Warum wir Basler in der Halle vermissen
Spiels noch einmal, Mario!
Text: Alex Raack Bild: Imago
Seien wir ehrlich: Einen besseren Hallen-Fußballer als Mario Basler hat die Welt noch nicht gesehen. Wenn »Super-Mario« zwischen den Zigarettenpausen als Torhüter die Buden schoss, jauchzte das Herz. Wir blicken zurück.
Tage wie diese waren eigentlich immer der Zuckerguss in der ansonsten allzu schnöden Winterpause: Hallenmasters mit Mario Basler. In den guten alten Zeiten, als Fußballer noch beharrte Nasenuntersetzer trugen, die Zukunft noch rosig war und Torhüter in der Halle alles durften, war der Mann mit Kippenschachtel im Anschlag eine echte Attraktion.
Tatsächlich gab es nämlich mal eine Zeit, in der Hallenfußball im Fernsehen für unterhaltsame Januar-Wochenenden sorgte. Man mag es angesichts der gegenwärtig herrschenden spielverderbenden Indoor-Regeln und der holzfüßigen Teilnehmer am winterlichen Gekicke kaum glauben. Aber: Wenn Mario rotzfrech das meist viel zu große Torwarttrikot überzog, war das ein Fest. Mit obercoolem Gesichtsausdruck und schlackernden Leibchen galoppierte Basler dann vom eigenen Tor startend über das Feld, Mit- und Gegenspieler schlichtweg ignorierend, um die Pille dann Vollspann ins Netz zu schmettern. Ein Riesending!
Längst vorbei wie Schnauzer und die rosigen Aussichten
An die Baslerschen Gewaltmärsche reichte niemand heran. Nicht Uli Borowka, der gerne mal nach dem Anstoß von der Mittelinie drauf hielt (und auch noch traf), nicht die eindeutschten Brasilianer Paulo Sergio oder Giovane Elber, nicht die vermeintlichen Superstars um Andy Möller, Stefan Effenberg oder Lothar Matthäus.
Aber irgendwann muss den Spaßbremsen aus der Frankfurter Fleck-Schneise das Fässchen Toleranz übergelaufen sein, fortan war es dem Torwart verboten die Mittellinie zu überqueren, geschweige denn selbst ein Tor zu erzielen. Wo kämen wir auch hin, wenn im deutschen organisierten Fußball so etwas wie Anarchie Platz bekommen würde! Mit der ohne Zweifel dämlichen Maßnahme verlor der Hallenfußball im Winter dann auch ziemlich schnell an Attraktivität, auch weil sich nach Meinung der medizinischen Abteilungen das Gebolze auf Kunstrasen allzu negativ auf die teuren Gelenke der Profis auswirkte. Fortan blieben Torhüter im Tor und die erste Garde auf der Tribüne. Notorische Ersatzleute wie Dortmunds Vladimir But nutzten die Gunst der Stunde und tricksten sich zu weniger begehrten Vitrinenhütern wie den »Spieler des Turniers«-Trophäen. Dumm nur, dass das inzwischen keine Sau mehr interessierte.
Vladimir But interessierte keine Sau
Mario Basler ist längst Trainer geworden, das macht er nicht schlecht, wenn man ehrlich ist. Aber wenn es möglich wäre, so würde wohl auch er das Rad der Zeit zurückdrehen, hin zu den guten alten Zeiten, als die Zukunft noch rosig war, die Schnäuzer üppig, und die Torhüter noch alles durften...


Lässig chillt »Super-Mario« auf der Bande, den nächsten Einsatzbefehl freudig erwartend. Links daneben, etwas neidisch ob der geschmeidig lasziven Körperhaltung seines Mannschaftskameraden: »Hallenfußball-Harry« Koch.






