf
Akten wurden eingesehen, Bücher gewälzt und das ZDF stellte ein Team zum Observieren ab. Am Samstagabend ließ Michael Steinbrecher im Sportstudio gegenüber seinem Gast Thomas Schaaf die Bombe platzen. »Wir kennen von Ihnen ein Geheimnis. Sie haben ein Ritual: Jedes Jahr an Silvester begehen Sie mit Freunden das neue Jahr.« Fußball-Deutschland ist entsetzt und Thomas Schaaf gibt tatsächlich zu, dass er Silvester feiere und mit Freunden auf das vergangene Jahr zurückblicke. Bisher hatte man geglaubt, Schaaf benutze immer noch einen Wandkalender von 1982, weil er Jahreswechsel für einen überflüssigen, hochmodernen Schnickschnack halte.






