Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
08.01.2010

Warum wir Basler in der Halle vermissen

Spiels noch einmal, Mario!

Text: Alex Raack  Bild: Imago

Seien wir ehrlich: Einen besseren Hallen-Fußballer als Mario Basler hat die Welt noch nicht gesehen. Wenn »Super-Mario« zwischen den Zigarettenpausen als Torhüter die Buden schoss, jauchzte das Herz. Wir blicken zurück.

Warum wir Basler in der Halle vermissen - Spiels noch einmal, Mario!


Tage wie diese waren eigentlich immer der Zuckerguss in der ansonsten allzu schnöden Winterpause: Hallenmasters mit Mario Basler. In den guten alten Zeiten, als Fußballer noch beharrte Nasenuntersetzer trugen, die Zukunft noch rosig war und Torhüter in der Halle alles durften, war der Mann mit Kippenschachtel im Anschlag eine echte Attraktion.



Tatsächlich gab es nämlich mal eine Zeit, in der Hallenfußball im Fernsehen für unterhaltsame Januar-Wochenenden sorgte. Man mag es angesichts der gegenwärtig herrschenden spielverderbenden Indoor-Regeln und der holzfüßigen Teilnehmer am winterlichen Gekicke kaum glauben. Aber: Wenn Mario rotzfrech das meist viel zu große Torwarttrikot überzog, war das ein Fest. Mit obercoolem Gesichtsausdruck und schlackernden Leibchen galoppierte Basler dann vom eigenen Tor startend über das Feld, Mit- und Gegenspieler schlichtweg ignorierend, um die Pille dann Vollspann ins Netz zu schmettern. Ein Riesending!

Längst vorbei wie Schnauzer und die rosigen Aussichten

An die Baslerschen Gewaltmärsche reichte niemand heran. Nicht Uli Borowka, der gerne mal nach dem Anstoß von der Mittelinie drauf hielt (und auch noch traf), nicht die eindeutschten Brasilianer Paulo Sergio oder Giovane Elber, nicht die vermeintlichen Superstars um Andy Möller, Stefan Effenberg oder Lothar Matthäus.

Aber irgendwann muss den Spaßbremsen aus der Frankfurter Fleck-Schneise das Fässchen Toleranz übergelaufen sein, fortan war es dem Torwart verboten die Mittellinie zu überqueren, geschweige denn selbst ein Tor zu erzielen. Wo kämen wir auch hin, wenn im deutschen organisierten Fußball so etwas wie Anarchie Platz bekommen würde! Mit der ohne Zweifel dämlichen Maßnahme verlor der Hallenfußball im Winter dann auch ziemlich schnell an Attraktivität, auch weil sich nach Meinung der medizinischen Abteilungen das Gebolze auf Kunstrasen allzu negativ auf die teuren Gelenke der Profis auswirkte. Fortan blieben Torhüter im Tor und die erste Garde auf der Tribüne. Notorische Ersatzleute wie Dortmunds Vladimir But nutzten die Gunst der Stunde und tricksten sich zu weniger begehrten Vitrinenhütern wie den »Spieler des Turniers«-Trophäen. Dumm nur, dass das inzwischen keine Sau mehr interessierte.

Vladimir But interessierte keine Sau

Mario Basler ist längst Trainer geworden, das macht er nicht schlecht, wenn man ehrlich ist. Aber wenn es möglich wäre, so würde wohl auch er das Rad der Zeit zurückdrehen, hin zu den guten alten Zeiten, als die Zukunft noch rosig war, die Schnäuzer üppig, und die Torhüter noch alles durften...






Lässig chillt »Super-Mario« auf der Bande, den nächsten Einsatzbefehl freudig erwartend. Links daneben, etwas neidisch ob der geschmeidig lasziven Körperhaltung seines Mannschaftskameraden: »Hallenfußball-Harry« Koch.


Fotostrecke

  • Lässig chillt »Super-Mario« auf der Bande, den nächsten Einsatzbefehl freudig erwartend. Links daneben, etwas neidisch ob der geschmeidig lasziven Körperhaltung seines Mannschaftskameraden: »Hallenfußball-Harry« Koch.
  • »Effe, alter Sattelschlepper! Gleich Doppelpass-Kombo und Abgang Mariacron mit Rizzitelli?« »Basler, du reudiger Pferdefuß, auf jeden!«
  • Goldig, diese beiden. Ehrfürchtig begutachten Mario Basler und Kollege Jancker den ersten Indoor-Auftritt von Lieblingsmitspieler Sven Scheuer, der sich nach zwei gehaltenen Elfmeter freudig durch den Bierstand prügelt.
  • In einem Anflug orgastischer Eleganz umkurvt Mario Basler den andächtig danieder knieenden Sergei Kiriakov und zieht ab. Im Tor vermutlich: KSC-Torsteher-Legende Winfried Schäfer.
  • Mit Tempo 130 in der Spielstraße geblitzt: Mario Basler, der zwischen den obligatorischen Zigarettenpausen kurz mal den Turbo angeworfen hat. Nicht im Bild: der Schall.
  • Hallenkönig Basler im Kreise seiner Lieben. Umgeben von ungezählten Jüngern meißelt der Kunstrasen-Messias seine Gebote in die dahin gereichten Marmorblöcke.


Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 08.01.2010 10:43:43 Karpfenluder

    Den gesamten Artikel unterschreibe ich. Basler gehörte noch zu einer Generation von Fußballern, denen die Nähe zu den Fans äußerst wichtig war. Ok, er war er hinsichtlich seiner läuferischen Quantität eher im unteren Level anzusiedeln, jedoch seine Spielfreude und sein positive Ausstrahlung machten ihn sehr sympatisch. Viele der sogenannten Stars drückten sich mehr oder weniger um irgendwelche Hallenkicks mitten in der Pampa. Basler aber nutze diese Events, um mal wirklich Spaß am Fußball zu haben ohne den ständigen Druck, gewinnen zu müssen. Und das tat er mehrfach und der Fan hat es ihm gedankt.

  • User
  • 08.01.2010 12:05:59 Catilina

    die Zukunft noch rosig war

    Wie jung und naiv mußte man sein, um ausgerechnet in den späten 90ern an eine rosige Zukunft zu glauben ? :-O

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Und bei euch so?

Chaos dahoam!
Trauer dahoam!
Freude dahoam!
Wut dahoam!
Lasst mich mit diesem »dahoam« endlich in Ruhe!




Ulli Potofski über seinen außergewöhnlichen Job beim Spiel Aachen-Rostock


Wie heißen noch mal die Söhne von Martin Jol?

  • Cock
  • Dick

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER