Die Geschichte der Fußballfans

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29.12.2009

KOS-Leiter Michael Gabriel über Fan-Gewalt

»Fans wollen ernst genommen werden«

Interview: Thomas Hummel  Bild: Imago

Das Fußball-Jahr 2009 war nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen – die Gewalt hat wieder zugenommen. Fan-Experte Michael Gabriel spricht im Interview mit Thomas Hummel über jugendliche Ultras und die Konsequenzen im Stadion.

KOS-Leiter Michael Gabriel über Fan-Gewalt - »Fans wollen ernst genommen werden«


Der deutsche Fußball debattiert über Fan-Gewalt, Politik und Polizei fordern ein hartes Eingreifen. Doch woher kommt die Gewalt? Was passiert in den Kurven? Sind die Ultras der Grund allen Übels? Michael Gabriel, 46, leitet die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS). Sie wird vom Bund und dem DFB finanziert, ist bei der Deutschen Sportjugend angesiedelt und berät im Rahmen des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit (NKSS) die Fan-Projekte in Deutschland.



Michael Gabriel, sind die Aktionen in Stuttgart und Nürnberg, wo die Klub-Geschäftsstellen angegriffen und letztlich Trainer zu Fall gebracht wurden, eine neue Dimension des Protests?

Über Fanproteste wurde immer schon Druck auf Vereine ausgeübt. Die Vehemenz des Protests ist aber sicher neu. Da werden eindeutig Grenzen überschritten.

In Stuttgart waren Beteiligte wie Trainer Babbel geschockt.


Völlig zurecht. Vor zwei Jahren war der VfB Stuttgart noch Deutscher Meister, jetzt spielt er in der Champions League. In ganz kurzer Zeit kippt da die Stimmung von Zuneigung in absolute Verachtung. Das ist neu und ein Beleg dafür, dass das Verhältnis zwischen Spielern, Trainern, Vereinen auf der einen Seite und den Leuten in der Kurve auf der anderen immer instrumenteller wird.

Was meinen Sie damit?

Die auf den Rängen erwarten, dass die auf dem Platz gefälligst Ergebnisse abliefern, den Stadionbesuch zum Event machen. Umgekehrt erwarten die Spieler, dass die Fans sie immer anfeuern. Letztendlich interessieren sich Profis und Vereinsvertreter meistens nicht die Bohne für die Menschen in der Kurve.

Dieses Desinteresse ist aber nicht neu.


Aber trotzdem falsch. Die Fans reagieren darauf, indem sie sich immer weniger für das Spiel interessieren.

Warum gehen sie dann ins Stadion?

Immer mehr um ihre eigene Party zu feiern.

Das betrifft vor allem die sogenannten Ultras. Sind diese Gruppen der Grund allen Übels?

Man darf die Vorgänge in Stuttgart oder Nürnberg nicht den Ultras alleine zuschreiben. Sie sind vielleicht die Avantgarde für eine tiefergehende Entwicklung. Denn die Proteste wie auch bei Eintracht Frankfurt oder in Bochum wurden von viel mehr Zuschauern getragen.

Sie haben den Eindruck, man schiebt die Ultras gerne vor?

Die Ultras sind die Sichtbarsten, im positiven Sinne durch ihre Präsenz in den Kurven. Und im negativen Sinne: Sie gehen am weitesten in ihren Forderungen und Drohungen.

In dem bundesweiten Ultra-Heft Blickfang Ultra erschrickt man bisweilen über die Verherrlichung der Gewalt.

Zurecht, und diese breite Akzeptanz bereitet uns Sorgen. Große Teile der Fanszene tolerieren ein Verhalten, dass mit positiver Fankultur nichts mehr zu tun hat: Schals klauen, Fahnen klauen, andere Gruppen oder Fan-Treffs angreifen - da machen viel zu viele Leute mit. Vor allem in der Ultra-Szene. Wenn Rainer Koch (Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, Anm. d. Red.) sagt, dass Woche für Woche schwere Straftaten begangen werden, dann kann man dem kaum widersprechen.



