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09.12.2009

Jürgen Sundermann über den VfB Stuttgart

»Babbel war zu nett«

Interview: Johannes Ehrmann  Bild: Imago

Fanrevolte und Trainerentlassung beim VfB Stuttgart - auf Markus Babbel folgt Christian Gross. Wir sprachen mit Stuttgarts Trainer-Urgestein Jürgen Sundermann über den Verein, den Trainer,das Umfeld und die Ansprüche.

Jürgen Sundermann über den VfB Stuttgart - »Babbel war zu nett«


Herr Sundermann, kam die Entlassung von Markus Babbel für Sie überraschend?

Nein, überrascht hat mich das nicht. Ich habe viel mit Markus gesprochen und hatte zuletzt den Eindruck, er spürte selbst, dass er die Sache nicht mehr in den Griff bekommen würde. Das hat man auch in der Mannschaft gemerkt und beim Training, das ich mir öfter angesehen habe. Auch in der Pressekonferenz hat man gemerkt, dass Markus sich selber ein bisschen überfordert fühlt.



Überfordert von der Doppelbelastung Trainerlehrgang in Köln und Tätigkeit beim VfB Stuttgart?

Wenn man mehrere Tage in der Woche als Trainer nicht vor Ort ist, bekommt man nicht mit, was in der Mannschaft los ist. Man kann die Körpersprache und Reaktionen der Spieler nicht beobachten und nicht mit ihnen diskutieren. Der persönliche Kontakt ist für einen Trainer unheimlich wichtig. Solch eine Situation wird von den Spielern sofort als Alibi genutzt.

Was sind in Ihren Augen die Gründe für den Misserfolg des VfB Stuttgart in dieser Saison?


Dass sich in der letzten Saison sofort der Erfolg einstellte, als Markus Babbel übernahm, hat mich nicht überrascht. Markus hatte sofort ein enges Verhältnis zu den Spielern, was Armin Veh alleine von seiner Art her nicht haben konnte. Das läuft aber auch schnell wieder aus.

Was meinen Sie damit?

Markus war sehr nett zu seinen Spielern, aber wenn man eine Gruppe von so vielen Leuten hat, muss eine Grundordnung herrschen, ohne Privilegien für Einzelne und ohne im Ernstfall die Augen zuzudrücken. Was die Disziplin angeht, muss es einige Sachen gegeben haben, bei denen Markus zu nett zur Mannschaft war.

Eine klare Linie vermissten auch viele Außenstehende. Zunächst wurden die Aufstellungen rotiert, dann wieder nicht...


Man muss in Betracht ziehen, dass der VfB einen riesigen, ausgeglichenen Kader hat. Ich habe mir das Training nach dem Spiel gegen Glasgow angesehen. Der Trainer hat zwei Gruppen gebildet, in der einen die Spieler, die gespielt hatten, in der anderen die, die nicht eingesetzt wurden. Das waren 15 Spieler – nur Nationalspieler! Da ist es für einen Trainer schwierig, eine Grundformation zu finden.

Man könnte den Kader auch als aufgebläht bezeichnen.

Sicher, der Kader ist unheimlich groß und auch dementsprechend teuer. So entsteht natürlich bei vielen eine große Unzufriedenheit. Heutzutage ist ganz besonders schlimm, dass jeder weiß, was jeder verdient.

Das war früher anders?

Das Gehalt einzelner Spieler kam nie an die Öffentlichkeit. Man sprach höchstens über Prämien, an denen aber die ganze Mannschaft beteiligt war. Heute ist ja bei jedem Spieler klipp und klar, was er verdient. Das führt zu Neid innerhalb der Mannschaft, es wird dauernd über Geld gesprochen, auch weil jeder Profi heute mindestens einen Manager hat.

Markus Babbel musste gehen, obwohl er offiziell Rückendeckung bis zur Winterpause erteilt bekam. Es hieß, der Vorstandsvorsitzende Dieter Hundt hätte Babbel bis zuletzt verteidigt und seinen früheren Rauswurf verhindert.

Ich kenne Erwin Staudt, Dieter Hundt und auch Horst Heldt gut. Bei allen Gesprächen, die ich mit ihnen in letzter Zeit geführt habe, hatte ich das Gefühl, dass man mit Markus Babbel auf jeden Fall bis zur Winterpause weiterarbeiten wollte.

Hat sich die Vereinsführung dem Druck der Fans gebeugt?

Das kann ich mir gut vorstellen. Es gibt ja nichts Schlimmeres, als auf dem Weg zum Stadion von den eigenen Fans an der Weiterfahrt gehindert zu werden. Beleidigungen nach einem schlechten Spiel habe ich oft erlebt, aber eine solche Aktion vor einem Spiel war für mich bis zum Wochenende undenkbar!

Haben Sie auch Verständnis für die enttäuschten Anhänger?

Die Leute, die das vor dem Spiel gemacht haben, sind Chaoten. Nach dem Spiel haben sich aber drei- oder viertausend versammelt. Da waren viele normale Fans dabei.


weiterlesen [1] [2] [3]



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Kommentare

  • User
  • 09.12.2009 08:51:30 BOD

    »Babbel war zu net t«

    100 Euro ins Phrasenschwein bitte. Jaja, Babbel, Slomka und Soldo sind zu nett, und van Gaal ist zu "böse". So ein Blödsinn. Entweder gewinnt man, dann hat man alles richtig gemacht, macht man es nicht, ist halt alles falsch.

  • User
  • 09.12.2009 08:55:57 zausell

    Rielf Sagel ernüchternd:

    Naddel war zu fett.

  • User
  • 09.12.2009 08:56:49 zausell

    Zausell euphorisch:

    Rattel is so schneck.

  • User
  • 09.12.2009 08:58:36 zausell

    Der kleine Muck geläutert:

    Dattel mag ich net

  • User
  • 09.12.2009 09:36:57 Süüdkurvä

    Wenn man mehrere Tage in der Woche als Trainer nicht vor Ort ist, bekommt man nicht mit, was in der Mannschaft los ist. Man kann die Körpersprache und Reaktionen der Spieler nicht beobachten und nicht mit ihnen diskutieren. Der persönliche Kontakt ist für einen Trainer unheimlich wichtig.

    völlig richtig, denke ich. bleibt die frage (die man im interview gerne hätte stellen dürfen!): hätte das die vereinsführung nicht vorhersehen können / müssen?

  • User
  • 09.12.2009 09:46:10 Redondo71

    Man hätte es ahnen können, aber man wird gehofft haben, dass es dennoch nicht so eintritt wie es eingetreten ist. Das Beispiel dafür, dass es klappen kann mit dem Trainerlehrgang und dem Trainerjob ist Stanislawski bei Pauli, auch wenn die Situation insoweit anders war, als Pauli keine Doppelbelastung durch Wochenspieltage hatte.

  • User
  • 09.12.2009 10:27:43 Schwatte

    Pauli hat sicher auch ein anderes Anspruchsdenken. Die wären mit Stanislawski auch dann zufrieden, wenn sie im sicheren Mittelfeld der zweiten Liga wären. Daß die Truppe jetzt so weit oben steht und äußerst ansehnlichen Fußball spielt, ist ja quasi ein schönes Zubrot. Vor der Saison stand doch bestimmt nicht der Aufstieg als eindeutiges Saisonziel fest.

    Völlig anders beim VfB: letzte Saison Dritter, in der CL dabei, vielversprechende Mannschaft (wenn man von Gomez' Abgang mal absieht) - da sind höhere Ansprüche unausgesprochen vorprogrammiert und hauen natürlich ganz anders rein, wenns plötzlich gegen den Abstieg geht.

  • User
  • 09.12.2009 10:32:09 saloth sar

    schwatte, man merkt hier spricht der experte!

    pauli stand letztes jahr nicht so weit oben, sondern im gesicherten mittelfeld!

    und auch heute steht der aufstieg nicht als eindeutiges saisonziel fest.

    aber sonst ist gut, weitermachen

  • User
  • 09.12.2009 10:34:11 Redondo71

    Bei Pauli geht es ja um die letzte Saison, in der man auch immer in der oberen Hälfte platziert war, aber grundsätzlich hast Du recht. Bei Pauli wäre Platz 12 nach der Hinrunde kein Drama gewesen. Aber das kann man Pauli ja nicht vorwerfen.

    Ich wollte damit auch nur sagen, dass der VfB gehofft hat, es ähnlich erfolgreich zu meistern wie Pauli. An dieser Aufgabe sind aber auch letztes Jahr schon zwei Trainer gescheitert. Hock und noch einer.

  • User
  • 09.12.2009 10:38:55 saloth sar

    es waren sogar drei, hatte ich mit urmel letztens schon. mir faellt nur um's verrecken der dritte nicht ein

  • User
  • 09.12.2009 10:40:40 Schwatte

    Wück.

    [I]Aber das kann man Pauli ja nicht vorwerfen.[/i]

    Nene, das will ich auch gar nicht. Ist doch schön, wenn es dort entspannter zugeht. Ich wollte damit auch nur sagen, daß es bei Pauli ganz andere Voraussetzungen gibt als beim VfB und deswegen die Situation mit der Trainerausbildung anders hingenommen werden kann.

    saloth, ich freue mich über jedes Kompliment ;-)

  • User
  • 09.12.2009 10:42:52 Redondo71

    Oral? Das soll jetzt keine Aufforderung sein!

  • User
  • 09.12.2009 10:46:15 saloth sar

    ich glaub redondo der war's, bin mir aber nicht ganz sicher. da muss man entweder google bemuehen oder auf urmel warten

  • User
  • 09.12.2009 10:48:19 Redondo71

    Könnte aber auch der Fink gewesen sein. Warten aufs Urmel-Christkind...Mit Smileys;-):-))

  • User
  • 09.12.2009 10:51:05 Schwatte

    Später wurde er Trainer der zweiten Mannschaft. 2007/08 gelang ihm mit der ersten Mannschaft des FSV der Aufstieg in die Zweite Liga, sein sechster Aufstieg hintereinander in sechs Jahren als Trainer. Da er noch über keinen Trainerschein verfügt, wurde er offiziell von Ramon Berndroth vertreten. Nachdem Oral in der Saison 2008/09 mit dem FSV die Klasse halten konnte, trat er nach acht sieglosen Ligaspielen zu Beginn der Spielzeit 2009/10 am 4. Oktober 2009 von seinem Amt zurück.

    Kommt das hin?

  • User
  • 09.12.2009 10:54:57 Hotte80

    Das is richtig. Oral is erst in dieser Saison zurückgetreten.

  • User
  • 09.12.2009 10:55:59 Hotte80

    Ach ja, und der Fink hat seinen Schein schon ein paar JAhre

  • User
  • 09.12.2009 13:54:06 Süüdkurvä

    ich weiss nicht, irgendwie hätte der heldt zusammen mit der babbel-entlassung auch freiwillig gehen können.
    Einem Fußballtrainer muss klar sein, dass er nicht nach seiner Arbeit beurteilt wird, sondern am nackten Resultat.
    man sollte meinen, das gleiche darf auch für einen manager gelten. oder wer hat masse statt klasse eingekauft?

  • User
  • 09.12.2009 13:56:39 Atatenango

    Jürgen Sundermann? Ich dachte der sei längst tot!

  • User
  • 09.12.2009 14:49:50 oberhofer

    Ich denke, dass sowohl von Vereins- als auch von Fanseite ein Platz im Mittelfeld, von mir aus auch in Nachbarschaft zu Hannover und Frankfurt, toleriert worden wäre. Der VfB ist nicht Bayern München, wo Trainer auf Platz 4 stehend gefeuert werden und die Welt untergeht!

    Schlimm, und die Stimmung zum Kippen bringend war das Spiel in Leverkusen. In 35 Jahren, die ich nun VFB-Fan bin, hab ich nicht eine so schlechte Leistung einer VfB-Mannschaft gesehen. Dass man das auch von Vereinsseite nicht mehr hinnimmt hat meiner Meinung nach nichts mit Anspruchsdenken zu tun, da hätte auch bei Pauli und jedem anderen Profiverein der Baum gebrannt!

    Das grosse Verdienst der 3000 Spackos "ausm 32er" ist, diese Tatsache völlig in den Hintergrund gedrängt zu haben.

  • User
  • 09.12.2009 19:46:30 BOD

    »wer hat masse statt klasse eingekauft?«

    Ich bitte dich. Die Einkäufe von Hleb und Progrebniak wurden doch wirklich von allen begrüßt. Ein klasse Mann verkauft, zwei eingekauft. Was kann Heldt dafür, dass die ihre Leistung nicht bringen. Das ist genau die gleiche Klugscheißerei wie ein Trainer sei zu hart oder zu nett.

    Hinterher wollen es alle schon immer gewusst haben, dass Hleb und Progrebniak nichts taugen werden...aber sicher doch.

  • User
  • 09.12.2009 21:54:44 Süüdkurvä

    unabhängig davon, dass es zur zeit 3-1 steht - soweit ich weiss, ist hleb nicht gekauft, nur geliehen (lasse mich aber gerne belehren), und naja, progrebniak kann zwar mehr, aber "klasse"? da haben andere bundesligisten vorne mehr zu bieten. und danach wird's dann schon recht dünne mit den top-verpflichtungen, die wirklich eingeschlagen haben... marke bastürk, oder simak, usw.

  • User
  • 10.12.2009 12:45:10 der lenny

    Die Vereinsstruktur und das öffentliche Auftreten könnte man sich gar nicht besser vorstellen, verkörpert durch die Personen Mayer-Vorfelder[.../i]

    Bitte?!

  • User
  • 10.12.2009 15:48:29 AntiMöller

    Ich hatte vor der Saison den VfB als Meisterschaftskandidaten auserkoren. VOR dem grossen FC Bayern.
    Hleb, Progrbniak...*Zunge schnalz*...und noch Kohle übrig!
    (aber ich liege auch im internen Managerspiel abgeschlagen auf dem letzten Platz, in dem ich sonst immer abräumte)

  • User
  • 10.12.2009 15:49:14 AntiMöller

    ach so: Babbel hatte doch zuletzt dauerfrei, oder? (@ Lehrgang)

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