Der Spieltag in der Zusammenfassung
Melancholie in Eierschalen
Text: Dénes Jäger Bild: Imago

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Eben diese Worte der fast notorischen Bescheidenheit, hätte der Bremer Manager Klaus Allofs in der Retrospektive wohl ebenfalls gern gewählt, statt seinen Verein im Dezember als einen Meisterschaftskandidaten auszuweisen. Seitdem ist das Bremer Spiel blockiert: Özils Schultern hängen fast auf der Grasnarbe, Marko Marin scheint noch geschrumpft zu sein und das Austanzen seiner Gegenspielern, scheint Aaron Hunt mittlerweile so schwer zu fallen wie Ballett mit Springerstiefeln. Und dann lud auch noch der Angstgegner vom Main zum Rückrundenstart ein. Der geneigte Werder-Fan wusste, was ihn da erwarten würde, sind Bremens Auftaktspiele gegen die Bielefelds und Bochums dieser Welt doch berühmt für ihre lohnende Quote im Wettbüro.
Einzig Stilikone Tim Wiese schien etwas gegen diesen Trend unternehmen zu wollen und machte mit der Wahl seines langen Beinkleids gleich einmal deutlich, dass er einen ruhigen Nachmittag erwarten würde. 93. Minuten später musste er seine Fehleinschätzung eingestehen, nicht jedoch ohne diverse, gewohnt ungestüme, Ausflüge in den gegnerischen Strafraum unternommen zu haben. Allerdings blieb diese, sonst todsicher funktionierende, taktische Finesse gegen Frankfurt ungekrönt, da Mesut Özil seinen Volley in der Nachspielzeit eher in Richtung Deutsche Bank-Hochhaus, denn in die Nähe von Oka Nikolovs Tor bringen konnte. Der Deutschtürke gleicht sich in letzter Zeit ohnehin immer mehr dem vom Boulevard und Sportdirektor Sammer prophezeiten Bild des durch den Vertragspoker gehemmten juvenilen Leistungsträgers an, und fällt allenfalls durch seine lakonischen Antworten in Interviews auf.
Hannover als Hertha-Punktelieferant
Wenn ein Bremer Fan dieser Tage seine Sorgen im Raum Hannover preisgeben würde, erntete er wohl nur ein müdes Lächeln. Die leid erprobten Landeshauptstädter entern von Woche zu Woche neue Dimensionen der Stümperhaftigkeit und Tristesse, dass selbst ein Xavier Naidoo zum Abschwören vom Fußballgott raten würde. Ein neuer Superlativ wurde diesen Samstag erreicht, seitdem man sich nun ganz ironiefrei Punktelieferant des Tabellenletzten schimpfen darf. Findige Braunschweiger Statistiker arbeiten vermutlich schon an Flipcharts mit Tortendiagrammen, die die Roten als das Team ausweisen, das sich für 2/3 aller Punkte und 100% aller Siege der Berliner verantwortlich zeigt.
In diesem Kontext darf man aber natürlich die, zugegeben, starke Leistung des Hauptstadtclubs nicht überbewerten. Zwar wussten die Neuzugänge Herthas sich positiv in die Mannschaft einzugliedern, die allenorten ausgerufene Trendwende kann aber nach einem Sieg gegen strauchelnde Hannoveraner nicht ausgerufen werden. Denn auch für Berlin gilt im kommenden Spiel gegen Borussia Mönchengladbach, das von 96 Halsschmuck-Model Florian Fromlowitz nach dem Spiel treffend formulierte Motto: »Der Schal, der muss jetzt umgelegt werden.«