Süddeutsche@11Freunde


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Kommentare

  • User
  • 30.12.2009 15:07:34 MAEXo

    Was die Sache mit den Fanprotesten
    angeht:
    In Frankfurt kamen die Funkel-Raus und Caio-Caio
    Rufe zuerst und hauptsächlich von Haupt und Gegengerade
    also nicht von den Ultras
    die ersten funkel raus rufe kamen erst als es nicht mehr zu
    ertragen war

  • User
  • 05.01.2010 12:18:26 knoxville

    Ich finde auch, dass sich die Vereine mehr mit diesen haltlosen Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen müssten.
    Und zwar in der Form, dass man ihnen den Zugang zu den Spielen und Stadien verwehren sollte.

    Es interessiert mich einen Dreck, ob vor oder während des Spiels irgendwelche selbstgepinselten Scheißhaus-Parolen oder Bildchen über den Block gehoben werden.
    Und wie lächerlich ist die Forderung bitteschön, dass sich die "Vereinsbosse" dafür bedanken sollen?? haha!! Ich lache mich schlapp.
    Wofür denn? Dafür dass dieses hirnlose Pack grundlos Mannschaftsbusse, Vereinshäuser oder gegnerische Fans angreift?

    Diese Idioten kaufen sich alle 14 Tage für 5€ ein Kurven-ticket und das war´s dann..keine fanartikel, kein merch..nichts gar nichts. Die bringen niemanden irgendwas!

    Und früher war die Stimmung sowieso besser..ohne ihre dämlichen Lautsprecheranlagen und 14 jähr. Eintänzer, die wie Affen an Zäunen hängen und den dicken Maxen machen.

    Schmeißt die endlich raus!!

  • User
  • 05.01.2010 12:23:18 Karpfenluder

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, danke!

  • User
  • 05.01.2010 12:35:33 einrudithömmes

    Doch... die Frage, ob das ironisch war jetzt oder nich.

    War das ironisch?

  • User
  • 05.01.2010 12:38:08 Karpfenluder

    Da war nicht ein Funken Ironie dabei.

  • User
  • 05.01.2010 12:41:02 einrudithömmes

    Wie willste denn die Kids aus den Stadien verbannen? Was soll das bringen? Wo sollen die denn Samstag mittag hin, zu deiner Mudda?

  • User
  • 05.01.2010 12:51:37 Karpfenluder

    @einrudithömmes: Ich will doch um himmels Willen die Kiddis nicht aus den Stadien verbannen!!!!! Es geht hier wie bereits beschrieben, um die randalierenden, nur auf Krawall ausgerichteten "Fans". Wobei ich da keinen Altersunterschied festmachen will. Und da ist es mir ebenso scheiß egal, ob es sich um körperliche oder verbale Gewalt handelt. Als ich mitbekam, daß sich in meinen Westfalenstadion (ich weiß, Signal Iduna Park..) auf der Süd solche Hirnochsen daneben benahmen, indem Sie ein Haßplakat gegen den Hopp in die Kameras hielten, habe ich mich geschämt! Laßt den Hopp sein wie er will, aber für mich war es eine Morddrohung. Und da hört der Spaß auf: Also egal, ob Angriffe gegen Spieler oder Sachbeschädigung, egal ob körperliche oder verbale Gewalt: Raus aus den Stadien!!!

  • User
  • 05.01.2010 12:54:35 einrudithömmes

    Einverstanden. Dann musst du das dem knoxville aber auch noch hinzufügen...

    Hirnochsen gefällt mir übrigens sehr gut!

  • User
  • 05.01.2010 13:00:28 Karpfenluder

    Ich denke, Knoxville meint auch nicht nur Kinder und Jugendliche sondern generell diese Fraktion der Krawallbrüder. Ich habe, das hatte ich vergessen, natürlich nichts gegen kreative Aktionen auf den Tribünen, wie zum Beispiel das geile Riesenplakat zum 100. Geburtstag des BVB. Das war einfach nur Gänsehaut pur.

  • User
  • 05.01.2010 13:07:18 einrudithömmes

    Wie gesagt - einverstanden.

    Irgendwann im letzten Sommer hab' ich mir ein Auswärtsspiel meiner Eintracht bei Fortunas Zwoter angetan, da hab' ichs auch geschrieben - wer auffe Fresse will, kriegt auffe Fresse und von mir kein Beileid dafür. Wir sind da ja nich auseinander.

    Warum dieses Thema in den letzten Monaten wieder so aktuell ist, dürfte grundsätzlich durch zwei Federn getrieben sein:

    - erhöhtes Aufkommen in der Realität
    - erhöhter Aufmerksamkeit in den Medien

    Ich frag' mich, wo denn die viel besungenen Fanbeauftragten die ganze Zeit geblieben sind - oder wär's ohne die noch schlimmer? Abgesehen von den Brüdern im kleinen Geiste habe ich noch keinen erlebt, der das in Ansätzen gut heisst. Scheiss Randale, Gänsehaut der anderen Art, kann ich drauf verzichten.

  • User
  • 05.01.2010 13:07:41 MarcRamone

    Das Interview finde ich richtig gut! Danke erstmal dafür.

    Jede Epoche hat ihre eigenen Zuschauer. Wenn man sich die Fotos und bewegten Bilder der Zuschauerränge aus den 50ern und dann pro Jahrzehnt bis heute anschaut, dann erkennt man ganz klar Entwicklungen.

    Heute sind es halt die Ultras und ähnliche, während es früher in den 80ern in den Fankurven einige Hools und andere Extreme gab. Früher haben auf den Haupttribühnen und Gegengeraden sehr viele etwas diese "Fans" in den Kurven gehabt. Es war noch die Zeit, als es noch nicht "schick" oder "in" war ins Stadion zu gehen. Für die damals älteren Generationen waren diese Fanauswüchse unerklärlich und störend. So ist es heute halt auch. Die Thematik und Problematik ist nur teils anders, da der starke Kommerz hinzugekommen ist und eh eine komplett andere, schnelllebigere Zeit angebrochen ist.

    Ultras "doof" finden und verbannen zu wollen ist zu einfach gedacht. Mir gefällt vieles von den Ultras auch nicht, aber die Gewalt in und um den Stadien ist keine reine Ultraangelegenheit! Da sind nur einige von denen dabei, aber im Grunde sind noch viel mehr, also auch Nichtultras, daran beteiligt.

    Und was die Problematik angeht, so wurde im Interview ja schon alles sehr einfach und deutlich erklärt, wie ich finde. Der Umgang damit auch.

  • User
  • 05.01.2010 15:24:20 knoxville

    ohh, war grad mal kurz draußen.

    Alles korrekt Karpfenluder, genau meine Rede.

    "Kinder und Jugendliche" sollte natürlich nur sinnbildlich für alle stehen, die sich daneben benehmen.
    Ich weiß, da sind auch 30 jährige "Männer" drunter...die dann aber wohl auf 12 jährige Jungs stehen und sich deshalb so verhalten und sich freune, wenn sie mal einen von denen beim Rumhüpfen beobachten oder gar umarmen dürfen.

    Sei´s drum.

    Raus mit diesen nichtsnutzigen Kindsköpfen!!
    Die machen den ganzen Sport und das "Erlebnis Fußball" kaputt!

  • User
  • 05.01.2010 15:58:59 einrudithömmes

    Du beledigst schon wieder die Kinder...

    Ohne Witz, das wirkt a) wie ne Verharmlosung der Gewalttaten der Idioten und b) kommen Kinder ohne die "richtigen" Vorbilder nicht auf so 'n Scheiss.

    Aber im Grunde ist das schon angekommen, wassde gemeinst hast.

  • User
  • 05.01.2010 19:41:16 knoxville

    Du weißt was ich meine!!

    Das ist die Hauptsache! Kennste einen, kennste alle.

    Diese kids, die da wie die Spasten am zaun hängen und irgendwelche Alkoholiker anhimmeln, können einem eigentlich leidtun.

    Haben wahrscheinlich keine Eltern mehr, die ihnen bei bedarf mal ordentlich was hinter die Löffel geben.

    Und weshalb sollen nun die Vereine diskussionsrunden eröffnen und die Erzieherrolle übernehmen?

    Nüscht is..

    Stadionverbot bzw. Rausschmiss beim kleinsten Mucks und tschüss!!

    Schon wäre Ruhe im Karton und man könnte sich wieder auf´s Wesentliche konzentrieren!

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