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03.12.2009

Randale in der A-Junioren-Bundesliga

Ohnmacht und Schweigen

Text: Fabian Friedmann  Bild: Imago

Am Sonntag kam es beim U19-Bundesligaspiel zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund zu massiven Randalen. Der DFB ermittelt, die Vereine schweigen, und Faninitiativen warnen vor Schnellschüssen. Alles wie immer?

Randale in der A-Junioren-Bundesliga - Ohnmacht und Schweigen


Am liebsten würden die betroffenen Vereine die Vorkommnisse vom Wochenende vergessen: Verfeindete Hooligans der beiden Revierklubs hatten sich vermutlich gezielt zu dieser Auseinandersetzung auf der Sportanlage an der Baulandstraße im Gelsenkirchener Stadtteil Scholven verabredet. Neben 200 Krawallmachern hatten auch etwa 300 friedliche Fans den Weg ins Stadion gefunden. Die Zahlen machen deutlich, dass ein derartiges Aufkommen an gewaltbereitem Fanpotential bei einem Spiel der A-Junioren-Bundesliga kein Zufall sein kann.



Zum Glück für alle Beteiligten konnte die Polizei ein Aufeinandertreffen der beiden Gruppen gerade noch verhindern. Dafür flogen Leuchtraketen, Flaschen und Steine. Einige der 300 Zuschauer gerieten unfreiwillig zwischen die Fronten und wurden von Pfefferspray leicht verletzt. Mannschaften und Trainer beider Vereine türmten vor dem herantsürmenden Mob in die Kabine. BVB-Juniorentrainer Peter Hyballa sagte den »Ruhr Nachrichten«, dass seine Spieler bereits vor dem Anpfiff bespuckt und angepöbelt worden seien.

Im Vorfeld des Spiels waren die Vereine und die Sicherheitsbehörden bereits in engem Kontakt gewesen, da in der Vergangenheit geringfügige Störungen bei Begegnungen der Junioren-Bundesliga zwischen Schalke und Dortmund aufgetreten waren. Nach bisherigen Erkenntnissen gab es vor der Begegnung am Sonntag jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass gewaltbereite Fangruppen beider Klubs bei dem Spiel aufeinander treffen sollten.

Bespuckt und angepöbelt


Nachdem es zu gewalttätigen Aktionen gekommen war, unterbrach der  Bundesligaschiedsrichter Guido Winkmann nach 25. Minuten das Spiel. Als sich die Situation nicht beruhigen wollte, brach der Referee nach Rücksprache mit dem Einsatzleiter der Polizei die Begegnung nach 40-minütiger Wartezeit endgültig ab.

Nun liegt die Sache in den Händen des DFB. Der Kontrollausschuss hat die Ermittlungen aufgenommen und beide Vereine zu einer Stellungnahme aufgefordert. Dabei wird über eine Anklageerhebung beim DFB-Sportgericht entschieden. Mitarbeiter der Videoplattform DFB.TV waren zufällig Zeuge der Vorkommnisse, deren Bilder jetzt von den zuständigen Stellen ausgewertet werden. Die Anzeichen sprechen zwar für eine Wiederholung der Partie, aber auch ein Punktabzug für beide Klubs scheint denkbar, so ein DFB-Sprecher. Ob eine eventuelle Neuansetzung auf neutralem Platz oder in einem Stadion mit größeren Sicherheitsstandards stattfinden muss, ließ er jedoch offen.

Allein solche sicherheitstaktischen Überlegungen zu einem U19-Bundesligaspiel machen das Ausmaß des Problems von Gewalttätern im deutschen Fußball erneut allzu deutlich. Was schon länger von Polizei und Fanprojekten punktuell beobachtet wurde, dass eine Verlagerung der Gewalt zu den unteren Spielklassen und Jugendspielen stattfindet, scheint sich nun faktisch zu bestätigen.


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